Der junge, etwas schlaksige Matt und sein Freund Günther, ein Hesse, gingen auf den Weihnachtsmarkt. Sie wollten ein bisschen Glühwein bechern, Gras schnupfen und den schönen Weihnachtsliedern lauschen. Sie waren in rührseliger Stimmung, denn Matt hatte nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Bühnenarbeiter in einem Kellertheater bekommen, und Gunther hatte doch tatsächlich im Lotto gewonnen. nicht viel, aber genug, um sich und seinem Kumpel einen netten Abend zu gönnen. „Alles singt, ist das nicht schön“, rief Matt, und Gunther fiel weniger schön, aber dafür laut mit ein in den Kinderchor, der „Friede den Menschen“ sang. „Jetzt haben wir das Go. Et het noch immer jot jegange!“, seufzte Matt glücklich. „Noch ein Bier, Mann?“ Das war nach dem Glühwein vielleicht nicht die beste Wahl, doch dem dürren Matt war das egal. „Oder willste erst nen Bratfisch haben? Nein wird nicht akzeptiert.“ Doch Günther zog seinen Kumpel mit auf den großen Marktplatz, wo in einer Stunde ein Feuerwerk stattfinden sollte. „Ich liebe das Geböll„, sagte er, „und wegen der ganzen Kindheitserinnerungen werden meine Augen feucht. Wange, rote Wange von den ganzen Tränen. Ich liebe  Weihnachten“, schmolz der Mann dahin. „Brecht mir hier nicht in Tränen aus!“, grölte eine tiefe Stimme. „Hein!“, erkannte Matt ihn sofort, „was machst du denn hier?!“ Hein war sein Nachbar. „Ich lauf rüber in die Büchnerei, besorg ein paar Romane für meine Frau, und für meine Mutter noch ne CD von Bach, Mann. Dann fahr ich rüber ins Eichendorf, frische Tannenzweige holen. Sie dekoriert doch jetzt. Bei uns zuhause ist mehr Weihnachten, als in jedem Bastelladen.“ Matt und Günther lachten. Hein fuhr fort: „Überall Kerzen und Kugeln, es blinkt und schillert wie in einem Spiegelsaal. Matt, wie gehts deinem Kleinen?“ Matt war vor wenigen Tagen Vater geworden und die Ärzte hatten sich ein wenig Sorgen um die Beschaffenheit des Kopfes gemacht. Nicht seines Kopfes, sondern dem des Babys. „Schreit er immer noch soviel? Sind die Fontanellen inzwischen zusammengewachsen?“ Doch alles war wieder in Ordnung. „Na denn“, rief Hein, „ich muss dann mal wieder. Kommt ihr heute Abend vorbei? Ich brauch Hilfe. Olga will nicht nur, dass ich die Kugeln aufhänge, ich muss sie vorher auch alle noch blitzblank putzen. ‚Willst du viel, dann spül mit Pril‘, kennt ihr den Spruch? Sauarbeit, kann ich euch sagen. Und was wir an Tüchern verbrauchen! Tuch für Tuch, Olsky, wie ich meine Olga gerne nenne, reine Verschwendung.“

Und damit verschwand Hein, weniger gut gelaunt als seine Kumpel, dafür aber mit einer ordentlichen Portion Grimm im Bauch, in der Menge.

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