4 Standpunkte eines Sohnes:

1) Mama, ich mach das noch. Ich weiß, du willst, dass ich JETZT aufräume, JETZT meine Hausaufgaben mache, die Wäsche IN den Korb werfe und nicht daneben. Aber ich habe meinen eigenen Zeitplan. Ich will mir nicht ständig reinreden lassen, was ich wann machen soll. Deinen Kunden sagst du das ja auch nicht. Also behandele mich wie einen Erwachsenen und vertraue mir ein bisschen.

2) Mama, hör auf, dir ständig Sorgen zu machen. Ich bin schon groß, du musst mich loslassen. Du und Papa wart mir gute Vorbilder, und ich bin vernünftiger, als du denkst. Auch wenn ich das aus Protest zuhause nie zeige.

3) Mama, ich weiß, dass ich manchmal beleidigend und unverschämt bin, dass ich dich zur Raserei bringe und respektlos erscheine. Das ist aber notwendig und genetisch festgelegt: Der Sinn der Pubertät ist, dass sich Kinder in Monster verwandeln, weil die Eltern sie sonst nie gehen lassen würden. Wenn wir immer so niedlich und lieb blieben wie mit sechs, würdet ihr uns mit 40 immer noch zuhause festhalten.

4) Mama, ich liebe dich bis zum Platzen. Manchmal bis zum Platzen meines Kragens. Wenn dich jemand beleidigt (was natürlich keiner tut), verteidige ich dich bis aufs Blut. Falls ich jemals eigene Kinder haben sollte, wünsche ich mir eine Mutter für sie wie dich: Stark, mutig, lebensfroh und mit einer Engelsgeduld. Ich weiß, dass du alles für mich tun würdest. Das meiste davon hast du schon getan.

4 Standpunkte einer Mutter:

1) Sohn, ich weiß, dass ich dich mit meinen vielen Bitten nerve, aber lustigerweise scheinst du zu denken, ich sei deine Putzfrau und deine Therapeutin. Denn wenn ich dich nicht nerve, tust du nichts von allein. Und wenn du Ärger in der Schule hast, muss ich mir dein Gejammere anhören. Du willst wie ein Erwachsenenr behandelt werden? Dann benimm dich wie einer und lass mich nicht dauernd hängen.

2) Sohn, ich weiß, dass ich mir immer viel zu viele Sorgen mache. Dafür kann ich aber nichts, das liegt in der Natur. Für mich wirst du immer der kleine Junge bleiben, der in die Windel kackt und Angst vor dem Staubsauger hat. Die Vorstellung, dass dem wichtigsten Menschen in meinem Leben etwas passieren könnte, ist vielleicht so schrecklich wie deine Befürchtung, das Smartphone könnte kaputt gehen oder der Kühlschrank sei leer.

3) Sohn, manchmal sind deine Worte in der Tat verletzend. Aber manchmal bin ich auch furchtbar stolz, dass du gelernt hast, dich durchzusetzen, andere in Grund und Boden zu diskutieren und dich auszudrücken. In Gedanken entschuldige ich mich dann immer bei meiner eigenen Mutter, weil ich sie damals genau so angezickt habe, wie du mich jetzt. Ja, Sohn, jetzt ist es raus. Auch ich habe es gehasst aufzuräumen, mir reinreden zu lassen und mir ständig Predigten anhören zu müssen. Wenn wir nicht Mutter und Sohn, sondern gleichaltrig wären, würden wir uns fantastisch verstehen. Aber leider haben wir zwei völlig verschiedene Baustellen: Du die Jugend und ich die Verantwortung. Was ich damit sagen will: Wenn du älter bist, werden wir uns fantastisch verstehen.

4) Sohn, ich liebe dich bis zum Mond und wieder zurück. Egal, was du sagst, tust oder meinst – Mütter sind immer da. Immer. Wir sind quasi eine lebende Inflation. Deshalb werden wir meist erst dann richtig geschätzt, wenn wir nicht mehr immer da sind – so mit 50, 60, wenn wir nach Sylt auswandern. Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Das Schwierigste auch, okay, aber der Mensch wächst mit seinen Aufgaben –

und dich gebe ich niemals auf.

 

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig beabsichtigt.

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