…eine weitere Anregung meines Abiturkurses zum Schreiben eines Blogartikels.

Meine Antwort?

Weder noch. Natürlich wäre ich Gott.

Bevor man mich der Bl8AD7139B-4B88-4440-A13E-5B29FA0BCDC0asphemie bezichtigt: Natürlich halte ich mich nicht für Gott im allgemeinen, auch wenn ich Lehrerin bin, nein, ich führe nur die oben angesprochene Allegorie weiter, indem ich die Figuren des Dramas Faust auf das wirkliche Drama Deutsch-LK beziehe, und beantworte die Frage eines Schülers. Beschwerden also bitte an Paul.

Nun: Was sagt Gott zu Mephisto, als dieser ihm in einer Wette beweisen will, dass die Schöpfung alles andere als perfekt, und der Mensch (selbst so ein toller Hecht wie Faust) „tierischer als jedes Tier“ sei?

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,

So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.

und

Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Sagt das nicht alles? Streben wir Lehrer nicht Jahr für Jahr danach, die uns mit „verworrenen“ Rechtschreib- und Aufsatzleistungen dienenden Schüler bis zum Abi in die Klarheit zu führen? Und begleiten wir sie nicht milde lächelnd, während sie eins um andere mal „irren“, aber im festen Vertrauen darauf, dass unsere Schäfchen es schaffen werden?

Aber wenn ich mich schon so weit in den Himmel wage, wäre doch zu überlegen, was es in dieser Allegorie mit den anderen Goethe-Figuren so auf sich hat:

  • Faust stünde für die durchaus intelligenten, sehr bemühten und motivierten Schüler, die vieles lesen und verstehen, doch auch immer wieder zweifeln: Am Schulsystem an sich, dem Unterricht, dem Lehrer und den Unterrichtsinhalten. Wie im Drama Faust sind das aber keine nervigen Querulanten, die Gott einfach ignoriert, sondern vielmehr seine wahren Lieblinge, die er sich besonders bemüht, vom Sinn seiner Schöpfung (Unterricht) zu überzeugen. Er lässt sie durchaus stolpern und hinfallen, aber letztendlich gibt er ihnen dadurch die Möglichkeit, sich aus sich selbst heraus weiter zu entwickeln. „Fausts“ oder „Fäuste“ sind dem Lehrer 1000mal lieber, als die
  • Wagner-Spezies. Der Streber, der alles lernen, alles wissen will und niemanden abschreiben lässt, weil er das Lob des Lehrers für sich allein haben will. Er lernt und redet und redet und redet einem nach dem Mund und hofft, irgendwann alles auswendig gelernt zu haben, um es dann als eigenes Wissen ausgeben zu können. Ohne Fausts Leidenschaft, ohne Fausts Hingabe, oder echtes Interesse.
  • Gretchen könnte die Allegorie sein für all die lieben, fleißigen Schülerchen, die jede Anweisung ohne zu murren befolgen, eben weil sie brav und fleißig sind. Sie sind aber leider auch diejenigen, die sofort erwischt werden, wenn sie einmal Mist bauen. Das kennen wir doch alle: Der Nachbar, der ständig die Verkehrsregeln missachtet, kommt damit durch, aber wenn wir Verantwortungsbewussten, die wir uns immer an die Regeln halten, EINMAL im Halteverbot stehen, kriegen wir gleich einen Zettel. So auch Gretchen, das sich immer vorbildlich verhält. Nur EINMAL schwach geworden, schon wird sie zur Kindsmörderin und mit dem Tode bestraft. Aber – ihr wird von Gott verziehen. Auch wir Lehrer verzeihen Fehler von Gretchentypen natürlich schneller, als die von anderen.
  • Marthe, Gretchens Nachbarin, die das fromme Mädchen dazu ermuntert, den Pfad der Tugend zu verlassen, die selbst ihrem vermeintlich toten Mann keine Träne nachweint, sondern nur an seinem Nachlass interessiert ist, könnte man mit den Schülern vergleichen, die selbst keine Lust haben, irgendetwas Produktives auf die Beine zu stellen, aber immer glauben, das Leben schulde ihnen was. Die immer nur sich selbst im Kopf haben, sich dann aber beschweren, dass das Leben gemein sei.

Tja.

Und wo steckt dann da nun Mephisto, der Teufel, der mit Gott wettet, der Faust „vom rechten Wege“ abbringen will, der nichts von der Schöpfung hält, und so ein unterhaltsamer, eloquenter, fast sympathischer Geselle ist?

Nun, der Teufel steckt im Detail, sagt man immer so schön, und welches Detail das gerade ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden: Wer oder was ihn vom Streben abhält, wo des Pudels Kern für ihn liegt: Internet, Faulheit, feiern und betrinken, Drogen oder was auch immer, vielleicht sogar das Lesen meines Blogs 😉

Wobei ich dann tatsächlich auch ein bisschen Mephisto wär:-)))

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