Heute gibts mal wieder was Neues aus meiner Q2. Allerdings aus dem Musikkurs. Im Moment ist das Oberthema Akustik, und unter diesem von den Schülern gewählten Thema (niemand schreibt Klausur, deshalb sind wir ziemlich unabhängig) versammeln wir alles, was Spaß macht. Für die letzte Stunde hat Jens (der mit den Kettensägen) angeboten, uns Akustikgitarre beizubringen. Wir waren nur zu neunt, da Tom und Bibi leider nicht dabei sein konnten, so war es kein Problem, für jeden ein Instrument aufzutreiben.

Vielleicht kurz zu meiner Vorbildung: Ich bin ein Klavier- und Chorkind. Wenn man Musik auf Lehramt studiert, muss man die Fächer Gesang, Klavier und ein Melodieninstrument belegen. Da icC56D0CAA-146F-4312-B7CC-F4CFE30F0AC5h damals bei der Anmeldung in Köln dachte, ich müsste schon Vorerfahrung mit dem Instrument mitbringen, griff ich auf meine Blockflöte (unter Musikstudenten unter dem Namen „Notholz“ bekannt) zurück. Ich habe nicht das Geringste gegen Gitarren, aber ich brauchte sie nie zu erlernen, und so groß war das Interesse auch nicht. Lieder begleiten kann ich prima auf dem Klavier, und am Lagerfeuer auf Klassen-, Kirchen- oder anderen Fahrten findet sich immer ein Soziologiestudent, der klampfen kann.

Ich kann demzufolge die einzelnen Teile einer Gitarre benennen und erklären, wie die Tonerzeugung funktioniert, aber außer „Alle meine Entchen“ kann ich nichts darauf spielen.

Wer jetzt glaubt, meine Schüler würden mich angewidert als subkompetent bezeichnen und bei der Schulleitung um einen neuen Musiklehrer bitten, kennt meine Q2 schlecht. Wir sind so (meine kleine Tochter würde jetzt Zeige- und Mittelfinger kreuzen als Zeichen innerster Verbundenheit).

Jens hat „Wonderwall“ und „Hey, there Delilah“ vorbereitet, weil diese Stücke schön, bekannt und einfach zu begleiten sind. Und in seiner üblichen tiefenentspannten und ruhigen Art erklärt er uns, wo wir unsere übermanikürten / zu langen Fingernägel oder zu kurzen Finger hinpressen sollen.

Paul, der Drummer, der immer meckert, außer, wenn er drummt, ist überraschend friedlich, was vermutlich daran liegt, dass er erstens unter Medikamenteneinfluss steht (Weisheitszähne gezogen) und zweitens ein bisschen Gitarre spielen kann.

Maria, der südländische Temperamentsbolzen, der davon schwärmt, wie toll man auf portugiesisch fluchen kann, kann das nicht und will das nicht und macht das nicht. Doch! Sie tut es doch! Auch Maria nimmt an unserem neuesten Kunstprojekt teil. Liegt vermutlich daran an, dass sie soviel entspannter und glücklicher in die Welt blickt, seit sie mit

Heiko zusammen ist, den ich noch nie so happy habe lächeln sehen, wie in letzter Zeit. Heiko liebt die Conga, aber neuerdings auch Maria. Deshalb scheint es auch für Heiko kein Problem zu sein, sich von der Conga zu trennen und auf Gitarre umzusteigen. Zumindest für eine Stunde.

Niklas, der Traumschüler, der im Musikunterricht davon profitiert, dass es auf Rechtschreibung nicht so ankommt, wirkt zum ersten Mal leicht überfordert, aber Jens mit seiner ruhigen Art nimmt uns allen sämtliche Ängste und Nervosität.

Lisa, die mit Rücken und den schönen Augen hat sich mit Maria zusammengetan. Gemeinsam spielen sie im Akkord.

Sid geht mir mal wieder fürchterlich auf den Keks, weil er wie wild auf der Gitarre herumklopft und -klampft. Aber das Schöne an Sid ist, dass er nicht nur mir, sondern auch allen anderen auf den Keks geht, und wenn Paul brummt „hör doch mal auf“, hört Sid auf ihn.

Achim schaut versonnen auf seine Finger und scheint kaum fassen zu können, welch edle Töne seine Hände aus ein bisschen Holz und Draht herausbringen.

Ja. Und dann komm ich. Es entspinnt sich folgender Dialog / Multilog:

„Sie halten die Gitarre verkehrt herum.“

„Wieso?“

„Der Hals muss nach links zeigen.“

Kurz überlegen, wo links ist

„Aber es ist doch viel schwieriger, den Hals zu greifen, als über den Bauch zu streichen (ich überlege kurz, ob ich hier doppeldeutigen Mist von mir gebe) – ich bin doch Rechtshänder!“

„Nein.“

„Doch! Außerdem sind dann die tiefen Töne oben und die hohen unten. das ist doch Quatsch. Beim Klavier ist das umgekehrt!“

„Nein, beim Klavier liegen die tiefen Töne nicht unten, sondern links.“

„Jetzt seid doch nicht solche Wortklauber! Herrschaft! Wer bringt euch bloß Deutsch bei!“

„Sie.“ (Mist)

Ich gebe mich geschlagen, und spiele die Gitarre halt verkehrt herum.

Und weiß genau, was Paul jetzt denkt:

Pianisten…

 

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