Sie ist halt sehr schwierig im Moment. Ich weiß auch nicht, was ich tun soll und hoffe, es ist nur eine Phase. Aber man kann ja sagen, was man will, Mama ist eh peinlich und hat keine Ahnung. Aber so sind sie halt, die Kinder.

Erzählte neulich eine Mutter über ihre Tochter. Können viele von uns sicherlich nachvollziehen, wer hat nicht schonmal graue Haare wegen seines Nachwuchses bekommen und den Wunsch nach Urlaub vom Pubertier verspürt.

Wo das Problem liegt?

Das Mädchen, um das es ging, stand direkt daneben.

Ich weiß nicht, woher diese Unsitte kommt, dass manche Erwachsene meinen, ihre Kinder seien taub oder völlig unsensibel. Niemandem von uns würde es einfallen, sich bei Dritten über einen Menschen zu beschweren, wenn der gerade neben uns steht. Höchstens bei Gericht, und damit kommen wir zum Punkt.

Was stellen wir mit unsern Kindern an, wenn wir sie öffentlich bloßstellen, anklagen? Wenn wir anderen in ihrem Beisein erzählen, wie nervtötend, unordentlich, frech und undankbar sie gerade sind? Wir zerstören ihr Selbstbewusstsein. Wir verletzen sie. Und wenn wir hundertmal Recht haben mit unseren Vorwürfen: So etwas klärt man mit Kindern wie mit Erwachsenen: Diskret und unter vier Augen.

Denn noch etwas geschieht mit den Menschen, die wir am meisten lieben und die wir erziehen: Sie nehmen sich an uns ein Beispiel. Wenn wir ihnen vorleben, dass man auf die Persönlichkeitsrechte aderer Menschen keine Rücksicht nehmen braucht, dann tun sie es auch nicht. Oder haben Sie schonmal ausgesucht höfliche Eltern mit einem rotzfrechen Kind gesehen? Oder respektlose polternde Mütter und Väter mit höflichem Nachwuchs?

Was ist das für eine Ignoranz, die uns in solchen Momenten vergessen lässt, wie peinlich es unseren Kindern sein muss, dass wir uns gerade über sie beschweren?

  • ein Hilferuf nach dem Motto „Ich komme mit meinem Kind nicht mehr klar, kannst du ihm nicht mal die Meinung geigen“?
  • eine Bestrafung nach dem Prinzip „jetzt merkst du mal, wie weh du mir immer mit deinem Verhalten tust“?
  • der schrecklich dumme Irrtum, Kinder hörten und verständen nichts?

Ich habe mein Kind nicht oft zum zornigen Weinen gebracht: Wenn ich mit ihr schimpfe (was zum Glück selten vorkommt), weil ihr Zimmer wieder aussieht wie nach der Explosion aller Möbel, weil sie frech ist oder mit dem Rad über die Straße gefahren ist ohne zu gucIMG_8997ken, sieht sie das in der Regel ein. Manchmal reagiert sie muffig, aber seelisch verletzt ist sie nicht. Als ich aber vor einiger Zeit meinem Mann gedankenlos eine lustige Begebenheit erzählt habe, in der sie die Hauptrolle spielte, die ich witzig fand, sie selbst aber nicht, schimpfte sie unter Tränen (und völlig zurecht):

Mama, hör auf, ich will das nicht!

Ich auch nicht.

Seitdem reiße ich mich zusammen. Denn wichtiger als eine lustige Geschichte ist mir ein fröhliches, starkes Kind.

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