Ich liebe Frau Tinte. Jeder sollte im Lehrerzimmer eine Frau Tinte sitzen haben. Frau Tinte ist immer fröhlich, aber nicht so fröhlich, dass es nervt. Sie hat alles dabei, was man selbst vergessen hat, in ihrer MaryPoppinstasche, aus der sie nach Bedarf Taschentücher, Stifte, Sofakissen oder Kopiervorlagen zaubern kann.

Ich sitze neben Frau Tinte, niemals in der Tinte. Und seit sie schwanger ist, hat sie auch immer Leckereien dabei. Nicht ein paar Bonbons, nein, eher die Kategorie Süßwarenabteilung im Edelkaufhaus: Merci, Gummibärchen (die guten), Toffifee, Amicelli, Botticelli…

Ich hab in einer einzigen Zeugniskonferenz drei Kilo zugenommen.

Seit der Schwangerschaft ist Frau Tinte noch entspannter als sonst. Manchmal etwas SEHR entspannt. Man soll das Leben gut finden, zweifellos, aber möchte ich, wenn ich im Schlamm der Lehrerdepression versinke, hören, dass ich mir eine neue Tasche kaufen soll?

Ja, okay, ich möchte das hören.

Aber es ist still geworden.

Frau Tinte sitzt, futtert und beschenkt nicht mehr neben mir, sie explodiert nicht mehr an meiner Seite ins Leben. Sie ist jetzt im Mutterschutz, weil da jemand anderer ins Leben explodieren möchte.

Jetzt sitze ich doch IN der Tinte.

 

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