Finnland.

Das süße Dorf irgendwo zwischen Lappland und Schweden, das keiner kennt, aber alle doll finden. Wenn ich irgendwo erwähne, aus welchem Land mein Mann stammt, höre ich zuverlässig den Satz

Ah. Finnland. Jaja. Das Finnische soll ja sehr mit dem Ungarischen verwandt sein.

Nein. Ist es nicht. Finnisch und Ungarisch besitzen drei gleiche Wörter. Irgendwas mit Fischen und Brot. Das war’s.

Finnland ist toll. Aber vermutlich nur für Einsiedler wie mich. Als Einzelkind bin ich es gewohnt, glücklich und kreativ allein zu sein. Mit 5 liebte ich es, stundenlang allein mit meinem Puppenhaus oder Lego zu spielen, ohne dass mir einer reinquatscht, mit 25 residierte ich allein in einer riesigen Wohnung (groß, aber günstig, da direkt an einer Hauptverkehrsstraße in einem nicht so schönen Viertel) und habe es genossen, tun und lassen zu können, was ich wollte und wann ich es wollte, und jetzt genieße ich jede freie Minute hoch oben allein unterm Dach an meinem Schreibtisch, wenn mich wieder eine Idee juckt und ich etwas schreiben muss.

In Finnland kann man dieses Alleinsein überall zelebrieren, wenn man keine Angst davor hat. Es gibt 1000 Seen und  Wälder und  – das ist das Besondere: Keine Schilder wie „Baden verboten!“, „Betreten verboten“ oder „Achtung! Privatgelände“. Wenn man einen schönen Platz an einem See findet, darf man dort baden, picknicken oder Löcher in die Luft starren.

Es gibt quasi auch keine Mietshäuser. Wenn man langfristig in Finnland wohnt, hat man ein Haus. Gut. Es handelt sich dabei oft um Häuser, die in Deutschland keiner Prüfung standhalten würden, aber der Finne ist da nicht so. Alles blüht, wackelt, sprießt vor sich hin, und die Menschen finden das schön. Und wenn mal was zusammenkracht, kommt der liebe Nachbar vorbei und hilft, es wieder aufzubauen. Nahe der Städte hat man viele Nachbarn, aber je weiter man in das wahre Finnland vordringt, desto weiter entfernt liegen die nächsten Häuser. Quasi jeder Haushalt verfügt über seinen persönlichen See. Und Wald. Und Elche und Rentiere. Wobei sich die scheuen Elche eher weniger sehen lassen. Die Rentiere spazieren schonmal gemütlich über die Autobahn, weshalb in Finnland klare Geschwindigkeitsbegrenzungen herrschen (und auch regelmäßig von der Polizei überprüft werden). Noch ein Pluspunkt, denn ich hasse Raser im Straßenverkehr.

Ein großer Pluspunkt für mich sind die finnischen Kinder. Finnen bekommen meist mehrere Kinder. Logisch, denn irgendwie muss der ganze Platz im Land  ja ausgenutzt werden, und die Winter sind lang und kalt. Während man auf deutschen Spielplätzen eher komisch, wenn nicht gar abwertend angeglotzt wird, wenn man mit fremden Kindern spielen will (also nicht ich, sondern Kinder allgemein), gilt in Finnland das Prinzip: Je mehr Kinder, desto mehr Piraten, desto mehr Spaß. Wenn Kinder aufeinander treffen, spielen sie miteinander. Sehr sympathisch.

Der Finne an sich ist sparsam. Das fängt beim Alphabet an, aus dem er weitgehend nur die Buchstaben a, e, f, h, i, k, l, m, n, o, p, r, s, t, u, v, ä,ö,und ü benutzt (und davon meist auch nur ä, ö, p, t und k), und endet bei den Lebenshaltungskosten. Die sind in Finnland hoch. Ungern erinnere ich mich an meine „Grillplatte“ für 15,80 Euro, die aus zwei kleinen Stücken Fleisch, einer Kartoffel und einer Hand voll Gemüse bestand. Der Finne spart aber auch an Worten. Kein Wunder, bei den wenigen Buchstaben. Er redet eigentlich nicht, sondern bevorzugt elchähnliche Geräusche, um sich mitzuteilen. Mein Mann ist da übrigens eine Ausnahme, er redet noch, wenn ich schon mit dem Zuhören fertig bin.

Alles in allem ist Finnland großartig, und wir planen, dahin auszuwandern, wenn

  • unsere Tochter studiert (in 15 Jahren)
  • mein Mann in Rente geht (in 15 Jahren)
  • ich finnisch kann (in 298 Jahren)

Kohta on joulu!

(Heißt ‚bald ist Weihnachten‘, passt hier vielleicht nicht, ist aber eine schöne Botschaft und der einzige Satz, den ich schreiben kann)

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