IMG_3244Heute habe ich einen Artikel gelesen, der mich sehr angesprochen hat, weil ich mir die darin behandelten Fragen selbst schon oft gesellt habe. Es geht um unsere christlichen Feiertage und welchen Wert sie überhaupt noch für uns besitzen:

„Feiertage sind mehr als freie Tage!“, sagt Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (53, CDU). Und weiter: (…)„Karfreitag liegt hinter uns. Für gläubige Christen ist es der Tag der Kreuzigung des Herrn, für die Mehrzahl der Bürger nur noch Erholung. (…) Ausschlafen statt Andacht, Onlineshopping statt Stille… Mit dem Sinn von Karfreitag als Tag der Trauer hat das nichts mehr zu tun. Aber für das Gros ist dieser Tag nicht mehr als ein Urlaubstag – mit religiösem Alibi. (…) Wir verlangen von Migranten, sich an unseren christlichen Werten zu orientieren, diese zu respektieren. Aber dafür müssen wir selbst mit gutem Beispiel vorangehen…unsere Wurzeln müssen wir gemeinsam erhalten und pflegen. Dazu gehört, diese überhaupt zu kennen. Und zu wissen: Christi Himmelfahrt ist mehr als Vatertag, der Reformationstag mehr als Halloween.“

Respektieren wir unsere christlichen Feiertage noch? Und wenn nicht – kann es den Leuten nicht einfach egal sein? Soll doch jeder nach seiner Fasson selig werden.

Wenn ich in meinem Umkreis schaue, sehe ich viele Menschen, die Ostern, Weihnachten, Hochzeiten begehen. Alles christlich motivierte Feste. Doch wer davon weiß eigentlich, was er da feiert?

In allen drei Fällen scheint es mehr um gesellschaftliche Konventionen, Konsum und Deko zu gehen. In den Gottesdienst geht man „wegen der Kinder“, weil das alles so hübsch feierlich und nett ist. Man heiratet kirchlich, weil das eben dazu gehört, weil man schließlich ein rauschendes Fest feiern möchte, da gehört Kirche und bauschiges weißes Kleid eben dazu. Man feiert Ostern, um den Kindern eine Freude zu machen, versteckt Schokohasen, schmückt die Vorgärten mit bunten Eiern und macht große Geschenke. Weihnachten wetteifert man mit dem Nachbarn, wer die meisten Lichter im Garten hat und lädt die ganze Familie ein, weil man das ja wenigstens an Weihnachten ja mal muss.

Doch was hat das mit den eigentlichen Festen zu tun? Und was macht diese gedankenlose Dekoexplosion mit uns?

Mir stellen sich diesbezüglich immer zwei Fragen:

Wenn die Leute Christentum ablehnen, gestrig finden, Glauben an Gott für bescheuert halten – weshalb feiern sie dann trotzdem unsere Feste mit?

  • klar – weil sie auch frei haben wollen, Geschenke mögen und „man das eben so macht“. Aber muss man dafür eine Religion missbrauchen?  Ich finde, es ist eine Sache, Religion abzulehnen, das muss jeder für sich selbst entscheiden, aber eine ganz andere Sache, trotz Ablehnung von den angenehmen Seiten profitieren zu wollen.

Ich habe noch nie verstanden, warum so viele Menschen das Christentum (oder auch die Religion an sich) ablehnen, weil ich die Argumente so unlogisch finde:

  • „Im Namen der Religion wird so viel getötet“: Das ist natürlich richtig, aber auch ohne Religion wird viel getötet. Außerdem ist das sicher nicht Gottes Idee, denn in unseren 10 Geboten steht: „Du sollst nicht töten“. Bumms. So einfach ist das. Fakt ist, es gibt gute Menschen und schlechte Menschen auf der Welt (und ganz viele dazwischen ;-)), und die Bösen finden immer einen Grund, zu töten: Ob der nun religiös, politisch, gesellschaftlich oder sonstwie motiviert ist, ist denen dabei meistens völlig egal, solange sie ihr Ziel (Macht, Geld) erreichen. Religion ist halt immer ein gutes „Totschlagsargument“, denn was will man den Worten „Gott hat mir gesagt, ich soll euch umbringen“ schon entgegensetzen…
  • „Glaube an Gott ist was für Spinner und nicht mehr zeitgemäß“: Wer sich mit Wissenschaft beschäftigt, wird immer wieder feststellen, dass sich Wissenschaftsglaube und Glaube an Gott überhaupt nicht gegenseitig ausschließen. Warum soll Gott nicht auch all die physikalischen oder chemischen Gesetze geschaffen haben, nach denen unsere Welt funktioniert? Natürlich sind die Geschichten in der Bibel oft verkürzt und bildlich dargestellt, weil sie eben auch die einfachen Menschen verstehen sollten. Aber ob die Welt nun in sieben Tagen oder sieben Jahrmilliarden entstanden ist, ist doch unerheblich, oder? Jedenfalls habe ich persönlich Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass unsere schöne Welt mit der tollen Natur, der Musik, den vielen lachenden Kindern und verliebten Paaren nur ein großer Pups des Universums sein soll – ohne Sinn, nur zufällig, eine Laune. Das Meiste, was in unserer Welt schiefläuft, haben Menschen zu verantworten, und kein Gott oder „höheres Wesen“. Das Wort „zeitgemäß“ ist darüber hinaus eins der missverstandensten Wörter, die ich kenne. Wenn christliche Werte wie Anstand, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit oder Hilfsbereitschaft nicht mehr wichtig sind, ist das nicht „nicht mehr zeitgemäß„, sondern schlicht und ergreifend traurig.

Was mir auch immer wieder auffällt, ist, dass die Menschen, die Weihnachten und Ostern ohne die religiöse Substanz dahinter feiern, nicht wirklich glücklicher dabei wirken: Man hört Klagen über diese schrecklichen Familientreffen, die ja eigentlich keiner will, wo man sich zusammenreißen muss und sowieso nur die falschen Geschenke gekauft hat. Weihnachten soll doch das Fest der Liebe sein – man findet Gelegenheit zusammen zu kommen und die Familie als Wert zu feiern- niemand hat gesagt, dass man da nicht auch mal streiten darf. Niemand hat gesagt, dass das Essen an diesem Tag perfekt sein muss. Das mit dem „nach eigener Fasson selig werden“ (s.o.) ist ohne Glaube, Liebe, Hoffnung natürlich schwierig.

IMG_3223Ich glaube, heute braucht man Eier in der Hose, um zuzugeben, dass man Ostern feiert, um die Auferstehung Jesu zu feiern. Natürlich auch mit Schokohasen (ich könnte mit unseren ein ganzes Dorf ernähren), bunten Ostereiern und Geschenken für die Kinder. Aber eben auch mit ganz viel Frieden und Dankbarkeit im Herzen. Alles kann, nichts muss, jeder darf. Lieben, lachen, Leben teilen.

Frohe Ostern!

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