Kaum eine Beziehung ist so vielfältig und kompliziert wie die zwischen Schülern und Lehrern. Ist sie privat? Ist sie beruflich? Einerseits muss man als Lehrer hochprofessionell sein, was Benotung, Unterrichtsvorbereitung und Umgang mit den Eltern und ihren Schützlingen angeht, andererseits ist man doch oft viel mehr als Pädagoge – man ist Mutti, Trainer, Trostspender, Leitwolf, Psychologe, Lebensberater oder auch mal Punching-Ball. Seine Schüler sieht man häufiger als die eigenen Geschwister oder Eltern.

Und doch –

was weiß man eigentlich über die Menschen,

mit denen man fast jeden Tag viel Zeit verbringt?

Muss man da überhaupt was wissen?

Ich finde ja.

Wir alle leben von Anerkennung. Das ist es, was zählt. Selbst die abgebrühtesten Nullbock-Schüler bekommen dieses verdächtige Glitzern des Stolzes und der Freude in den Augen, wenn sie doch eine gute Note geschafft haben. Die glücklichen und erfolgreichen Lehrer schätzen an ihrem Beruf weniger die vielen Ferien (Klischee 1) und die horrenden Gagen (Klischee 2), sondern das, was man von zufriedenen Schülern und Eltern zurückbekommt: Anerkennung, Lob und Dank.

Und diese Anerkennung fällt uns leichter, je besser wir uns kennen. Wenn man (auch als Nichtfachlehrer) seine Schüler mal bei ihren Freizeitaktivitäten besucht, wenn sie mit ihrer Fußballmannschaft spielen, mit ihrer Band auftreten oder eine Rolle in einem Theaterstück tanzen. Wenn man einen Blick dafür bekommt, wie fleißig und engagieIMG_6517rt sie sein können, wenn ihnen etwas Spaß macht und das unglücklicherweise nicht das Fach ist, welches man selbst unterrichtet.

Umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh draus. Ich trage gern mein Leben in die Schule. Bringe ab und zu mal meine Tochter mit, erzähle von meinem Buch oder lade Schüler zu mir nach Hause ein. Also manchmal. Die besonders Netten 😉

Auf diese Art und Weise verwandeln sich Schüler und Lehrer nämlich in eine Einheit von Menschen, die zufällig unterschiedlichen Alters sind, aber hervorragend miteinander arbeiten können – nicht weil sie müssen, sondern weil sie sich gegenseitig schätzen.

Klingt naiv und fürchterlich kitschig?

Ja.

Ist aber so.

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