5 kleine Missverständnisse zum Thema Erziehung

Die folgende Hitliste entbehrt jeder wissenschaftlichen Absicherung und basiert lediglich auf Lebenserfahrung. Rein persönlicher, subjektiv durchtränkter Lebenserfahrung als Tochter, Frau, Mutter, Lehrerin, Freundin, Nachbarin und Humanistin

Eltern und ihre Kinder müssen Freunde sein

Wenn Kinder unsere Freunde wären, hießen sie Freunde und nicht Söhne oder TöchFullSizeRenderter. Eltern sind die ersten und wichtigsten Vorbilder ihrer Kinder, die völlig unwissend auf eine Welt kommen, auf die sie niemand vorbereitet hat: Sie kennen weder unsere gesellschaftlichen Konventionen, noch wissen sie, was Ironie ist. Sie wissen nichts von den 10 Geboten, dem Grundgesetz oder der Hausordnung von Frau Meyer aus dem dritten Stock. Das müssen wir ihnen zeigen und beibringen. Am besten durch Vorleben. Und damit sie im Leben nicht gehörig auf die Schnauze fallen, weil sie den Chef aus Frust laut „Hurensohn“ nennen, als Mann ein Damenklo benutzen oder bei Rot über die Ampel fahren, müssen wir ihnen durch vernünftige Konsequenzen zeigen, was passiert, wenn sie sich nicht an Regeln halten. Wenn mein Kind bei Rot über die Ampel läuft, ist das keine kreative Auslegung der Verkehrsregeln, oder besonders selbstbewusstes Verhalten, sondern lebensgefährlich.

Wenn alles gut läuft, werden unsere Kinder genug Freunde im Leben finden. Dazu brauchen sie uns nicht auch noch. Aber Eltern haben sie nur zwei, also sollten wir uns bemühen, die Rolle auch gescheit auszufüllen.

Die Erziehung übernehmen Kindergärten und Schulen

Nö.

Kindergärten und Schulen haben zwei Aufgaben: Bilden und Betreuen. Dabei sollen sie natürlich die Erziehung der Eltern fortführen und unterstützen, aber ganz sicher nicht ersetzen. Wie soll das überhaupt gehen? Eine Mutter hat im Durchschnitt vielleicht zwei Kinder, eine Lehrerin 30. Wenn die Mutter es nicht schafft, ihrem Kind gutes Benehmen beizubringen, wie soll es dann die Schule…?

Verbote oder Strafen brechen den Willen des Kindes und überfahren seine Persönlichkeit

Verbote und Strafen müssen natürlich sinnvoll sein. Ein Verbot trägt dazu bei, das Kind vor Schaden zu bewahren (wie z.B. „man spielt nicht mit Feuer“ oder „vor einer roten Ampel bleibt man stehen“), die Strafe sollte dazu dienen, dem Kind die Konsequenzen vor Augen zu führen. Wenn man nur diskutiert und sich immer Wieder um den Finger wickeln lässt, lernt das Kind „eigentlich darf ich alles, wenn ich nur lange genug diskutiere“. Aber wenn es lernt, dass auf Fehlverhalten unliebsame Konsequenzen folgen, überlegt es sich das eines Tages anders.

Mein Kind weiß am besten, was gut für es ist.

Also, mein Kind weiß nicht von sich aus, dass zuviel Zucker dick macht und den Zähnen schadet. Mein Kind weiß nicht, dass ein Sommerkleid im Winter zwar obercool und sehr chic ist, es davon aber leicht eine Nierenbeckenentzündung oder Schlimmeres bekommt. Mein Kind weiß auch nicht, dass viele Vollidioten im Straßenverkehr unterwegs sind und man deshalb immer lieber einmal zuviel guckt, und nicht planlos über die Straße läuft, auch wenn es eine „Spielstraße“ ist. Nein, mein Kind weiß nicht, was gut für es ist. Aber ich kann ihm geduldig und liebevoll beibringen, es zu lernen.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es, unser Kinder vor allem Unbill zu schützen.

Dieser Satz hört sich zunächst richtig und löblich an. Birgt aber Gefahren. Denn eigentlich ist das eine unmögliche Aufgabe. Ich kann mein Kind nicht vor allen Schwierigkeiten schützen, weil ich nicht der liebe Gott bin. Es wird unweigerlich in seinem LebeFullSizeRendern auf bösartige Menschen, gefährliche Situationen, schlechte Noten, Wut, Trauer und Ärger treffen. Wenn ich ihm dann nicht beigebracht habe, wie man damit umgeht, wird es untergehen. Ich sollte ihm vielmehr ein gesundes Selbstwertgefühl und Kritikfähigkeit beibringen, damit es später bei (1) blöden Sprüchen von Anderen, (2) einer 3- in Mathe oder (3) Verlaufen im Kaufhaus nicht in Tränen ausbricht oder (4) einen Wutanfall bekommt, wenn mal etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Sondern damit es lernt, sich im Falle des Falles (1) zu wehren, (2) Rückschläge als Ansporn zu begreifen, (3) Hilfe zu holen oder (4) nach anderen Lösungen zu suchen.

Also seien wir

statt Freunde Vorbilder und liebevolle Eltern

statt Ernährer Erzieher

hart, aber herzlich, offen, aber konsequent

statt Bewunderer Vor- und Ausbilder

statt Beschützer Trainer

Nur Sprechenden kann geholfen werden ;-)

„Schule soll doch aufs Leben vorbereiten…“ hörte ich diese Woche aus meinem Leistungskurs, in dem man sich – mit meinem völligen Einverständnis – darüber echauffierte, weshalb man denn in Mathe so abgehobene Dinge wie Kurvendiskussionen machen würde statt zu lernen, wie man eine Steuererklärung oder – mein Hinweis – einen Bafög-Antrag ausfüllt. Weshalb man im Deutschunterricht eine Textanalyse nach der anderen schriebe, statt mal eine ausführlich Reihe zum Thema „Bewerbungsschreiben verfassen“ oder „Wie werde ich Millio– Schriftsteller“ durchzuführen.

Das alte Lied.

Wer bereitet aufs Leben vor? Elternhaus oder Schule?

Wer erzieht die Brut? Eltern oder Lehrer?

So sehr vielen von uns diese Diskussion vielleicht langsam zu den Ohren herauskommt, so unterschiedlich sind doch die Meinungen dazu. Prinzipiell ist man sich vermutlich einig: Die Eltern erziehen, die Schule bildet.

Aufs Leben bereitet das Leben vor. Die Erfahrung. Und dabei unterstützen einen im besten Fall sowohl die Familie als auch die Schule. Und natürlich hat Schule die Aufgabe, die Erziehung der Eltern zu unterstützen und fortzuführen, sie kann und will sie aber nicht ersetzen.

Direkt gesagt:

Eltern lehren:

  • bitte / danke sagen
  • Respekt anderen gegenüber
  • freundlichen und höflichen Umgang
  • Rücksicht auf andere nehmen, abwarten können
  • usw.

Lehrer lehren:

  • Mathematik
  • Fremdsprachen
  • lesen und schreiben
  • geschichtliches, geographisches und politisches Allgemeinwissen
  • usw.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch die Eltern ihre Kinder weiterbilden sollen und können oder dass Lehrer nicht auch mal erzieherisch tätig werden. Aber es ändert nichts am Grundprinzip. Wie sollten Lehrer mit 32 Kindern fertig werden, wenn es nicht mal Eltern mit einem schaffen? Da hier aber die Meinungen oft so weit auseinander zu driften scheinen (eine mir sehr nahestehende Person sagte mal über ihr partout nicht hören wollendes Kind: „Hach, wenn es erstmal in die Schule kommt, da wird es erzogen“), wäre es eigentlich doch sinnvoll, sich öfter und intensiver über gegenseitige Erwartungen auszutauschen. Eltern und Lehrer. Die Angst („wenn ich mich beschwere, muss mein Kind das ausbaden“) bzw. den Anwalt zuhause zu lassen und das konstruktive Gespräch zu suchen.

Es ist doch so: Ich als Lehrerin fühle mich sehr viel wohler, wenn ich weiß, dass man mich vertrauensvoll über Dinge informiert, die anscheinend suboptimal laufen. Dann kann ich sie ändern, oder zumindest offen ansprechen, statt langsam zum Alptraum meiner Schüler zu mutieren, ohne es zu merken. Wenn dann mein Kind demnächst in die Schule kommt, wird es mir als Mutter auch lieber sein, wenn umgekehrt die Klassenleitung etwaige Probleme anspricht, statt sie auszusitzen. Ich möchte nämlich auch nicht, dass mein Kind zum Alptraum irgendeines Lehrers mutiert. Was ich übrigens wie alle Mütter für völlig unrealistisch halte 😉

Oder, wie meine Lieblingsnachbarin immer zu sagen pflegt:

Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Lego – Unterrichtsbausteine einmal anders

Alles, was den Lernstoff gut erklärt und trotzdem Abwechslung vom Text- und Tabellenalltag bringt, ist in meinem Unterricht herzlich willkommen.

Abwechslung – in kleinen Dosen – motiviert und überrascht. In diesem Fall nicht in Dosen, sondern eher in kleinen und großen Schachteln. Schon mit fünf Jahren entdeckte ich meine Liebe zu den kleinen Bausteinen in bunten Farben, und somit bin ich auch begeisterte Lego-Lehrerin. Hier eine kleine Übersicht der Einsatzmöglichkeiten aus meinem Deutsch- und Musikunterricht:

IMG_7751Man kann mit den kleinen Helfern zum Beispiel den Akkordaufbau und die Umkehrungsmöglichkeiten verdeutlichen – angefangen beim einfachen Terzaufbau bis hin zum Expertenwissen bezüglich Kadenzen.

Mit den verschiedenen Steingrößen kann man arbeiten, wenn man zum Beispiel in Klasse 5 (und auch später) die verschiedenen Tondauern, sprich Notenwerte erklärt. Wieviele Halbe passen in einen 4/4-Takt? Oder – wieviele 2-er Steine passen auf einen 4er-Stein?

Auch die unterschiedlichen Intervalle lassen sich so anschaulicher darstellen.


Im Deutschunterricht kann man zum Beispiel Satzkonstruktionen bauen lassen – und die SchülerInnen erleben haptisch bei der Umstellprobe, dass manche Wörter ein Satzglied bilden und nicht getrennt werden können.

Oder man entwendet der Tochter ihrer sämtlichen LegoDuplo-Prinzessinnen und -Piraten und erweckt Dramenszenen zum Leben oder verdeutlicht zumindest die Figurenkonstellation aus „Faust“ oder „Woyzeck“.

Nachdem wir seitenweise Literatur gewälzt und übersichtliche, fein nach Epochen sortierte Tabellen zum Thema Literaturepochen angefertigt haben, wollte ich den SchülerInnen noch einmal veranschaulichen, was der Begriff „Epoche“ überhaupt bedeutet – dass die Grenzen fließend sind, IMG_9126 und alle Epochen in der Geschichte miteinander zusammenhängen. Dazu habe ich ein „Schaubild“ gebaut und hatte inklusive Vortrag nicht nur die volle Aufmerksamkeit des ganzen Kurses, sondern auch selber eine Menge Spaß.

Wie gesagt – auf die Dosis kommt es an, auch die beste Idee verliert an Wert, wenn man sie zu oft oder nur noch wegen des vermeintlichen Showeffektes verwendet, aber falls ihr Lehrer seid und das nächste Mal für eure eigenen Kinder Lego kauft: Seht es auch als Investition in euren Unterricht 😉

Text voller Grimm ;-): Na, wer kennt sie alle?

Hans, Marie, Betty und Ilse, genannt „Ilzchen“, gründeten eine Band. Sie wollten sich „Die Kristallkugel“ nennen, in Anlehnung an coole Discokugeln, aber eben aus wertvollem Kristall. Nun suchten sie die richtige Stilrichtung für sich.

FullSizeRenderHans meinte: „Ich hab vom Fischer und seiner Frau gehört, dass Volksmusik total in ist. Vielleicht sollten wir in die Richtung…“ Ilzchen fragte: „Wer ist denn der Fischer?“, und Marie antwortete genervt: „Er meint den Silbereisen, den Dauerverlobten von der Helene Fischer. Hans hat heute mal wieder einen Clown gefrühstückt oder zuviel vom Rotkäppchen-Sekt getrunken. Volksmusik ist so yesterday, Hans. Im glücklichsten Fall machen wir eine goldene Platte, danach nix mehr.“ Hans grinste. „Aber einmal Gold, Marie, ist doch super!“ Doch Marie winkte ab. „Ich würde vorschlagen, wir machen was in Richtung Rap.“ Sie teilte Noten aus. „Das ist unser Stück, wir gehen das mal durch.“

Sie rappten, tanzten und sangen sich die Seele aus dem Leib, doch es wollte nicht klappen. Der große musikalische Höhenflug blieb aus, sie klangen eher wie die drei Männlein im Walde. „Hans, mein Igel, kannste nicht rappen?“ Marie klang verzweifelt. „Wir sind doch nicht die Bremer Stadtmusikanten! Zeig mal Taktgefühl!“ Sie blätterte zurück. „Nochmal den Rap. Un‘ zelebrier den Text mal richtig.“ Langsam wurde es besser. Doch zufrieden war Marie immer noch nicht. „War schon besser, aber du rumpelst, Ilzchen, du bist nicht im Takt.“ Langsam reichte es den Anderen. „Dann hast du eben Pech, Marie„, gab Ilzchen beleidigt zurück.

Hans überlegte. Wie könnte man Maries Laune etwas verbessern? Ha! Blumen. Er bat um eine Pause und lief zum nächsten Floristen. Moment. Er wühlte in seinem Portemonnaie. Hatte er überhaupt noch Asche? N‘ Puttelchen war noch übrig, für einen kleinen Strauß Rosen würde es reichen. Als er zurückkam, wechselten die Mädels grad die zertanzten Schuhe. Hans kniete vor Marie nieder. „Hier, Rosen ohne Dorn‘, Röschen.“ Marie hob die Augenbraue. „Ich hasse Rosen, weißt du das nicht? Ich liebe Orchideen. Am besten schneeweiß. Und Rosen rotten vor sich hin.“ Hans war gerade daumesdick vom Platzen entfernt. Aber er riss sich zusammen. „Dann keine Blumen, aber wir fahren am Wochenende ans Meer, Häschen, okay?“ Sie nickte. „Das ist schon eher was, am besten wir alle vier zusammen, dann können wir noch etwas proben.“

Hans schluckte. Er und die drei Spinnerinnen zusammen in Urlaub?

Niemals.

Und so fuhr er allein, und startete überdies eine sehr erfolgreiche Solokarriere. Ohne die Gänse. „Mag die doch der Bohlen holen.“

5 Gründe, weshalb Kinder keine Bücher lesen sollten

fullsizerender1) Lesen bildet. Dass es Sumerer, Attila, den Hunnenkönig oder Pompeji gab, weiß ich nicht aus dem Geschichtsunterricht, sondern habe ich zum ersten Mal in meinen Micky-Maus- und Donald-Duck-Büchern gelesen. Wie es in Deutschland in den Jahrzehnten um 1900 ausgesehen hat, weiß ich von „Trotzkopf“ oder „Nesthäkchen“. Aber da es natürlich nur gerecht ist, wenn alle Kinder, die den Unterricht besuchen, gleich viel oder wenig wissen (man soll ja heutzutage auch die Rechtschreibfehler seines Kindes nicht mehr verbessern, es soll so schreiben, wie es hört, meint oder fühlt), sollten sie möglichst auch keine auffälligen Geschichtskenntnisse haben, die dann im Unterricht zu Langweile führen, weil man das ja alles schon weiß.

2) Lesen entführt in eine andere Welt. Dort kann man sein, wer man will – Winnetou, Prinzessin oder ein Hobbit. Man kann sein, wie man will – für das Gute kämpfen, das Böse verkörpern oder einfach in Bullerbü mit den netten Kindern Baumhäuser bauen. Doch die Kinder von heute sind schon abgelenkt genug, wie sollen sie neben Hausaufgaben, handelsüblicher iPad- und Smartphonebedienung jetzt auch noch zum Lesen kommen.

3) Lesen hilft dabei, sich im Leben zurechtzufinden. Eine Geschichte, die mich bis heute prägt, ist Momo. Heute so aktuell wie nie beschreibt sie, was Zeit bedeutet, wie sorgsam man mit ihr umgehen sollte, dass man auf der Jagd nach Zeitersparnis genau das Gegenteil erreicht. Auch, wenn wir mit Helden mitfiebern, die uns zeigen, dass Außenseiter oft die besseren Menschen sind, lernen wir dazu. Vorbilder prägen uns, auch literarische. Aber wenn einem schon die ganzen KindergärtnerInnen und LehrerInnen ständig in die Erziehung funken, dann doch bitte nicht auch noch Meister Hora oder Albus Dumbledore.

4) Lesen tröstet. Wenn man gemobbt wird, schlechte Noten bekommt oder sonst wie Ärger hat, kann man sich mit einem Buch (und Schokolade) in seine Kuschelkissen zurückziehen und ein paar Stunden in eine Welt flüchten, die besser, anders und schöner als die eigene ist. Und das wollen wir ja nicht. Unsere Kinder sollen keine Träumer werden, sondern lernen, sich mit der harten Realität auseinanderzusetzen.

5) Lesen trainiert die eigene Sprache – ohne büffeln. Klar ist man besser in Rechtschreibung und Ausdrucksvermögen, wenn man viel liest. Einfach dadurch, dass sich das Hirn ständig bewusst und unbewusst mit Sprache beschäftigt. Man „weiß“ einfach, wie bestimmte Wörter buchstabiert werden, und man bekommt einen größeren Wortschatz. Aber wir wollen ja keine Eliteschüler, Besserwisser oder Streber großziehen.

Also:

Sagen wir unseren Kindern täglich, dass Lesen schädlich ist, aber nehmen wir dabei stets ein Buch in die Hand, denn wir wissen ja: Kinder folgen unserem Rat, nicht aber unserem Beispiel.

Oder hab ich da was verwechselt?

„Muß Te l@n’g AUF BUS War Te n“: Omi hat jetzt WhatsApp

Wenn Eltern ihre Kinder überraschen…

Meine Mama ist 73.

Ihr Handy ist vermutlich zwischen den beiden Weltkriegen entstanden. Zu Weihnachten haben wir, ihre Kinder, also beschlossen, dass es Zeit für ein Smartphone ist. Wir wohnen nicht nahe beieinander, und ich möchte meine Mama durch Fotos an unserem Alltag teilhaben lassen. Also sind wir losgezogen und haben ein schönes Exemplar für Senioren ausgesucht: Leicht zu bedienen, großes Display.

Natürlich hatten wir ein wenig Sorge, sie zu überfordern. Was ist, wenn sie keine Lust hat, soviel Neues zu lernen (und für sie bedeutet ein Smartphone sehr viel Neues, sie hatte bisher keinen Internetanschluss, keine Ahnung von Apps und hat mit ihrem Handy nur telefoniert und gesmst), wenn sie verzweifelt, weil sie Angst hat, uns zu enttäuschen?

Weit gefehlt.

Mümmis erste Reaktion: „Na, ich hoffe, ihr habt Geduld, mir das beizubringen.“

Haben wir. Und jetzt übt sie. Jeden Tag. Natürlich lachen wir uns kaputt, wenn whatsapps kommen wie

„Bin DA HEIM… Muß Te l@n’g AUF      BUS War Te n.“,

aber wir lachen niemals über sie, sondern mit ihr. Wir haben großen Respekt davor, wie vorurteilsfrei und interessiert am Lernen sie sich darauf einlässt und jeden Tag besser wird.

Einer meiner vielen Vorsätze für das neue Jahr ist, das Alter noch mehr zu respektieren. Sowohl nach oben als auch nach unten. Also, die Jugend für ihre Talente, und auch die weisen Semester. Manchmal bin ich einfach zu ungeduldig: In der Schule, obwohl mir natürlich klar ist, dass die Jugendlichen noch nicht alles wissen können, und bei meiner Mama, obwohl ich weiß, dass mit dem Alter das Gehör und die allgemeine Schnelligkeit abnehmen. Wer weiß, was meine Kinder und Enkel mir später augenbrauenhochziehend beibringen müssen… Demut, Demut.

In diesem Sinne:

Ein gutes neues 2017 – Eltern, Lehrer, Kinder, Schüler, überrascht und respektiert euch!

Original und Fälschung: Ein Weihnachtsgedicht für alle Klausurschreiber

Das Original: Theodor Storm: Knecht Ruprecht

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolche‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“
— „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier:
Denn Apfel, Nuß und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“
— „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun spreche, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

 

Die Fälschung: Tina Flynn: Für alle Klausurschreiber kurz vor Weihnachten

Von zuhaus, aus’m Bette komm‘ sie her;
Auch wenn sie wissen, es weihnachtet sehr:
Allüberall auf den Klassensitzen
sieht man Schüler in ihre Spickzettel blitzen.
Und vorne von dem Lehrerpult
Sieht mit großen Augen der Lehrer voll Huld,
Und wie sie so interpretieren durch finstere Tiefen,
hört man den ein oder anderen schniefen.
„Gesundheit“, ruft man, siebzehn mal,
der Kranke schaut hoch, verschnupft voll Qual.
Die Schulglocke fängt zu bimmeln an,
Die Klausur beginnt, nun kommt’s drauf an!
Mädchen und Jungen sollen nun
nicht eher von der Arbeit ruhn,
als bis die Bögen vollgeschrieben,
sie sind nervös, hoffnungsvoll, getrieben.
Ein Schüler seufzt: „O elender Mist,
Meine Reise hier zu Ende ist;
Die Aufgabe ist Mist auf diesem Blatt,
mein Latein ein Ende hat.“
„Hat jemand einen Killer für mich?“
Man spricht: „Hier, nimm, der ist für dich.“
Denn Killer, Spitzer, Taschentücher
Fehlen genau so oft wie Bücher.
„Wieviel Zeit haben wir noch hier?“
Der Lehrer spricht: „Noch der Minuten vier.“
Den guten Schülern zu wenig, den andren egal,
Dann geben alle ab, siebzehn an der Zahl.
Der Lehrer spricht: „So ist es recht;
So geht mit Gott, ihr treuen Knecht‘!“
Nach Haus‘ ins Bette gehen sie dann;
und fangen gleich zu grübeln an:
Im Prinzip wissen sie geschwind:
Sind’s fleiß’ge Kind, sind’s faule Kind?

Viel Erfolg, Glück, Selbstbewusstsein und was man sonst so braucht (außer Spickzetteln) 😉

Wenn Schüler austeilen… ;-)

5 Punkte, die den Lehrerberuf einerseits so toll und andererseits so nervtötend machen (die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen)

5 Punkte, die den Lehrerberuf so toll sein lassen:

Jeder findet seinen Platz. Egal, ob der sympathische Nerd, die coole Rampensau oder die verlässliche Vaterfigur – jeder Menschentyp findet in der Schule seine Nische und hat die Möglichkeit, durch freundliches Auftreten, besonderen Humor oder fundiertes Fachwissen Sympathien und Respekt zu erlangen.

Man ist sein eigener Chef, ohne die ganze Verantwortung allein tragen zu müssen. Der Lehrer muss natürlich diverse Richtlinien und Lehrpläne beachten, aber solange er sich halbwegs vernünftig verhält, ist er Chef im Ring und kann seinen Unterricht so gestalten, wie er möchte. Wenn wirklich mal die Hütte brennt, kann man sich aber immer noch in die Arme der Schulleitung flüchten.

Man arbeitet mit Menschen, nicht mit Robotern. Haben Sie schon einmal einem Bankberater gegenübergesessen, sich in seinen Augen verloren und gefragt, ob hinter seinen ganzen Phrasen und auswendig gelernten Formeln ein menschliches Wesen haust? Lehrer brauchen das nicht. Sie kriegen den Menschen pur, denn Kinder und Jugendliche sehen noch nicht ein, warum man sich verstellen sollte. Wenn sie dich toll finden, zeigen sie das genau so, als wenn sie dich für eine völlig überbezahlte Pädagogennull halten. Außerdem kann man mit ihnen noch über jedes Thema diskutieren, weil sich ihre Ansichten, Vorurteile und moralischen Werte noch nicht so verfestigt haben wie bei manchem Erwachsen, der glaubt, die Wahrheit gepachtet zu haben.

Man muss sich nicht mit Kollegen herumschlagen (meistens). Bisher habe ich Lehrer als sehr friedfertige, kommunikative Menschen kennen gelernt, mit denen man „über alles reden“ und mit denen man sowohl sein Unterrichtsmaterial, als auch Sorgen und Nöte teilen kann. Beruflichen Neid erlebt man selten, warum auch, jeder macht sein eigenes Ding. Auch um die Urlaubswochen muss man sich nicht prügeln – die Ferientermine stehen ja für alle gleich fest.

Egal, ob man „was mit Menschen“ oder „was mit Medien“ machen wollte – nirgends kann man sich so gut selbst verwirklichen, wie hier. Und das bei regelmäßigem Gehalt. Klar stehen meine Unterrichtsthemen fest, aber ob ich meine Reihe zu Kafka als digitale Präsentation, Theatererlebnis oder frontalunterrichtsbasiertes Unterrichtsgespräch gestalte, bleibt mir überlassen. Der Überpädagoge kann viel seiner Zeit in Gespräche einfließen lassen, sich im Bereich Sozialpädagogik stark machen, der künstlerisch angehauchte Mensch kann seine Arbeitsblätter selbst gestalten oder Konzerte organisieren, der Literat die Bibliothek führen oder eine Schülerzeitung betreuen, der Sportler ganze Wettkämpfe ins Leben rufen und und und… Außerdem gibt man den vielen Menschen ein bisschen von sich selbst mit, und wenn das bedeutet, dass ein Mensch durch mich ein wenig selbstbewusster, ein wenig fröhlicher, ein bisschen schlauer oder in irgendwas ein bisschen besser geworden ist, dann ist Lehrer der schönste Beruf der Welt.

 

5 Punkte, die den Lehrerberuf so nervtötend machen (wenn man eine volle Stelle hat):

Man hat nie frei. Immer liegen irgendwelche Korrekturen auf dem Schreibtisch. Irgendwelcher Unterricht ist immer vorzubereiten. Und selbst wenn nicht, KÖNNTE man ja schonmal die nächste Reihe planen, Frau Meyer anrufen oder die neue Sitzordnung der 6c zusammenfriemeln. Eltern rufen einen auch gern mal abends und am Wochenende an, und wenn sie einen beim Einkaufen ertappen, verwickeln sie einen mit der Formulierung „Ach, wo ich Sie grad sehe“, gern in ein Gespräch über den Entwicklungsstand ihres Sprösslings.

Man darf nicht jammern. Wenn Geschäftsleute, Krankenschwestern oder Rechtsanwälte über zuviel Arbeit klagen, dürfen sie sich des allgemeinen Mitgefühls sicher sein. Wenn Lehrer das tun, jammern sie und bekommen zu hören, dass sie keine Ahnung von „der Welt da draußen“ hätten und schließlich als einzige Wesen des Universums 12 Wochen Ferien, also DREI MONATE BEZAHLTE FERIEN im Jahr hätten. Dass das unterrichtsfreie Zeit und nur im Sommer wirklicher Urlaub ist, zählt nicht. Denn unterrichtsfreie Zeit ist ja nicht nachprüfbar. Ob der Kollege den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und Mathe korrigiert oder Clash of Clans spielt – wer will das wissen…?

Jeder kann es besser als man selbst. Egal, ob es um Zeitmanagement, schwierige Schüler, Notengebung oder allgemein Unterricht geht, schnell sind die Leute mit dem Satz „du musst doch nur…“ zur Stelle. Jeder kann lebendiger unterrichten und fairer korrigieren als Lehrer.

Man soll für die Fehler anderer geradestehen. Malte-Jonas-Benjamin hat eine 5? Sarah-Joelina hat sich geprügelt? Florian weigert sich, Hausaufgaben zu machen? Da haben wohl wieder die Lehrer geschlampt. Nicht richtig aufgepasst, nicht gut erzogen, langweiligen Unterricht gemacht und überhaupt – nicht richtig motiviert.

Man soll Wunder vollbringen ohne Zauberstab und jegliche magische Formel. Wenn man das nicht schafft, ist man inkompetent oder überfordert. In Klassen von bis zu 36 SchülerInnen verschiedenster kultureller, erziehungstechnischer und bildungsbezogener Voraussetzungen sollen die Lehrer es innerhalb von 45 Minuten schaffen individuell auf jeden einzugehen, seinen Stoff zu vermitteln, Freude zu verbreiten und noch dazu zu jedem einzelnen Schüler Lern- und allgemeinen Entwicklungsstand festzuhalten. Stella, die von ihren Eltern kein Nein kennt, Flo, dessen Eltern in Scheidung leben, der grad total abdriftet und Elvira, die kaum Deutsch spricht. Max, der voller Wut im Bauch nur provoziert, Steffi, die total lieb, aber hoffnungslos überfordert ist und Till, der von anderen gemobbt wird und sich nicht traut, den Mund aufzumachen. Klingt schwierig? Aber ich bin doch erst bei Schüler Nr. 6 von 36…

Wo auf dieser Skala von toll bis nervtötend die Wahrheit liegt, und ob es noch weitere Punkte auf jeder Seite gibt, muss jeder Lehrer für sich entscheiden 🙂

Mein PINKer Ford METALLICA missfällt der QUEEN

Mein Name ist Floy.

Ich weiß.

Dafür kann ich aber nichts.

Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Australier. Mama wollte mich Flo nennen, Papa Joy, und so ist Floy draus geworden. Und heute, an Weihnachten, war der Joy bei Floy besonders groß, weil meine verrückte australische Tante Mary zu Besuch kommen würde. Schon den ganzen Tag klatschte ich wie blöd in die Hände, lachte, und freute mich. Tante Mary Strollings war eine richtige Queen, ach, was sage ich, ein bunter, schriller Vogel Strauß des Alltags. Von den Ärzten hat sie mehr Beruhigungstabletten verschrieben bekommen, als eine Elefantenherde bräuchte, trotzdem war alles für sie ein Aufreger. Dann war sie da. Brennend wie ein Dynamo, zart wie bereits erwähnte Elefantenherde. „Oh, Floy, mein Bernstein„, sagte sie in diesem markerschütternden Strollings-Ton, „es freut mich wahnsinnig, dich zu sehen!“, dann fiel ihr Blick auf meine Kunstsammlung über der Kommode in der Diele. Naja, eher Kunstdrucksammlung. „Rembrandt! Ich liebe the Rembrandts!“, schrie sie verzückt. „The who?“, gab ich ungerührt zurück. Ich hatte das Bild gekauft, weil es mir gefallen hatte, keine Ahnung, wie der Maler hieß. Mary schüttelte nachsichtig den Kopf. „Du little Kunstbanausin. Wieso gehst du überhaupt nicht ans Telefon? Ich hab dich fünfmal angerufen!“ „Es ist kaputt“, erwiderte ich. „Dann musst du wohl mal den Telemann anrufen.“ „Wen?“ Ach so. Sie meinte den Mann von der Telekom. „Wie soll ich den anrufen, wenn mein Telefon kaputt ist?“ Mary lachte. „Was ist mit deinem Handy?“ Ja, ich hab ein Handy. Aber ich hasse die Telekom und genieße es, mal nicht erreichbar zu sein. Ich wechselte das Thema und kam auf Tante Marys Liebesleben zu sprechen. „Was machen deine Beach Boys, deine australischen Prinzen?“, fragte ich grinsend. Sie errötete. „Non, ma chère“, wechselte sie in einwandfreies Französisch, „ce n’est pas bon.“ Jovial ließ ich sie damit in Ruhe. Aber sie rächte sich direkt. „A propos Prince– Ich will ja nicht gleich mit the Doors ins Haus fallen, non, aber was ist denn mit deinem Liebesleben? Immer noch toten Hosen, nicht?“ Ich verzichtete darauf, sie für ihr schlechtes Deutsch zu rügen, geschweige denn, zu antworten und bat sie ins Wohnzimmer. Dort kam der nächste Schub. „Erträgst du diesen pinken Kitsch immer noch?“, fragte Mary und wies auf das Bild von Schnabel vis-a-vis. „Ein Geschenk deiner Mutter, ich weiß, aber pink, Floy? Das sieht grauenhaft aus. Genau wie dein Auto draußen.“ Mein schöner Ford Metallic. Ausgerechnet. Mein Zweitwohnsitz. Ich liebe es, mit einem guten Buch in ihm zu sitzen, das Radio voll aufzudrehen und den Beat lesend zu genießen. „Außerdem musst du endlich aus dieser gefährlichen Gegend wegziehen, back nach Australia!“, rief sie besorgt. „Du kannst zu mir ziehen, Floy. Come back. Streetboys überall hier und New Kids on the Block, sie nehmen dir dein Geld ab und ramm‘ Steine in dein Auto. Hier wird doch vermutlich jeden Tag einmal the police gerufen.“ Sie kramte in ihrer Handtasche und gab mir eine Karte. „Take that. Ein sehr guter Makler bei mir downunder.“ Soweit kommt es noch. „Tante Mary, zieh hier nicht so eine Show ab. Bad Kissingen ist meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Ich hab hier Zivilisation, aber auch Wälder, einen Bach, einen Berg-“ Doch sie rümpfte die Nase. „Schön, Berg ist gut. Aber bei uns hast du alles – Wüste, City, Dschungel, Meer, den Timber-Lake“ Plötzlich strahlte sie mich wieder an. „Ich rede und rede, dabei bin ich doch aus einem bestimmten Grund gekommen. Merry Christmas, Liebes, hier, ich habe wahnsinnig tolle Geschenke für dich!“ Und damit packte sie schreiend bunte Päckchen aus. Also, nicht sie schrie. Die Päckchen waren schreiend bunt.

Meine Tante Mary. Ein bisschen Madonna, ein bisschen Santa. Na, wenigstens niemals langweilig…