Unsere Lehrerin ist super. Sie ist immer entspannt und freundlich, für uns da. Unsere Arbeiten korrigiert sie manchmal schneller, als uns lieb ist, und ihr Unterricht ist immer gut vorbereitet. Auch wenn wir zwischendurch mal mit ihr sprechen wollen, hat sie ein offenes Ohr für uns. Sie hat Humor, und wir lachen viel zwischendurch. Warum können nicht alle Lehrer so sein?

 

Unsere Lehrerin ist ein Grauen auf zwei Beinen. Dauernd gereizt, braucht ewig für die Arbeitskorrekturen. Letztes Mal mussten wir drei Wochen warten. Wenn wir mal kurz mit ihr sprechen wollen, hat sie meist keine Zeit und verweist uns genervt auf ihre Sprechstunde. Jede Stunde läuft nach Schema F – entweder lesen wir nur irgendwelche Aufgaben im Buch, die wir dann machen müssen, oder wir bekommen ein Arbeitsblatt. Ich glaube, sie hasst ihren Beruf.

Weshalb ticken Lehrer so unterschiedlich? Weshalb hat man als Schüler oder Eltern (und auch Kollege) den Eindruck, für manche sei Lehrersein eine Berufung, in der sie völlig aufgehen, während andere nur frustriert auf ihre Rente warten? In einem meiner früheren Artikel hatte ich darüber geschrieben, dass viele Dinge beeinflussen, ob der Job top oder Flop ist:

  • die eigene Einstellung
  • die Lerngruppen
  • die allgemeine Atmosphäre
  • die Beziehung zu Kollegen und Schulleitung
  • und, und, und.

Doch einen wichtigen Punkt habe ich besonders krass am eigenen Leib erfahren: Die Zitate oben sind frei erfunden, aber die Lehrpersonen, die dahinter stecken, kenne ich gut.

Beides bin ich.

Oben mit einer halben Stelle von 12 Stunden und nur drei verschiedenen Kursen in der Oberstufe, von denen einer keine Klausuren schreibt. Das heißt, mit ca. 35 verschiedenen SchülerInnen (manche habe ich in beiden Fächern) und nur 20 Korrekturen pro Quartal. Ohne Klassenleitung, ohne weiteren bürokratischen Aufwand. Mit viel Zeit für tolle Unterrichtsvorbereitung, die mir großen Spaß macht. Mit nahezu erwachsenen Schülern, die sich auf das Abitur vorbereiten und den Unterricht weitgehend ernst nehmen. Mit einer nahezu leeren Elternsprechtagsliste.

Unten mit einer vollen Stelle von 26 Stunden und acht verschiedenen Klassen / Kursen, von denen vier Klassenarbeiten schreiben. Das heißt, mit ca. 204 verschiedenen Schülern und gut 100-200 Klassenarbeiten pro Quartal (die unteren Klassen schreiben mehrere Arbeiten). Und mit einer Klassenleitung, zudem mit Lerngruppen, die zum Teil mitten in der Pubertät sind, und nach deren Unterrichtsstunde ich mich fühle, als wäre ich vom Laster überrollt worden. Das bedeutet im Klartext: Jede Woche / jedes Wochenende liegt ein Stapel Korrekturen auf meinem Schreibtisch. Ein Arbeitsstrom, der gefühlt nie endet. Mit einer täglichen To-Do-Liste von Elternanrufen, Antworten auf Beschwerde-Mails, auszufüllenden Listen, Terminen und Besprechungen. Und mit der Erwartungshaltung vieler Eltern und Schüler, ich müsse jedem möglichst sofort zur Verfügung stehen. Was ich natürlich gerne würde. Aber irgendwann nicht mehr kann.

Zeit ist ein wichtiger Faktor,

der oft in meinem Job

über Top

oder Flop

entscheidet.

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