Literaturquiz-wer kann’s noch?

LiteratuIMG_5715rquiz- wer kann’s noch? Mehrfachnennungen sind manchmal möglich.

 

 

 

Vormärz war

  • A) vor der Märzrevolution
  • B) im Februar

 

Poetischer Realismus bedeutet

  • A) das Glas ist halbvoll
  • B) das Glas ist nahezu fast voll
  • C) wer hat von meinem Wein getrunken???!!!

 

Faust war ein

  • A) Loser
  • B) Fauler
  • C) Streber

 

Woyzeck hatte ein

  • A) Rad ab
  • B) Jäckchen an
  • C) Messer dabei

 

Woyzeck war am Schluss des Dramas

  • A) tabulos
  • B) schuldlos
  • C) Marie los

 

Inhaltsangaben schreibt man im

  • A) Bus
  • B) Präsens
  • C) Vollrausch

 

Dem Artzt schreibt man

  • A) Briefe
  • B) den Artzt
  • C) der Arzt

 

Ein Euphemismus ist

  • A) eine Beschönigung
  • B) ein anderes Wort für Lehrer
  • C) eine Muskelzerrung

 

Beispiele für Stilmittel sind

  • A) Besen und Wischmop
  • B) Klimax und Alliteration
  • C) Fläschchen und Brust

 

Der Schüler würde Hausaufgaben machen, wenn man ihn ließe ist

  • A) eine Aussage im Konjunktiv
  • B) eine hyperbolisch-metaphorische Anapher
  • C) eine völlig unglaubwürdige Aussage

 

Nur mit den Buchstaben von kann man aus Konjunkti

  • A) sowohl ein Bindewort als auch eine Verbform basteln
  • B) Sangria ohne Strohhalm schlürfen

 

Ich hab keine schlechte Laune

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Haben Sie heute gute oder schlechte Laune?

werde ich gern von meinen Fastabernochnichtsoganzabiturienten gefragt. Vorzugsweise von denen, die vorhaben, sich zumindest dezent danebenzubenehmen und mal antesten wollen, ob die Luft rein ist.

Ich habe tatsächlich meistens gute Laune. Es sei denn,

  • ich hab Hunger
  • es ist vor 09.00 Uhr
  • mein Kind ist krank

Da mein Lieblingskurs, ach, was sag ich, meine Lieblingsstufe so schnucklig ist, bekomme ich meistens trotzdem spätestens dann gute Laune, wenn ich sie unterrichte. Weil es einfach nett ist, Spaß macht, und sie zuhören oder zumindest täuschend echt Zuhören andeuten können.

Manche – mag es Klischee sein oder nicht, meistens die Jungs – verstehen aber nicht, dass der Ursache-Wirkung-Kreis in beide Richtungen funktioniert, beziehungsweise, dass das Verhalten von Schülern natürlich auch auf den Lehrer wirkt. Wenn ich eine tolle Stunde vorbereitet habe (kommt vor), oder mal mit einem schwierigen Thema um die Ecke komme, bei dem man halt mal den Kopf anstrengen muss, und dann folgendes passiert:

  • die Lebensfreude Einzelner äußert sich durch ständige Zwischenrufe
  • es wird „heimlich“ aufs Handy geguckt, obwohl das verboten ist
  • jeder Kommentar wird genutzt, um weiter vom Unterrichtsthema abzulenken
  • statt die Sache ernst zu nehmen und sich zumindest versuchsweise drauf einzulassen, wird gequatscht und statt möglichst guter Antworten gibt man sich mit „witzigen“ Ratespielchen zufrieden

Dann werde ich deutlich, auch im Sinne der SchülerInnen (und davon gibt es einige), die durchaus Lust haben, was dazuzulernen. Wenn mir das dann als schlechte Laune ausgelegt wird, passiert folgendes:

Ihr übernehmt keine Verantwortung für euer Verhalten und sucht die Ursache für die Wirkung bei der Wirkung

C56D0CAA-146F-4312-B7CC-F4CFE30F0AC5Es ist nicht fair, wenn man den Bogen überspannt und dann die Saite, die einem ins Gesicht springt, für seine Schmerzen verantwortlich macht.

Märchen für Erwachsene (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm)

Du glaubst, alles über Märchen zu wissen?

Ha.

Drei Dinge dürften dir neu sein:

  1. Die meisten der bekannten Märchenfiguren gab es wirklich. So in echt. Ohne den ganzen magischen Firlefanz.
  2. Die Gebrüder Grimm haben uns ordentlich an der Nase herumgeführt, allerdings aus den besten Absichten heraus.
  3. Die Schlussfloskel „…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ überdeckt unzählige erschütternde Geschichten, die so niemals hätten überliefert werden sollen.

Nicht nur deshalb, sondern auch auf Grund der jahrhundertealten mündlichen Überlieferung werfen sie mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben:

  • Weshalb hat Aschenputtels Vater das Mädchen nicht vor seiner Stiefmutter in Schutz genommen?
  • Was kann Dornröschen für den Hochmut ihres Vaters, und inwiefern ist der 100jährige Schlaf überhaupt eine Strafe, wenn ihn doch eh alle mitschlafen?
  • Woher kommen diese merkwürdigen Prinzen, die immer gerade dann rechtzeitig erscheinen, wenn es ein Mädchen zu retten gilt?

Der Roman „Rapunzels Töchter“ deckt die wahren Schicksale hinter den so harmlos anmutenden Geschichten auf: Den Plan einer zornigen 13. Fee, die schrecklichen Konsequenzen des 100jährigen Schlafes, Rapunzels Angst um ihre Kinder und Dornröschens Wut auf ihre Mutter.

Apfel_finalEs gibt Märchen für Kinder und Fantasy (vorzugsweise mit erotisch unterversorgten Vampiren oder supermächtigen Dämonen) für Erwachsene, aber was ist mit Märchen für Erwachsene?

Im Zeitalter der vieldiskutierten sogenannten „Helikoptereltern“ ist die Balance zwischen Beschützen und Loslassen ein wichtiges Thema. Sowohl die Ängste besorgter Mütter als auch die Depressionen einer überbehüteten Tochter spielen in dieser wahren Märchenerzählung, die eigentlich keine ist, eine Rolle. Und der mysteriöse Prinz natürlich. Dichtende Zwerge, eine intrigante Zofe und – er ist mit der Wichtigste –

der Apfel.

Mein Gespräch mit dem Vodafonemann

Sorry, dieser Artikel hat jetzt nichts mit Lehrern, Eltern, Schülern oder Büchern zu tun, aber ich muss mir kurz was von der Seele schreiben.

Ich weiß ja, dass die ganzen Telefonservicehotlinemitarbeiter ihre Vorgaben haben, aber es kann doch wirklich nicht im Interesse eines Unternehmens sein, wenn sie diese Floskeln ohne Rücksicht auf einen eventuellen Sinn dahinter abspulen, auch wenn sie gar nicht zum Inhalt des Gesprächs passen? Mir war nicht klar, dass man sich durch pure Höflichkeit so veräppelt fühlen kann.

Setzen wir voraus, die Telefonservicehotlinemitarbeiter, kurz TSHM genannt, müssen folgende Floskeln in ihre Gespräche einbauen:

  • Wie schön, dass ich Sie direkt erreiche
  • ich danke Ihnen für Ihre ehrliche Antwort
  • Vielen Dank für dieses nette Gespräch

Unsere Unterhaltung sah so aus: Ich habe vor einiger Zeit meinen Vertrag per mail gekündigt (er läuft aber noch einige Monate). Jetzt hatte ich mehrfach auf meiner „verpasste Anrufe“-Liste eine unbekannte Telefonnummer auf meinem Handy, die man ja niemals zurückrufen soll. Heute erschien sie erneut in meinem Display, und ich nahm den Anruf entgegen:

Vodafone Kundenservice, wie schön, dass ich Sie direkt erreiche!

Wie gesagt, die haben mindestens schon fünfmal angerufen.

Dann wollte er meinen Kündigungsgrund erfahren, den ich ihm mitteilte. Mein Handy ist doof und ich will ein neues haben. War jetzt keine Beichte oder so, eine ganz normale Information.

Ich danke Ihnen für Ihre ehrliche Antwort.

  1. Woher weiß er, dass sie ehrlich war?
  2. Was hätte ich sonst sagen sollen? Danke, ich liebe Vodafone so sehr, dass ich euren Verein dazu bringen wollte, mich anzurufen, weil ihr ja umgekehrt nie erreichbar seid, also habe ich eine Kündigung vorgetäuscht???

Nachdem er mich darüber aufklärte, dass sie sich zwecks weiterer Infos bald wieder bei mir melden würden, bedankte er sich überschwänglich.

Vielen Dank für dieses nette Gespräch. Ku-ku-kurz,ja kurz war es, aber doch sehr nett.

Ich glaube, ich habe durch meine betörende Stimme einen neuen Freund gefunden.IMG_2991

 

Wer nähmlich mit h schreibt, ist in guter Gesellschaft

„Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich“

hieß es zu meiner eigenen Schulzeit noch. Heute finden sich nicht nur solche harmlosen (und verständlichen) Schreibfehler selbst in Oberstufenklausuren, auch in der Öffentlichkeit zeigen sich immer häufiger Unkenntnisse der deutschen „Ottogravieh“. Anscheinend weiß niemand mehr, dass es das Apostroph im Genitiv (Müllers Katze) nur im EnglischIMG_5415en gibt, oder vielleicht ist es auch allen egal. „Rückgrat“ heißt heute manchmal sogar in seriösen Zeitungen „Rückrad“, Nomen werden exzessiv mit Bindestrichen aneinandergereiht, und generell scheint man es mit dem geschriebenen Wort nicht mehr ganz so genau zu nehmen.

Gleichzeitig ist aber immer wieder der Aufschrei groß, wenn es darum geht, unser Schulsystem zu kritisieren, da ja anscheinend niemand mehr den Kindern die richtige Rechtschreibung beibringt.

Wo liegt das Problem?

Ich glaube, es ist müßig, „den Schuldigen“ zu suchen. Wir sollten uns alle an die eigene Nase packen und fragen, wie ernsthaft wir im Alltag mit diesem Thema umgehen. Ich habe viele Schüler, die sich im Unterrichtsgespräch durchaus gut auszudrücken wissen, über hervorragendes Allgemeinwissen und einen großen Wortschatz verfügen – und schreiben wie Analphabeten. Manchen ist es unangenehm, vielen aber auch egal, da sie wissen: „Meine Eltern lachen drüber“ oder „Sie können ja eh höchstens eine Note schlechter geben.“ Das stimmt. Wenn eine Klausur inhaltlich 1+ ist, kann ich die Note höchstens auf eine 2+ herunterstufen, auch wenn die Rechtschreibung hanebüchen ist und ich das Gefühl habe, sie sei von einem des Deutschen nicht mächtigen Waldkauz mit Blähungen geschrieben worden.

„Wer ist schuld?“, wird gerne gefragt, aber darauf kann es keine vernünftige, konstruktive Antwort geben, denn ich kenne keine Eltern und auch keine Lehrer, denen es nicht wichtig wäre, dass die Sprösslinge vernünftig schreiben können. Dafür gibt es auch einen guten Grund, den ich meinen Schülern  immer wieder versuche nahezubringen:

Ob ihr Gedichte analysieren oder eine wunderschöne Kurzgeschichte über Silberfeen im Auenland schreiben könnt, interessiert eure Chefs später nicht die Bohne. Aber wenn ihr nicht einmal einen Notizzettel korrekt schreiben könnt, geschweige denn einen Geschäftsbrief, eine Übersicht oder Ähnliches, macht das einen schlechten Eindruck. Eure zukünftigen Arbeitgeber können euch für ungebildet und überfordert halten, und es ist ihnen dabei egal, ob ihr noch so charmante, intelligente Menschen seid. Eure Ausdrucksweise sowie eure Rechtschreibung sind eure Visitenkarte. Damit stellt ihr euch der Welt vor – vor dem Job in Bewerbungsschreiben, im Job zum Beispiel durch die schriftliche Kommunikation mit anderen Firmen, Arztberichte oder was auch immer.

Deshalb würde ich mIMG_9534ir wünschen, dass…

  • …die Schule Rechtschreibung wieder als selbstständiges Thema in den Lehrplan aufnimmt und wir auch noch in Klasse 9, 10, 11 und 12 Diktate schreiben. Arbeiten, in denen Rechtschreibung nicht zum kleinen Kavaliersdelikt verkommt.
  • …Eltern die Wichtigkeit korrekter Orthographie nicht nur predigen, sondern auch vorleben. Dass Bücher und Zeitungen zuhause wieder zum Inventar gehören. Dass gern geschrieben und gelesen wird. Wie oft erzählen mir Schüler stolz, wenn wir eine Lektüre in der Schule durchnehmen, dass das das erste Buch sei, das sie je ganz gelesen hätten…
  • …die Gesellschaft als Ganzes einen sorgfältigeren Umgang mit der Rechtschreibung pflegt. Ich erwarte nicht vom netten Imbissbesitzer um die Ecke, dass er weiß, wie man „Kordong Blö“ schreibt (ist ja eh kein deutsches Wort ;-)), aber von Menschen, die beruflich mit Sprache zu tun haben, Plakate aufhängen oder Flyer verteilen, Lesungen anpreisen oder Stellen ausschreiben, dass sie sich ihre Schlagzeilen oder Texte mal durchlesen, bevor sie sie veröffentlichen.

Unsere Kinder und Schüler sind nämlich nicht dämlich, sie brauchen Vorbilder.

Brief an Miss V: Was ein 100 Euro-Schein mit deinem Selbstwert zu tun hat

Liebe Miss V,

das, was du gerade durchmachst, betrifft die Meisten deines Alters (und oft auch weitaus „Fortgeschrittenere“): In der Schule ist man gewohnt, für gute Leistungen belohnt zu werden. Man strengt sich an, lernt, bekommt dafür eine 2 und von Omi ein bisschen Taschengeld.9F208BBC-CC89-4E04-BE54-A2D15E2C2A35 Wenn man dann aber hinaus ins wahre Leben geht, ist das oft anders: Man bewirbt sich und kassiert eine Absage nach der anderen, fragt sich, was falsch an einem ist und fühlt sich irgendwann wie der letzte Pups einer altersschwachen Katze.

Die gute Nachricht: Du bist nicht allein, und das Ende der Welt ist auch noch nicht in Sicht.

Was hab ich schon für Absagen kassiert.

Wir sind uns nicht sicher, dass sie für das Gymnasium geeignet ist

bekamen meine Eltern am Ende meiner Grundschulzeit zu hören. Die Lehrer hielten mich nicht für dumm, keineswegs, nur ein bisschen verträumt. In Klasse 9 bin ich demzufolge und aus anderen Gründen fast sitzengeblieben wegen Mathe und Physik. Eigenverschulden: 70%

Mein Abi hab ich mit 1,7 gemacht.

Wir können Sie leider nicht aufnehmen

schrieb mir die Musikhochschule, nachdem ich die Aufnahmeprüfung bestanden  habe. Weshalb? Nun, sie konnten es sich leisten, von 200 Bewerbern nur die 25 Besten zu nehmen, und ich war auf Platz 26. Eigenverschulden: 20 % Zum Glück bin ich nachgerückt. Beim ersten Versuch bin ich übrigens durch die Harmonielehreprüfung gefallen, weil ich sowas vorher nie gelernt hatte. Hab mich dann ein halbes Jahr dahintergeklemmt und Akkordfolgen gebüffelt, und diesmal die Prüfung bestanden – und meinen Harmonielehreabschluss nach dem 4. Semester mit 2,0 gemacht. Auf nichts bin ich je stolzer gewesen 🙂

Ihre Staatsexamensprüfung wird mit 5,0 bewertet

Tatsächlich. Ausgerechnet mein Steckenpferd Deutsch hat mich in die Unterwelt katapultiert. Und nur, weil mir die Kommission nicht glauben wollte, dass ich die Unterrichtsstunde nicht vorher mit der Klasse geübt hatte. Ein Schüler hatte die Formulierung „da hatten wir ja gestern schon drüber gesprochen“ benutzt (er wollte mir wirklich nichts Böses, es ging um dasselbe Thema, aber in einem anderen Zusammenhang), und daraufhin wurde dann meine komplette Stunde in Frage gestellt, vielleicht, weil sie so gut lief? Weil die Prüfer ihre Tage hatten? Keine Ahnung. Eigenverschulden: 10%???

Heute bin ich langjährige Lehrerin und bisher hat noch niemand meine Kompetenz oder Integrität angezweifelt. Zumindest nicht offen oder öffentlich.

Meine Güte, wie fährst du denn?!

fragte mein Fahrlehrer in einer der ersten Stunden im Straßenverkehr. Ich habe vermutlich falsch gemacht, was ich falsch machen konnte. Leider hatte ich zu wenig Mumm, um meinem Fahrlehrer zu verdeutlichen, dass ich 36 und keine 18 war, für den Überblick über Verkehr, Gas/Bremse/Kupplung/Gänge kopfmäßig etwas länger brauchte und dementsprechend vielleicht etwas mehr Übung auf dem Parkplatz benötigt hätte, als mich sofort in den Straßenverkehr zu schicken. Und wenn ich einmal nervös bin, macht mich Kritik nur noch hibbeliger. Eigenverschulden: 60%

Heute fahre ich „geschmeidig wie ein Butterbrot“ und keinesfalls wie eine „lahme Ente“, sagt man mir nach, bisher unfallfrei (fast).

Was ich damit sagen will?

  • Man scheitert dauernd im Leben. Aus Fehlern lernt man und wird klüger.
  • Wenn man scheitert, hat man zwei Optionen: Aufgeben oder weitermachen. Das unterscheidet die Gewinner von den Opfern, nicht das Scheitern an sich.
  • Wenn man scheitert, liegt das nur zum Teil, manchmal sogar gar nicht an einem selbst. Wenn man eine Jobabsage bekommt, kann das heißen, dass das Unternehmen eh schon jemanden aus den eigenen Reihen im Auge hatte, dass dem Personalchef oder der Chefin jemand anderes besser gefallen hat, weil er einen an die erste große Liebe erinnert. Vielleicht bekommen manche Unternehmen so viele Bewerbungen, dass sie gar nicht alle vernünftig lesen.

Und zum Schluss zitiere ich gern nochmal das Beispiel mit dem 100Euro-Schein: Er kann zerknittert, angerissen, besudelt und voller SCHMUTZ sein – er bleibt seine 100 Euro wert. Gut. Die Kassiererin  hält einen vermutlich für gaga, wenn man damit zahlen will, aber egal.

Und so ist es auch mit dir, liebe Miss V., und allen anderen, die dein Schicksal teilen: Egal, wie oft du im Leben ignoriert, falsch verstanden oder nicht eingestellt wirst (die Deppen, die): An deinem Wert ändert das nichts. Und der ist größer als Dagobert Ducks Geldspeicher.

Bloggen nach Wunsch: „Wenn unser Kurs Faust wäre: Wären Sie Faust, Mephisto oder Gretchen?“

…eine weitere Anregung meines Abiturkurses zum Schreiben eines Blogartikels.

Meine Antwort?

Weder noch. Natürlich wäre ich Gott.

Bevor man mich der Bl8AD7139B-4B88-4440-A13E-5B29FA0BCDC0asphemie bezichtigt: Natürlich halte ich mich nicht für Gott im allgemeinen, auch wenn ich Lehrerin bin, nein, ich führe nur die oben angesprochene Allegorie weiter, indem ich die Figuren des Dramas Faust auf das wirkliche Drama Deutsch-LK beziehe, und beantworte die Frage eines Schülers. Beschwerden also bitte an Paul.

Nun: Was sagt Gott zu Mephisto, als dieser ihm in einer Wette beweisen will, dass die Schöpfung alles andere als perfekt, und der Mensch (selbst so ein toller Hecht wie Faust) „tierischer als jedes Tier“ sei?

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,

So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.

und

Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Sagt das nicht alles? Streben wir Lehrer nicht Jahr für Jahr danach, die uns mit „verworrenen“ Rechtschreib- und Aufsatzleistungen dienenden Schüler bis zum Abi in die Klarheit zu führen? Und begleiten wir sie nicht milde lächelnd, während sie eins um andere mal „irren“, aber im festen Vertrauen darauf, dass unsere Schäfchen es schaffen werden?

Aber wenn ich mich schon so weit in den Himmel wage, wäre doch zu überlegen, was es in dieser Allegorie mit den anderen Goethe-Figuren so auf sich hat:

  • Faust stünde für die durchaus intelligenten, sehr bemühten und motivierten Schüler, die vieles lesen und verstehen, doch auch immer wieder zweifeln: Am Schulsystem an sich, dem Unterricht, dem Lehrer und den Unterrichtsinhalten. Wie im Drama Faust sind das aber keine nervigen Querulanten, die Gott einfach ignoriert, sondern vielmehr seine wahren Lieblinge, die er sich besonders bemüht, vom Sinn seiner Schöpfung (Unterricht) zu überzeugen. Er lässt sie durchaus stolpern und hinfallen, aber letztendlich gibt er ihnen dadurch die Möglichkeit, sich aus sich selbst heraus weiter zu entwickeln. „Fausts“ oder „Fäuste“ sind dem Lehrer 1000mal lieber, als die
  • Wagner-Spezies. Der Streber, der alles lernen, alles wissen will und niemanden abschreiben lässt, weil er das Lob des Lehrers für sich allein haben will. Er lernt und redet und redet und redet einem nach dem Mund und hofft, irgendwann alles auswendig gelernt zu haben, um es dann als eigenes Wissen ausgeben zu können. Ohne Fausts Leidenschaft, ohne Fausts Hingabe, oder echtes Interesse.
  • Gretchen könnte die Allegorie sein für all die lieben, fleißigen Schülerchen, die jede Anweisung ohne zu murren befolgen, eben weil sie brav und fleißig sind. Sie sind aber leider auch diejenigen, die sofort erwischt werden, wenn sie einmal Mist bauen. Das kennen wir doch alle: Der Nachbar, der ständig die Verkehrsregeln missachtet, kommt damit durch, aber wenn wir Verantwortungsbewussten, die wir uns immer an die Regeln halten, EINMAL im Halteverbot stehen, kriegen wir gleich einen Zettel. So auch Gretchen, das sich immer vorbildlich verhält. Nur EINMAL schwach geworden, schon wird sie zur Kindsmörderin und mit dem Tode bestraft. Aber – ihr wird von Gott verziehen. Auch wir Lehrer verzeihen Fehler von Gretchentypen natürlich schneller, als die von anderen.
  • Marthe, Gretchens Nachbarin, die das fromme Mädchen dazu ermuntert, den Pfad der Tugend zu verlassen, die selbst ihrem vermeintlich toten Mann keine Träne nachweint, sondern nur an seinem Nachlass interessiert ist, könnte man mit den Schülern vergleichen, die selbst keine Lust haben, irgendetwas Produktives auf die Beine zu stellen, aber immer glauben, das Leben schulde ihnen was. Die immer nur sich selbst im Kopf haben, sich dann aber beschweren, dass das Leben gemein sei.

Tja.

Und wo steckt dann da nun Mephisto, der Teufel, der mit Gott wettet, der Faust „vom rechten Wege“ abbringen will, der nichts von der Schöpfung hält, und so ein unterhaltsamer, eloquenter, fast sympathischer Geselle ist?

Nun, der Teufel steckt im Detail, sagt man immer so schön, und welches Detail das gerade ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden: Wer oder was ihn vom Streben abhält, wo des Pudels Kern für ihn liegt: Internet, Faulheit, feiern und betrinken, Drogen oder was auch immer, vielleicht sogar das Lesen meines Blogs 😉

Wobei ich dann tatsächlich auch ein bisschen Mephisto wär:-)))

Bloggen nach Wunsch: Das Drama mit dem Drama

IMG_5715Paul wünscht sich einen Blogeintrag von seiner Deutschlehrerin, damit er sonntags beim Kaffee was zu lesen hat.

Ich könnte ihm in Anbetracht seines nahenden Abiturs diverse Lektüren ans Herz legen, aber ich kann auch einfach mal die Klappe halten und mich geschmeichelt fühlen.

Das fällt um so leichter, als auch prompt ein Themenvorschlag folgte:

Eigentlich ist ja Dramen interpretieren wie Menschen interpretieren, oder? Man denkt sich seinen Teil, versucht eine Begründung zu finden und auf Grund dessen urteilt man.

JAAAA!

Endlich hat mal jemand den Sinn von Deutschunterricht verstanden. Dass es ausgerechnet Paul ist – (der Drummer, ihr wisst schon) – nun, er hat viel im Kopf, vor allem Unsinn, aber viele der Moleküle sind noch nicht vom Alkohol zersetzt und dementsprechend arbeitsfähig.

Spaß beiseite.

Wir alle hatten Deutschunterricht. Die, die dieses Fach lieben (und das sind nicht wenige), hinterfragen den Stoff meist nicht. Die anderen möchten schon gern wissen, weshalb man eigentlich „den ganzen Mist immer lesen“ muss (O-Ton eines meiner EF-Schüler).

Das Tödliche am Deutschunterricht ist, dass man etwas völlig Subjektives (Mögen und Verstehen von Texten) objektiv behandeln muss, weil man eben 25 Schüler hat und keinen Einzelunterricht. Im Moment stehen in der Oberstufe der „Prozess“ von Kafka, „Faust“ von Goethe und die „Physiker“ von Dürrenmatt auf dem Programm. In der Regel kann man die Physiker ganz gut verkaufen, der Faust ist vor allem bei den Mädels beliebt, und Kafka ablehnen ist sowieso schick außer bei den ganz Intellektuellen. Aber im Prinzip hat jedes Werk seine Anhänger und Gegner. Doch was ist, wenn ich eine Unterrichtsreihe über ein Werk überleben muss, das mich null anspricht? Ist das (abgesehen von der oft beschworenen historischen Allgemeinbildung) nicht verlorene Zeit?

Ich weiß, wovon ich rede, ich musste damals als Jugendliche die ganze „alte Säcke“-Literatur über mich ergehen lassen – Manns „Zauberberg„, Frischs „Homo faber“ oder Hesses „Steppenwolf“. Alles mehr oder weniger alte Männer, die komische Anwandlungen haben. Was soll man als junges Mädchen damit anfangen?

Weshalb aber stehen diese Werke dann immer auf den Leselisten, in den Lehrplänen?

Ganz einfach: Weil man sich nunmal auf eine Kanon einigen muss, und man eh nichts findet, was allen gefällt. Muss man aber auch nicht. Und jetzt kommen wir zum pädagogischen Teil (danke, Paul):

Wir lesen in der Schule nicht zum Vergnügen, sondern um etwas fürs Leben zu lernen.

Das können aber ziemlich praktische Dinge sein:

  • von Faust lernen wir, dass zum Begreifen des Lebens eben nicht nur Bücher gehören, sondern auch das Leben selbst
  • Woyzeck lehrt uns, wohin Mobbing führen kann, die Hoffnungslosigkeit und Beengtheit des Individuums in einer Gesellschaft, die ihm keine Chance lässt und ihn dafür mit Spott verfolgt
  • von Franz K. lernen wir, wie wichtig es ist, einen guten Therapeuten zu finden, um sich als Erwachsener endlich mal von der Übermacht eines distanzierten Vaters zu befreien, um ein glückliches Leben führen zu können
  • …und zeigt Möbius uns nicht, dass letztendlich nur zählt, was wir wollen, wer wir sind, welche Entscheidungen wir treffen, da das Leben ein mieser Verräter sein kann und letztlich niemand da ist, der uns für gute Taten belohnt?

In jeder Stunde, in der wir interpretieren, weshalb Gretchen, Marie, Franz oder Johann Wilhelmlein dies oder das gesagt oder getan haben, lernen wir uns selbst kennen. Wir sprechen darüber, wozu Menschen fähig sind, und was davon wir übernehmen wollen und was nicht.

Wer von welchem Text wieviel für sein eigenes Leben mitnimmt, bleibt jedem selbst überlassen.

Ich denke heute noch gern an meine Schuldramen „Der zerbrochne Krug“ oder „Maria Stuart“ zurück: Über sie bin ich zum Theater gekommen, habe über mich gelernt, dass ich sprachliches Talent habe und andere für ein Thema begeistern kann. Ich bin zwar kein Hollywoodstar geworden, aber eine Lehrerin, die anscheinend keine so schlechte Show abzieht, wenn Schüler sich schon Blogeinträge wünschen… 😉

Muss jemand noch ein Weihnachtsgeschenk umtauschen?

Apfel_finalMein drittes Baby ist endlich auf der Welt, und ich möchte es jedem empfehlen, der Märchen liebt, mal geliebt hat oder sie niemals kennen lernen durfte und deshalb die halbe Kindheit verpasst hat 🙂

Auch eine längere Leseprobe gibt es hier auf meiner Seite unter „Meine Romane“.

Euch allen vielen Dank für die treue Begleitung meines Blogs und ein gutes, freundliches, märchenhaftes 2018!

Rapunzels Töchter

Rapunzel wird jahrelang von ihrer Stiefmutter in einem Turm gefangen gehalten. Als sie eines Tages mit einem mutigen Prinzen fliehen kann, entgeht sie nur knapp der Rache der Frau, die sie jahrelang für eine liebevolle Mutter gehalten hatte, und lebt fortan in Angst.

Als Dornröschen aus ihrem legendären 100jährigen Schlaf erwacht, muss sie feststellen, dass ihre Welt aus den Fugen geraten ist. Trotz aller Warnungen heiratet sie ihren Retter, einen Fremden, der dunkle Ziele verfolgt, von denen sie nichts ahnt.

Schneewittchen verlässt ihr Zuhause auf der Flucht vor der bösen Königin und entgeht drei Mordanschlägen nur knapp, doch als sie wieder zurückkehrt, steht sie vor den Scherben ihres bisherigen Lebens.

„Weit entfernt stand eine ganz in Schwarz gehüllte Gestalt vor einem Fenster und verfolgte aufmerksam, was sie sah. Dann rief sie nach ihren Dienern und befahl ihnen, die vorbereiteten Kundgebungen auszuhängen und die Pflöcke rund um das Schloss in die Erde zu schlagen. Vor einigen Monaten noch hätte Onyx lauthals darüber gelacht, ihr pechschwarzes Lachen, das direkt aus der Hölle zu kommen schien. Doch dieses Lachen existierte nicht mehr. Sie existierte nicht mehr. Nur noch ihr Schatten verharrte regungslos vor dem Fenster und glich einem Mahnmal, das hoch über den Wipfeln der Bäume zeitlos schön, doch unerbittlich daran erinnerte, dass Dunkelheit noch mehr Dunkelheit hervorbringt.“

 

Wir sind näher und weiter entfernt, als ihr glaubt

Es ist erfrischend und verstörend zugleich, Schülern dabei zuzuhören, wie sie über ihre Lehrer reden. Ich meine jetzt nicht Respektlosigkeit oder so, nein, sondern eher die Themen und die Sichtweise, die die junge Generation auf uns Alte anscheinend entwickelt hat. Neulich in meiner Küche (wir hatten gerade gewichtelt, Goethe-Gedichte aufgesagt und eine Beethoven-Sinfonie konzertiert) schnappte ich das ein oder andere auf und es ist mir ein inneres Bedürfnis, mal ein paar Dinge zurechtzurücken:

Wir sind euch näher, als ihr glaubt

Klar, Lehrer sind in der Regel 10-50 Jahre älter als ihr. Aber was bedeutet das schon? Das mit dem Älterwerden ist so eine Sache – man ist ja nicht zuerst jung, offen, voller Träume und plötzlich, so mit 25, ein gesetzter Erwachsener mit strengem Blick und Bausparkonto.

Nein. Dieser Prozess beginnt schleichend. Und manche Menschen werden nie erwachsen, manche kommen schon alt auf die Welt. Im Prinzip unterscheiden einen 20Jährigen und einen 50Jährigen nur die Lebenserfahrung. (Selbst die Fitness ist da raus – manch Jugendlicher bekommt Schnappatmung, während der Greis schon drei Treppen geschafft hat). Auch wir Lehrer sind gerne sorglos, bauen Mist, haben Träume und wollen lieber ausschlafen, als zur Schule zu gehen, aber im Unterschied zu euch sitzen uns folgende Jurymitglieder im Nacken:

  • die Erfahrung (wenn ich nichts tue, bekomme ich mehr Ärger, als sich das Nichtstun lohnen würde),
  • die Bezirksregierung (kein Benehmen, kein Gehalt),
  • die Familie (kein Gehalt, kein Essen) und
  • die Verantwortung (keine Arbeit, kein sinnvoller Beitrag für die Gesellschaft)

Wenn wir einen freien Nacken hätten, wären wir gefährlicher und unkontrollierbarer, als ihr, weil wir über jahrzehntelange Erfahrung im Mistbauen verfügen und über die sozialen Netzwerke (ich meine nicht Facebook oder Snapchat, sondern Anwälte), sie auch umzusetzen.

Wir sind weiter von euch entfernt, als ihr glaubt

Ein besonders lustiges Kapitel in meiner Küche war Kursfahrten gewidmet, in denen anscheinend Kollegen und Kolleginnen gemeinsam in einem Zimmer verschwunden sind und in denen ihnen nun leidenschaftliche Beziehungen angedichtet wurden.

Kinder.

Mit 16 mag es so sein, dass sich bei zwei Jugendlichen, während einer Kursfahrt  allein in einem Raum, automatisch unkontrollierbare sexuelle Neigungen offenbaren, die zu einem ungehemmten Ausbruch erotischer Zügellosigkeit führen.

Mit 36 ist das nicht mehr so.

Wenn mit 36 Frau und Mann während einer Kursfahrt in einem Raum verschwinden, kann das viele Gründe haben.

  • sie wollen in Ruhe über Schüler lästern
  • sie wollen in Ruhe eine rauchen und nicht, dass die kleinen Kröten dabei zugucken
  • sie tauschen Unterrichtsmaterial aus
  • sie starren aus dem Fenster und wünschen sich, nochmal jung zu sein

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass in Soaps das Bild vermittelt wird, dass wir Menschen Beziehungstiere seien, die – egal ob gebunden oder nicht – jede Gelegenheit ergreifen, sich neue Optionen zu sichern, egal, ob es der Nachbar, Zahnarzt, Postbote oder Cousin dritten Grades aus Uruguay ist.

Im wahren Leben lieben wir Ü-30er (ja, ich weiß, ich bin Ü40, aber das ist ja schließlich auch Ü30) unsere Ruhe, Füße hoch, Klamotten AN (sonst wird’s kalt, außerdem sieht man hässliche Besenreiser oder so), und Soaps gucken.

Natürlich wäre das Schülerleben vermutlich spannender, wenn im Lehrerkollegium jeder mit jedem wie in Sodom und Gomorrha (jetzt wisst ihr mal, wie man das schreibt) zusammen wäre, wenn wir in den Pausen – am besten mit den Schülern – über unsere Beziehungen sprechen würden, oder die weinende Kollegin trösten müssten, die ihren Liebsten mit der Referendarin im Kopierraum erwischt hat, aber so ist das nicht.

Zum Glück.

Denn wie kämen wir dann dazu, eure Klausuren zu korrigieren, nach denen ihr nach zwei Tagen schon kräht, über euch zu sprechen (sag mal, fehlt der bei dir auch so oft?) oder an unserer Karriere zu feilen (Chef, ich hab da mal eine Präsentation vorbereitet…)?

Wenn ihr wissen wollt, wie wir Lehrer wirklich sind, nehmt folgende mathematische Gleichung:

eure Eltern

minus Sätze wie

„und, wie läuft es in der Schule?“ (wissen wir selber)

„ich glaub, ich muss mal mit deiner Lehrerin reden“ (i wo)

plus Sätze wie

„sei bitte leise, ich muss korrigieren“

„ich kann mich nicht um alles kümmern“

„ich kann Samstag nicht, ich muss korrigieren.“

So sind wir. Ihr wollt euch nicht vorstellen, wie eure Eltern miteinander…? Dann macht das mit uns besser auch nicht.

Aus Respekt.

Und Selbsterhaltungstrieb.