Kindermund tut Wahrheit kund

Ein wahres Sprichwort, auch was Grammatik angeht. Manchmal benutzen Kinder Formen, die einem Erwachsenen komisch oder falsch vorkommen, die aber doch einer inneren Logik folgen.

Deshalb kam ich heute ins Grübeln, als meine Tochter mal wieder „Kirschensaft“ forderte. Ja – es heißt „Bananensaft“, IMG_1268„Aprikosensaft“ oder „Orangensaft“, weshalb dann aber „Kirschsaft“ ohne „en“?

Grammatik ist tückisch. Das wissen nicht nur meine Schüler, sondern alle Menschen, die sich mit Sprache beschäftigen und darüber nachdenken.

Nehmen wir mal „Apfelsaft“, „Orangensaft“ und „Kirschsaft“. Und jetzt erklären Sie einem Kind, weshalb sie so heißen, wie sie heißen.

  • Apfel = Nominativ, Dativ oder Akkusativ Singular
  • Orangen = jeder Fall im Plural
  • Kirsch = unvollständiges Wort

Gibts eine Regel, die dahinter steht, und wenn ja, muss man sie befolgen?

Nun, wir leben in Deutschland. Natürlich gibt es eine Regel, und natürlich muss man sie befolgen. Aber wie lautet sie?

Ich habe im Internet (Zeit online Blog: Leser fragen: Äpfelsaft?) eine interessante Erklärung gefunden: Es liegt an der einfacheren Aussprache (Orangesaft klingt ja auch viel holpriger als Orangensaft, probieren Sie mal aus):

Dabei handelt es sich nicht um Pluralendungen, sondern um sogenannte „Fugenmorpheme“, die aus Prosodiegründen eingefügt werden(…)

Das werde ich meiner Fünfjährigen gleich so erklären.

Aber erst muss ich ihr Rechtschreibung beibringen, denn sie ist verwirrt, weil Papa Pilz trinkt.

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