Heute aus aktuellem Anlass mal kein Beitrag zum Thema Schule, aber zum Elternsein.

Meine kleine Tochter geht liebend gern in den Kindergarten. Was ich besonders schön finde, ist, dass sie genau so gern morgens hingeht („Tschüss, Mama!“ – hui, weg ist sie), wie sie mittags abgeholt wird („Mamaaaaa!“ – sie fliegt auf mich zu). Es scheint ihr mit dieser Art der Betreuung also sehr gut zu gehen. Und dennoch ist da immer diese klitzekleine Stimme des schlechten Gewissens – ‚du gibst dein Kind weg, du Rabenmutter…‘

Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist. Arbeiten gehen ist nicht nur gut fürs Portemonnaie, sondern auch für Geist und Seele. Meistens arbeite ich gern. Es erweitert meinen Horizont, lässt die Vorfreude auf das Kind am Nachmittag wachsen und macht aus Rund-um-die-Uhr-Mama eine zufriedene Quality-time-Mama. Mit einer halben Stelle habe ich genug Zeit fürs Kind und auch genug Zeit für die Arbeit. Außerdem lieben wir unseren Kindergarten. Ich könnte mir keinen besseren für meine Tochter vorstellen. Er ist klein, gemütlich und liebevoll eingerichtet, die Erzieherinnen sind patent, immer gut gelaunt, und am Wohl nicht nur der Kinder, sondern auch der Eltern interessiert. Alles prima.

Und doch ist da diese klitzekleine Stimme… Na, Sie wissen schon 😉

Deshalb habe ich mich besonders gefreut, heute am Sonntag in meiner Du-kannst.dir-den-Lifestyle-eh-nicht-leisten-aber-die-Sachen-sind-so-schön-Zeitschrift ein Interview mit Julia Roberts zu lesen, in dem sie – natürlich neben den unvermeidlichen Äußerungen zu Beauty und Hollywood  – auch etwas wirklich Schönes zu diesem Thema beiträgt:

„Als ich mit meinen drei Kindern unter drei Jahren voll im Stress war und tausend Baustellen hatte, fragte ich meine Mutter: „Wie in aller Welt hast du es geschafft, uns alle zu erziehen?“ Sie sagte: Schätzchen, das nennt man Tagesbetreuung. ich habe dich und deine Schwestern um 7.30 Uhr abgegeben und um 16 Uhr wieder abgeholt.“ Der Punkt ist: Es hat sich für mich nie so angefühlt. Ich war nicht eines dieser abgelieferten Kinder, die ihre Mutter den ganzen Tag nicht sehen. Ich war ein kompletter Teil ihres Lebens und sie war ein Teil von meinem. Das ist der magische Trick: Man muss Menschen das Gefühl geben, dass man bei ihnen ist, auch wenn man es mal nicht ist.““

Ich finde, sie hat Recht.

Ud als ich meiner Tochter vorgeschlagen habe, sie in meiner letzten Urlaubswoche, in der die Kita wieder geöffnet hat, noch zuhause zu lassen, hat sie mich lange angeschaut… mit diesem Blick, von dem ich eigentlich dachte, er käme erst mit 12, und dann gesagt: „Mama. Ich muss doch mit meinen Freundinnen spielen.“

Egal, wie gut die Erziehungsmethoden von Julia Roberts Mutter nun waren – der Kern ihrer Aussage zählt: Es geht nicht darum, wieviele Stunden wir am Tag mit unseren Lieben zusammen sind, sondern wieviele Stunden wir die Sicherheit haben, dass sie bei uns und Teil unseres Lebens sind. Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unsere Kinder in die Kita bringen – sie verleben dort (in der Regel) wundervolle Stunden und freuen sich auf die Mal-, Lego- oder Spielplatzzeit zuhause mit Mama.

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