IMG_0293Tatümama?
Was ist das jetzt schon wieder?

Ich.

Im Gegensatz zu dem heute sehr inflationär verwendeten Begriff der Helikoptermutter bezeichne ich mich eher als Tatümama: Madame darf ihr Leben durchaus selbst in die Hand und auf den Arm nehmen, sich dreckig machen, Abenteuer erleben und selbstständig werden, aber wenn sie Schmerzen hat – psychisch, weil ihr der doofe Hellmut aus der Kita (mehr Mut als hell) böse Wörter nachruft oder physisch, weil sie krank ist – dann wird aus der würdevollen, souveränen und absolut in sich ruhenden Tina Flynn eine Tatümama: Hektisch, hysterisch, hyperaktiv.

Beispiel folgt:

Karfreitag, 11.20:

Madame malt fröhlich Ostereier an. Sie hustet ein bisschen, ist aber sonst fit.

Karfreitag, 12.00:

Madame schlingt von hinten ihre Ärmchen um mich. Ich denke noch ‚hey, heute ist sie kuschelig warm‘, da höre ich sie schluchzen. Dann bricht es aus ihr hervor: „Mama, ich hab so Kopfschmerzen.“ Madame glüht, ich hole das Fieberthemometer.

Karfreitag, 12.20:

38.3, das ist – vor allem bei Kindern – nicht die Welt. Was mich allerdings alarmiert, ist, dass die sonst auch bei Erkältungen und ähnlichen Erkrankungen eher toughe Maus sich auf der Couch hin- und herwindet, bitterlich weint und schreit, ihr Kopf tue so weh. Sowas hat sie noch nie gemacht. Sie bekommt ein Zäpfchen gegen die Schmerzen. Mama ist nervös.

Karfreitag, 12.30:

Madame schreit und weint immer noch. Während Papa sie sanft beruhigt und ihre Stirn kühlt, überschlagen sich meine Gedanken. In letzter Zeit blinzelt sie ungewöhnlich viel. Hab für sie schon einen Termin beim Augenarzt geholt, doch der früheste war erst im Juni dieses Jahres zu haben. Meine Gedanken bleiben bei drei Schreckensszenerien stehen:

  1. Sie hat einen Hirntumor, der aufs Auge drückt
  2. Ihr ist ein Aneurysma im Kopf geplatzt
  3. Sie wird blind

Wie auch immer, wir packen die Sachen und fahren zum Notarzt (ist ja Karfreitag).

Karfreitag, 12.45:

Das Zäpfchen scheint zu wirken. Madame sitzt neben mir im Auto und fragt, wieviele Arten von Kopfschmerzen es denn auf der Welt gebe. Okay, das Aneurysma ist damit vermutlich raus.

Karfreitag, 12.55:

Wir sind an der Notarztpraxis angekommen. Madame verkündet freudestrahlend, dass sie keine Kopfschmerzen mehr habe und fragt mich, ob es denn dabei bleibe, dass wir am nächsten Tag bowlen gehen. ich hoffe inständig, dass der Arzt uns gleich nicht als völlig bescheuerte Helikoptereltern einstuft, weil wir mit einem lebensfrohen Kind dort auftauchen, das Fieber und Kopfschmerzen hat…te. Ihre Stirn fühlt sich angenehm kühl an.

Karfreitag, 13.00:

Der Arzt ist sehr nett. Er stellt freudestrahlend fest, dass Madame am selben Tag Geburtstag hat wie seine eigene Tochter, die allerdings doppelt so alt sei. Jetzt haben wir zwei Strahler im Raum, das Licht blendet mich. Immerhin stellt er fest, dass ihr Rachen stark gerötet… ja, okay, nur gerötet sei, und die Grippe halt grade umginge. Und dass Zäpfchen ja Wunder wirken… Ich liebe ihn.

Karfreitag, 14.40:

Sie schläft tief und fest. Der Arzt strahlt bestimmt immer noch über die gepfefferte Rechnung, die er mir schicken darf, weil er sich so nett mit unsIMG_0532 unterhalten konnte. Aber noch mehr strahlt die Helikopter– Tatümama, weil Maus keine Schmerzen mehr hat und sich jetzt hoffentlich gesundschläft. Schließlich will sie bowlen

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