Coronaverschwörung aufgedeckt: Homeschooling als haarige Angelegenheit

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Im Moment beschäftigen sich ja viele Verschwörungstheorien mit der Frage, wer denn von Corona profitieren könnte und entweder das Virus gezüchtet und verbreitet haben könnte oder wer einfach nur behauptet habe, es sei gefährlich.

Putin, Trump, die Chinesen oder Bill Gates- ich glaube ja, der Hund liegt ganz woanders begraben.

Vielmehr hüpft er scheinbar fröhlich herum, denn nach wochenlanger Recherche und nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es unser Hund sein muss.

Aslan liebt den Lockdown.

Seine komplette Herde ist seit Monaten fast jeden Tag zuhause, er wird gekuschelt, bespielt, gefüttert und kann sich 24/7 als König fühlen.

Stand Aslan ja schonmal in dem Verdacht, ein befellter Voldemort zu sein, der im Garten seine Horkruxe verbuddelt, würde ich jetzt noch weitergehen und behaupten, unser hackfressender Voldemort habe seine Dementoren und Todesser mit dem CoronaVirus infiziert, den die beiden Spezies dann wahlweise durch den Todeskuss (Dementoren) und Flüche (Todesser) weiterverbreiten, damit Aslan / Voldemort weiterhin zuhause über seine Herde herrschen kann.

Aber was weiß ich schon.

Ich bin nur ein verschwörungstheorisierender Muggel mit Horkruxen im Garten.

Der Clown und der Professor (und andere fantastische Menschenwesen und wo sie zu finden sind)

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In den sozialen Netzwerken brüsten wir LehrerInnen uns gern mit der breiten Palette unserer beruflichen Anforderungen. Wir sind nicht “nur” Lehrer, sondern auch

  • Therapeuten
  • Krankenschwestern
  • Dompteure
  • Alleinunterhalter
  • Reiseveranstalter
  • Trainer

und manchmal auch Putzfrauen, nachdem unsere Horde Wildpferde (der neueste Lieblingsbegriff meiner siebenjährigen Tochter) den Klassenraum verlassen hat und wir Krümel, Papierschnipsel, Brotdosen, zwei Orks und das Bernsteinzimmer auf dem Boden liegen sehen, es aber zu spät ist, die Horde zurückzupfeifen.

Dabei sollten wir uns immer vor Augen führen, dass auch unsere SchülerInnen nicht nur eine große Rolle in unserem Leben spielen, sondern viele. Sie sind nicht nur “die Brave”, “der Stille hinten links”, “die mit der Sauklaue” oder “der Klassenclown”. 

Sie sind Söhne und Töchter, Geschwister, Babysitter, Sportler, Musiker, zukünftige Ärzte, Verkäufer, Handwerker, kurz, Menschen mit Persönlichkeit, mit Wünschen und Zielen, die manchmal gar nichts mit Schule zu tun haben, mit Problemen, von denen wir Pädagogen aus oft gutbürgerlichen Verhältnissen nur alpträumen können, und mit Fähigkeiten, die in der Schule gar nicht zum Tragen kommen.

Als ein Abiturient, nennen wir ihn mal Tom, zu mir zum Elternsprechtag kam, um über seine eher traurige Mitarbeit in meinem Unterricht zu sprechen, hatte er seine kleine Schwester dabei. Und mir ging das Herz auf, als ich sah, wie umsichtig und liebevoll dieser “Stille von hinten links”, der nur wenig Interesse an meinem geschätzten Faust hat, mit der kleinen Madame umging. 

Ein Mädchen, das intellektuell eher hoffnungsvoller Nuancierung und oft den mitleidig lächelnden Gesichtern ihrer MitschülerInnen ausgesetzt ist, zeigte mehr Mut als all die “Normalen” um sie herum, als sie aus Versehen ein Auto stark beschädigt, sich aber nicht aus dem Staub gemacht, sondern es sofort gemeldet hat.

Noten sind zwar nicht rein subjektiv, wie viele gerne behaupten, aber sie sind nur eine Einschätzung einer bestimmten Person zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einer bestimmten Leistung und sagen nichts über die Qualität eines Menschen aus. Abgesehen davon, dass (wenn überhaupt) nur das Abiturzeugnis zählt, mit dem man sich bewerben oder einen Platz an einer Uni bekommen kann, sagen die Noten nichts über den Fleiß, den Mut oder den Anstand eines Menschen aus.

Ein 1,0-Zeugnis kann hart erarbeitet, aber auch von besonders begabten Menschen relativ leicht erworben worden sein. Ein 3,9-Zeugnis ebenfalls.

Und die ganzen Zeugnisse dazwischen, um die immer ein grosses Gewese gemacht wird, dienen dem Überblick zwischendurch, damit Eltern und Schüler wissen, wo sie stehen, was gut klappt, und wo noch nachgearbeitet werden muss.

Sobald nicht mehr der Dompteur, der Trainer oder der Professor im Vordergrund (der Tafel) steht, sondern auch der Mensch, der Partner und der selbst Lernende, haben in der Schule auch der Clown, die Babysitterin und die Flietzpiepe eine Chance.

Leistung ist gut und wichtig, natürlich wollen wir uns durch einen guten Abschluss die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, aber nicht umsonst erzählen uns die lebenserfahrenen Menschen jenseits der 80 oft, dass man sich am Ende nicht fragt, ob man auch genug Leistung erbracht hat, sondern wie man seine Mitmenschen behandelt hat, ob man es geschafft hat, eine glückliche Familie und / oder einen glücklichen Freundeskreis zu haben.

Und am allerschönsten ist es, glaube ich, wenn man sich sagen kann, dass man selbst ein paar Menschen inspirieren konnte. Schön, wenn Lehrer das schaffen. Doch das klappt in den seltensten Fällen durch gute Noten. Wir beeindrucken vielleicht durch Leistung. Doch wir inspirieren durch Menschlichkeit.

Was LehrerInnen und Eltern von Hunden lernen können…

Was ist eigentlich so toll an Hunden?

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  • sie haaren (unser Leonberger haart nicht, ich glaube, er hat beschlossen, sich durch Fellteilung zu vermehren)
  • sie fressen und schlafen den ganzen Tag
  • sie sabbern
  • sie kosten Geld

Jaja, das ist alles richtig. Aber haben sie nicht unendlich viel mehr Vorteile?

  • sie lieben dich, egal, welchen Mist du baust, ob du stinkst oder einfach nur hässlich bist
  • wenn du nach einem halbstündigen Einkauf wiederkommst, freuen sie sich, als ob du von einer monatelangen Alaskaexpedition zurückkehren würdest
  • sie schützen dich
  • sie wärmen dich
  • sie lieben bedingungslos

Das Schönste, was einem Hunde bieten, kann man eigentlich nicht beschreiben.

Dann lassen Sie’s doch.

Am schönsten ist einfach seine GegenwartCF261B86-76C4-43AE-A550-894A06F39DC7, so eine Art Aura. Das Gefühl, dass da ein Wesen in deinem Haus lebt, das nur dazu da ist, Liebe zu verteilen.

Wenn es nicht gerade schläft oder frisst.

Du nervst deinen Hund nicht. Du musst dich vor ihm nicht verstellen, nicht rechtfertigen und auch nicht beweisen. Er ist einfach nur glücklich über deine pure Existenz.

Und sowas sollten wir Eltern und LehrerInnen unseren Kindern / SchülerInnen auch hin und wieder mal vermitteln:

Hey, ich freu mich, dass du da bist. Egal, welche Noten du hast, ob du gepierct oder gerade schlecht drauf bist. Einfach nur so du als Mensch.

0C00FCE1-CE34-4DE6-84A0-74C57314A977Wir müssen diese Mitteilung ja nicht auf einen Tag legen, an dem das Pubertier gerade wach ist, kratzt und beißt. Obwohl es eigentlich genau an solchen Tagen besonders wichtig wäre…

 
 
 

Literaturquiz-wer kann’s noch?

LiteratuIMG_5715rquiz- wer kann’s noch? Mehrfachnennungen sind manchmal möglich.

 

 

 

Vormärz war

  • A) vor der Märzrevolution
  • B) im Februar

 

Poetischer Realismus bedeutet

  • A) das Glas ist halbvoll
  • B) das Glas ist nahezu fast voll
  • C) wer hat von meinem Wein getrunken???!!!

 

Faust war ein

  • A) Loser
  • B) Fauler
  • C) Streber

 

Woyzeck hatte ein

  • A) Rad ab
  • B) Jäckchen an
  • C) Messer dabei

 

Woyzeck war am Schluss des Dramas

  • A) tabulos
  • B) schuldlos
  • C) Marie los

 

Inhaltsangaben schreibt man im

  • A) Bus
  • B) Präsens
  • C) Vollrausch

 

Dem Artzt schreibt man

  • A) Briefe
  • B) den Artzt
  • C) der Arzt

 

Ein Euphemismus ist

  • A) eine Beschönigung
  • B) ein anderes Wort für Lehrer
  • C) eine Muskelzerrung

 

Beispiele für Stilmittel sind

  • A) Besen und Wischmop
  • B) Klimax und Alliteration
  • C) Fläschchen und Brust

 

Der Schüler würde Hausaufgaben machen, wenn man ihn ließe ist

  • A) eine Aussage im Konjunktiv
  • B) eine hyperbolisch-metaphorische Anapher
  • C) eine völlig unglaubwürdige Aussage

 

Nur mit den Buchstaben von kann man aus Konjunkti

  • A) sowohl ein Bindewort als auch eine Verbform basteln
  • B) Sangria ohne Strohhalm schlürfen

 

„Das Leben ist kein Wunschkonzert, und ich bin nicht euer Showmaster.“ Oder doch?

Wir kennen sie alle aus unserer eigenen Schulzeit, diese Sätze, die den vermeintlich grauen Schulalltag noch grauer erscheinen lassen…

Wir sind hier nicht bei Wünschdirwas.

Das Leben ist kein Ponyhof.

Ich mach hier keine Show für euch.

Abgesehen davon, dass ich sehr tierlieb bin, aber selbst als Teenie nie etwas für diese nervenden Pferdenärrinnen übrig haIMG_0589tte, die in Reiterstiefeln und mit Pferdeohrringen in die Schule kamen, halte ich ein bisschen Ponyhof im Unterricht nicht für falsch. Und seien wir doch mal ehrlich – was unterscheidet die Jobbeschreibung eines Dompteurs oder Showmasters von der eines Lehrers?

  • beide stehen vor einer Horde Menschen, der sie etwas zeigen wollen
  • beide sollten reden und begeistern können

Der einzige Unterschied ist doch, dass unsere Schüler in die Schule gezwungen werden, während man im Zirkus oder im Fernsehen (für manche dasselbe) freiwillig im Publikum sitzt und horrende Preise zahlt für das, was einem da geboten werden soll. Während man schon voller freudiger Erwartung in ein Beyoncé-Konzert geht, erwartet man in der Schule eher – nichts. Doch sogar bei Harry Potter gibt es zwar ständig „jede Menge Hausaufgaben“, doch der Spaß kommt nie zu kurz. Und das, obwohl die LehrerInnen dort doch eher als streng gelten.Aber sie können etwas, was zum Glück auch viele Lehrer können: Jugendliche inspirieren. Sicher will niemand wie Professorin McGonagall oder Madame Hooch sein, doch sie werden für ihr Können und ihre Fairness bewundert, respektiert und irgendwann wird ihnen sogar willig nachgeeifert.

Lehrer müssen sich das Interesse ihrer ZusIMG_0516chauer hart erarbeiten. Und deswegen sage ich ja zum Ponyhof, ja zum Showmaster und ja zum Wunschkonzert. Das alles steht nicht im Gegensatz zu Qualität und Ernsthaftigkeit. Doch Humor, Schlagfertigkeit und Freundlichkeit erreichen oft weit mehr als Drohungen und Strafen. Und die ein oder andere lustige Anekdote zwischendurch stiehlt vielleicht ein bisschen Unterrichtszeit, sorgt aber für lockere Stimmung und eine positive Einstellung. Ich war nie gut in Mathe, aber die Rechnung „15 Minuten Spaß + 30 Minuten intensives Lernen > 45 Minuten lustloses Nachvornstarren“ geht überraschend oft auf.

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst. (Augustinus Aurelius, 354-430)

Wer bin ich eigentlich?

  • An der Uni hatte ich zwei Freundinnen, nennen wir sie mal Bianca und Heidi. Sie waren sehr unterschiedlich, aber jede auf ihre Art sehr liebenswert. Heidi und Bianca allerdings konnten sich gegenseitig gar nicht leiden.
  • Im Lehrerzimmer wird ein und derselbe Schüler manchmal völlig unterschiedlich wahrgenommen – während die einen seine große Klappe „charmant“ finden und prima mit ihm auskommen, seufzen andere über seine provokante Haltung und dass er sich nichts sagen lasse.

Wer sind wir eigentlich? Machen uns nicht unser Charakter, unsere Werte, Entstellungen u.v.m. zu einer einzigartigen Persönlichkeit? Und wenn ja, weshalb wird diese von unseren Mitmenschen ganz unterschiedlich wahrgenommen? Weshalb kam ich mit Bianca prima aus, während Heidi, mit der ich sonst meist auf einer Wellenlänge lag, nichts mit Bianca anzufangen wusste?

IMG_2325Weshalb gehen wir auf die einen Menschen ganz anders zu als auf andere? Wehalb bin ich meinen Freunden, Schülern, Kollegen gegenüber die verständnisvollste, toleranteste Person, während mich ein falsches Wort meiner Mutter auf die Palme bringt?

Weshalb bringen die Einen meine besten Seiten zum Vorschein, während mich andere eher dazu animieren, sarkastisch zu werden?

Wer wären wir, wenn wir uns wie Grénouille aus dem „Parfum“ in die absolute Einsamkeit zurückzögen und nur mit uns und unseren Gedanken und Empfindungen allein wären? Wären wir dann immer noch jemand? Aber wer? Und wozu?

Für die einen sind wir Luft, für die anderen die Welt. Allein sind wir nichts. Alles, was wir zu sagen haben, braucht jemanden, der es hört. Alles, was wir empfinden, wollen wir mit jemandem teilen. Schmerz, Freude, Hass, Wut, Trauer, all das fühlen wir wegen anderer Menschen. Existieren können wir auch allein, doch strahlen, wirken, inspirieren, beeinflussen, können wir nur mit anderen und durch andere.

Deshalb ist der Lehrberuf auch etwas Besonderes und kann für jeden, der ihn ausübt, eine große Chance bedeuten. Wir begegnen jeden Tag den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und lernen uns dadurch selbst immer wieder neu kennen. Wenn wir möglichst viele verschiedene Charaktere mit unserem Unterricht erreichen wollen, müssen wir uns täglich neuen Herausforderungen stellen. Im Kommunizieren, Lehren, Erklären, Beschwichtigen, Loben, Kritisieren usw. wachsen wir dabei selbst, überwinden unsere Grenzen und entwickeln uns weiter.

Heute mal vor allem allen LehrerInnen, die das hier lesen, ein gutes 2019!

Elternsprechtag ist wie Speeddating oder wie man an einem Strang zieht, statt sich gegenseitig daran aufzuhängen

Weshalb kommt es so oft zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern, obwohl wir doch alle dasselbe wollen:

  • Die Kinder sollen gern zur Schule gehen,
  • gerne lernen, sich weiterentwickeln und
  • einen Abschluss machen, der es ihnen ermöglicht, ihren Wunschberuf zu ergreifen.

Allerdings schauen wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Sache bzw. den jungen Menschen: Die Eltern haben (in dieser Klasse) nur ein einziges Kind, ihr Ein und Alles, dem sie die bestmöglichen „Klassenverhältnisse“ bieten wollen. Die LehrerInnen haben 25-35 Kinder da sitzen, die alle ihre Rechte haben, sodass der Einzelne durchaus mal zurückstecken muss. Willkommen im Leben.

Als Lehrerin habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sowohl Eltern als auch PädagogInnen oft mit großen Vorbehalten in den Elternsprechtag gehen: Die Einen befürchten, dass ihr Kind falsch einschätzt werden könnte, dass sie von der Schule Ärger bekommen, und sowieso jeder den Job besser machen würde als wir. Die Anderen rechnen mit übersteigerten Ansprüchen der Mütter oder Väter, die meinen, ihr Kind sei das einzig Vernünftige und Begabte in der Klasse, solle vorne in der Mitte sitzen und möglichst individuell und intensiv gefördert werden. Pädagogisch wertvoll immer perfekt auf die jeweilige Tageslaune des Sprösslings abgestimmt.

Nun, ich persönlich habe selten destruktive Elternsprechtage erlebt. (Aber es gibt sie, oh ja!) In den meisten Fällen wollen wir tatsächlich dasselbe, und nie wieder wurde mir so mulmig wie damals, als Jehovas Zeugen bei mir erschienen. Egal. Scherzhaft könnte man sagen:

Elternsprechtage sind wie Speeddating: Man sieht viele Menschen hintereinander für jeweils 10 Minuten und möchte einen Teil nochmal wiedersehen, den andern nicht.

Als Lehrerin mag ich Elternsprechtage, weil man die Schüler viel besser verstehen kann, wenn Eltern ein bisschen über sie erzählen. Oder weil man erkennt, wie die Eltern ticken. Wie soll Malte-Kevin-Benjamin Ordnung in seine Sachen bringen können, wenn selbst Mama das Zeugnis nicht findet, den Anmeldezettel für die Ag verlegt hat und sich den Namen der Klassenlehrerin nicht merken kann 😉 Die meisten Eltern sind immer sehr nett und dankbar für Informationen.
Doch jetzt bin ich selber Mutter eines Schulkindes, und mein Verständnis für diese Spezies steigt rasant: Auch in mir haust sie, diese innere Tigerin, die sich leise erhebt und knurrt, weil sie überall Gefahr für ihr Junges wittert.
Madames Klassenlehrerin ist jung und sehr nett. Sie erinnert mich sehr an mich vor 13 Jahren. Trotzdem verspüre ich diese Ängste: Darf mein Kind da sitzen, wo es sich wohlfühlt? Erkennt die Lehrerin, was für ein wunderbarer Mensch Madame ist, auch wenn sie gern mal quasselt und nicht die ordentlichste ist?

Was ist die Lösung? Ich halte es da mit Pippi Langstrumpf, die sagte:

Warte nicht drauf, dass die Menschen dich anlächeln, zeige ihnen, wie es geht!

Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern ist das Wichtigste, der Austausch über die eigIMG_0235enen Ansichten über die Entwicklung der jungen Menschen, garniert mit einem echten Lächeln der Wertschätzung und der Offenheit gegenüber den Anliegen des Anderen, denn wir wollen alle dasselbe: Dass die uns anvertrauten Menschen ihren Weg gehen werden.

Gut.

Es darf auch mal ein Tigerlächeln sein 😉

Sagt ein Hesse zum dürren Matt…

Der junge, etwas schlaksige Matt und sein Freund Günther, ein Hesse, gingen auf den Weihnachtsmarkt. Sie wollten ein bisschen Glühwein bechern, Gras schnupfen und den schönen Weihnachtsliedern lauschen. Sie waren in rührseliger Stimmung, denn Matt hatte nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Bühnenarbeiter in einem Kellertheater bekommen, und Gunther hatte doch tatsächlich im Lotto gewonnen. nicht viel, aber genug, um sich und seinem Kumpel einen netten Abend zu gönnen. „Alles singt, ist das nicht schön“, rief Matt, und Gunther fiel weniger schön, aber dafür laut mit ein in den Kinderchor, der „Friede den Menschen“ sang. „Jetzt haben wir das Go. Et het noch immer jot jegange!“, seufzte Matt glücklich. „Noch ein Bier, Mann?“ Das war nach dem Glühwein vielleicht nicht die beste Wahl, doch dem dürren Matt war das egal. „Oder willste erst nen Bratfisch haben? Nein wird nicht akzeptiert.“ Doch Günther zog seinen Kumpel mit auf den großen Marktplatz, wo in einer Stunde ein Feuerwerk stattfinden sollte. „Ich liebe das Geböll„, sagte er, „und wegen der ganzen Kindheitserinnerungen werden meine Augen feucht. Wange, rote Wange von den ganzen Tränen. Ich liebe  Weihnachten“, schmolz der Mann dahin. „Brecht mir hier nicht in Tränen aus!“, grölte eine tiefe Stimme. „Hein!“, erkannte Matt ihn sofort, „was machst du denn hier?!“ Hein war sein Nachbar. „Ich lauf rüber in die Büchnerei, besorg ein paar Romane für meine Frau, und für meine Mutter noch ne CD von Bach, Mann. Dann fahr ich rüber ins Eichendorf, frische Tannenzweige holen. Sie dekoriert doch jetzt. Bei uns zuhause ist mehr Weihnachten, als in jedem Bastelladen.“ Matt und Günther lachten. Hein fuhr fort: „Überall Kerzen und Kugeln, es blinkt und schillert wie in einem Spiegelsaal. Matt, wie gehts deinem Kleinen?“ Matt war vor wenigen Tagen Vater geworden und die Ärzte hatten sich ein wenig Sorgen um die Beschaffenheit des Kopfes gemacht. Nicht seines Kopfes, sondern dem des Babys. „Schreit er immer noch soviel? Sind die Fontanellen inzwischen zusammengewachsen?“ Doch alles war wieder in Ordnung. „Na denn“, rief Hein, „ich muss dann mal wieder. Kommt ihr heute Abend vorbei? Ich brauch Hilfe. Olga will nicht nur, dass ich die Kugeln aufhänge, ich muss sie vorher auch alle noch blitzblank putzen. ‚Willst du viel, dann spül mit Pril‘, kennt ihr den Spruch? Sauarbeit, kann ich euch sagen. Und was wir an Tüchern verbrauchen! Tuch für Tuch, Olsky, wie ich meine Olga gerne nenne, reine Verschwendung.“

Und damit verschwand Hein, weniger gut gelaunt als seine Kumpel, dafür aber mit einer ordentlichen Portion Grimm im Bauch, in der Menge.

Jetzt weiß ich, wie sich ein Weihnachtsbaum fühlt, aber… oder: Was Michael Endes „Momo“ schon wusste

Heute hat mein 12-er-Grundkurs seine erste Klausur bei mir geschrieben. Alle waren wahnsinnig nervös und ich habe ihnen kleine Beruhigungsmitbringsel auf die Klausuren gelegt: Ein Stück Schokolade mit einem Vierzeiler, der zur jeweiligen Person passt und Mut macht. Sowas macht mir Spaß, ich tue es gern und es geht schnell. Mathe, Physik und67224853-7BFE-44F8-B670-0D99E5870535 Erdkunde sind meine schwarzen Löcher, aber mit Sprache jongliere ich gern herum.

Andächtig stand Pitt (Name geändert) vor mir. Pitt trägt normalerweise eher weniger zum Unterricht bei. Er fragte: „Haben Sie jedem von uns ein anderes Gedicht geschrieben? Haben Sie sich zu jedem Gedanken gemacht? Wow. Das motiviert mich jetzt irgendwie.“ Mission accomplished.

Ich weiß jetzt, wie sich ein Weihnachtsbaum fühlt, der von seligen Kinderaugen angestrahlt wird. Das sind die Momente, die den Lehrerberuf zu einem der schönsten machen. Versuchen, Menschen zu motivieren oder zu inspirieren und damit auch noch Erfolg haben (warten wir mal das Klausurergebnis ab ;-)).

Nur eins macht mich dabei ein bisschen traurig:

Ich habe einige KollegInnen mit einer vollen Stelle. Im Gegensatz zu mir, die ich mit meinen zwölf Stündchen (alle vormittags) alle zwei Monate mal zwei Korrekturen habe, unterrichten sie Vollzeit, sind oft von 08.00 bis 16.00 (oder länger) an der Schule und haben jedes Wochenende einen Haufen Korrekturen auf dem Schreibtisch liegen. Auch sie machen sich viele Gedanken um ihre Schüler, haben nur eben keine Zeit, 24 Gedichte zu schreiben, zu laminieren und an Schokolade zu kleben. Ich weiß, wovon ich rede. Viele Jahre hatte ich eine volle Stelle und kaum Privatleben. Wenn dann mal Freizeit blieb, hab ich lieber geschlafen oder gelesen, statt noch was für die Schule zu tun.

Das ist die Tragik in unserem Beruf: Die meisten LehrerInnen machen sich viele Gedanken und würden sich gern Zeit nehmen für ihre SchülerInnen, haben sie aber nicht. Dass ich diese Zeit habe, um Dinge zu tun, die ich für wichtig halte, ist ein großer Segen, und es wäre schön, wenn die Organe, die den Lehrberuf organisieren, das bedenken würden: Wieviel Gutes sie den Kindern tun würden, wenn Lehrer wieder mehr Zeit hätten: Nicht für Listen, Protokolle, ausführliche Stellungnahmen, Kopier-Sessions, Korrekturen von 36-Personen-Klassen, sondern für Gespräche, für Basteleien, für Ideen. Und sei es, um den Kindern zeigen zu können: „Hey, ich denke an euch, und zwar nicht nur an eure Noten, sondern euch als Menschen, als Persönlichkeiten“.

Der Lehrberuf ist einer der schönsten. Der Feind der Lehrer sind oft nicht die Schüler, nicht die Eltern, nicht die Kollegen und auch nicht die Arbeit, sondern die fehlende Zeit.