„Schule soll doch aufs Leben vorbereiten…“ hörte ich diese Woche aus meinem Leistungskurs, in dem man sich – mit meinem völligen Einverständnis – darüber echauffierte, weshalb man denn in Mathe so abgehobene Dinge wie Kurvendiskussionen machen würde statt zu lernen, wie man eine Steuererklärung oder – mein Hinweis – einen Bafög-Antrag ausfüllt. Weshalb man im Deutschunterricht eine Textanalyse nach der anderen schriebe, statt mal eine ausführlich Reihe zum Thema „Bewerbungsschreiben verfassen“ oder „Wie werde ich Millio– Schriftsteller“ durchzuführen.

Das alte Lied.

Wer bereitet aufs Leben vor? Elternhaus oder Schule?

Wer erzieht die Brut? Eltern oder Lehrer?

So sehr vielen von uns diese Diskussion vielleicht langsam zu den Ohren herauskommt, so unterschiedlich sind doch die Meinungen dazu. Prinzipiell ist man sich vermutlich einig: Die Eltern erziehen, die Schule bildet.

Aufs Leben bereitet das Leben vor. Die Erfahrung. Und dabei unterstützen einen im besten Fall sowohl die Familie als auch die Schule. Und natürlich hat Schule die Aufgabe, die Erziehung der Eltern zu unterstützen und fortzuführen, sie kann und will sie aber nicht ersetzen.

Direkt gesagt:

Eltern lehren:

  • bitte / danke sagen
  • Respekt anderen gegenüber
  • freundlichen und höflichen Umgang
  • Rücksicht auf andere nehmen, abwarten können
  • usw.

Lehrer lehren:

  • Mathematik
  • Fremdsprachen
  • lesen und schreiben
  • geschichtliches, geographisches und politisches Allgemeinwissen
  • usw.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch die Eltern ihre Kinder weiterbilden sollen und können oder dass Lehrer nicht auch mal erzieherisch tätig werden. Aber es ändert nichts am Grundprinzip. Wie sollten Lehrer mit 32 Kindern fertig werden, wenn es nicht mal Eltern mit einem schaffen? Da hier aber die Meinungen oft so weit auseinander zu driften scheinen (eine mir sehr nahestehende Person sagte mal über ihr partout nicht hören wollendes Kind: „Hach, wenn es erstmal in die Schule kommt, da wird es erzogen“), wäre es eigentlich doch sinnvoll, sich öfter und intensiver über gegenseitige Erwartungen auszutauschen. Eltern und Lehrer. Die Angst („wenn ich mich beschwere, muss mein Kind das ausbaden“) bzw. den Anwalt zuhause zu lassen und das konstruktive Gespräch zu suchen.

Es ist doch so: Ich als Lehrerin fühle mich sehr viel wohler, wenn ich weiß, dass man mich vertrauensvoll über Dinge informiert, die anscheinend suboptimal laufen. Dann kann ich sie ändern, oder zumindest offen ansprechen, statt langsam zum Alptraum meiner Schüler zu mutieren, ohne es zu merken. Wenn dann mein Kind demnächst in die Schule kommt, wird es mir als Mutter auch lieber sein, wenn umgekehrt die Klassenleitung etwaige Probleme anspricht, statt sie auszusitzen. Ich möchte nämlich auch nicht, dass mein Kind zum Alptraum irgendeines Lehrers mutiert. Was ich übrigens wie alle Mütter für völlig unrealistisch halte 😉

Oder, wie meine Lieblingsnachbarin immer zu sagen pflegt:

Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.

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