…und immer, wenn sich der Lehrer zu uns herabbeugte, fiel ihm sein langes, glattes Haar über die Schultern. Das hat mich dazu inspiriert, Lehrerin zu werden.

Diese Erzählung einer früheren Bildungsministerin gab eine meiner Lieblingskolleginnen, Tamara, vor Jahren zum Besten. Sie fand diese Geschichte eher spooky und beunruhigend, aber jedem seine Inspirationsquelle.

Ich bin (unter anderem) Pädagogin geworden, weil meine Grundschullehrerin ein wunderschönes hellgraues Kleid mit roten Streifen hatte. Sowas wollte ich auch tragen, mit dem Zeigestock auf die Tafel weisen und schöne „a“s malen.

Ich will hier niemanden verstören oder ihm seine Illusionen nehmen, aber das Aussehen von Lehrern spielt doch eine große Rolle.

Wir Erwachsenen wissen von Fortbildungen, Satiresendungen oder ähnlichen Veranstaltungen doch sehr gut, dass wir uns lieber etwas von gepflegten, guraussehenden Menschen erzählen lassen als von grauen Mäusen im Strickpullover von Mutti. SchülerInnen sind nicht anders.

Oberflächlich und zutiefst verwerflich?

Nö.

Menschheitsentwicklung und die Entwicklung des Individuums zeigen in vielerlei Hinsicht Parallelen: So, wie wir noch im Mittelalter nach der Weisheit „Kleider machen Leute“ die Menschen danach beurteilt haben, was sie trugen, während wir heute wissen, wie sehr Uniformen, Talare, oder einfach nur ehrfurchtgebietende Kleidung täuschen kann, so beurteilen auch Kinder und Jugendliche Menschen danach, wie sie sich kleiden, während wir Erwachsenen wissen, dass eigentlich die inneren Werte zählen (auch wenn wir uns leider nicht immer daran halten). Junge Menschen (und wir alle) sind nämlich nicht einfach nur oberflächlich. Aber wenn man jung ist, sich seinen Platz im Leben noch suchen muss, noch keine besonderen Leistungen vorzuweisen hat, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als sich über Aussehen zu definieren. Das ist normal und nur dann gefährlich, wenn Jugendliche keine gesunde Basis von zuhause mitbehommen, die Gewissheit, dass man auch viel wert ist, wenn man nicht aussieht wie ein youtube-Star.

Sicher sollen Lehrer keine Models sein. Nicht einmal Sixpack oder Make-up sind Pflicht. Ich zum Beispiel sähe mit angeklebten Wimpern (Neu-sprech „Fake-Lashes“) vermutlich aus wie eine Fledermaus auf Speed. Aber ein angenehmes Äußeres erleichtert den Zugang zum a8C86B755-4800-490E-8110-93B675910755ngenehmen Inneren. Wir wollen junge Menschen bilden, erziehen, inspirieren. Natürlich muss der Inhalt jedes Geschenks stimmen, aber die Verpackung erhöht Neugier, Interesse und Spaß- wichtige Voraussetzungen für konstruktiven Unterricht. Und Keine Lehrperson kann mir erzählen, dass er / sie nicht auch lieber gepflegte, ordentlich angezogene Menschen unterrichtet als andere.

Ich weiß aus Erfahrung- wenn einen die Schüler denn mal in ihr Herz geschlossen haben, dann darf man auch mal mit ungewaschenen Haaren, der alten Cordhose oder vergessener Wimperntusche vor ihnen aufkreuzen.
Meiner Grundschullehrerin, die ich von Herzen liebte, habe ich auch ihren 84‘er Dauerwellenbubikopf verziehen.

Es war grausam.

Sehr grausam.

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