Weshalb kommt es so oft zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern, obwohl wir doch alle dasselbe wollen:

  • Die Kinder sollen gern zur Schule gehen,
  • gerne lernen, sich weiterentwickeln und
  • einen Abschluss machen, der es ihnen ermöglicht, ihren Wunschberuf zu ergreifen.

Allerdings schauen wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Sache bzw. den jungen Menschen: Die Eltern haben (in dieser Klasse) nur ein einziges Kind, ihr Ein und Alles, dem sie die bestmöglichen „Klassenverhältnisse“ bieten wollen. Die LehrerInnen haben 25-35 Kinder da sitzen, die alle ihre Rechte haben, sodass der Einzelne durchaus mal zurückstecken muss. Willkommen im Leben.

Als Lehrerin habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sowohl Eltern als auch PädagogInnen oft mit großen Vorbehalten in den Elternsprechtag gehen: Die Einen befürchten, dass ihr Kind falsch einschätzt werden könnte, dass sie von der Schule Ärger bekommen, und sowieso jeder den Job besser machen würde als wir. Die Anderen rechnen mit übersteigerten Ansprüchen der Mütter oder Väter, die meinen, ihr Kind sei das einzig Vernünftige und Begabte in der Klasse, solle vorne in der Mitte sitzen und möglichst individuell und intensiv gefördert werden. Pädagogisch wertvoll immer perfekt auf die jeweilige Tageslaune des Sprösslings abgestimmt.

Nun, ich persönlich habe selten destruktive Elternsprechtage erlebt. (Aber es gibt sie, oh ja!) In den meisten Fällen wollen wir tatsächlich dasselbe, und nie wieder wurde mir so mulmig wie damals, als Jehovas Zeugen bei mir erschienen. Egal. Scherzhaft könnte man sagen:

Elternsprechtage sind wie Speeddating: Man sieht viele Menschen hintereinander für jeweils 10 Minuten und möchte einen Teil nochmal wiedersehen, den andern nicht.

Als Lehrerin mag ich Elternsprechtage, weil man die Schüler viel besser verstehen kann, wenn Eltern ein bisschen über sie erzählen. Oder weil man erkennt, wie die Eltern ticken. Wie soll Malte-Kevin-Benjamin Ordnung in seine Sachen bringen können, wenn selbst Mama das Zeugnis nicht findet, den Anmeldezettel für die Ag verlegt hat und sich den Namen der Klassenlehrerin nicht merken kann 😉 Die meisten Eltern sind immer sehr nett und dankbar für Informationen.
Doch jetzt bin ich selber Mutter eines Schulkindes, und mein Verständnis für diese Spezies steigt rasant: Auch in mir haust sie, diese innere Tigerin, die sich leise erhebt und knurrt, weil sie überall Gefahr für ihr Junges wittert.
Madames Klassenlehrerin ist jung und sehr nett. Sie erinnert mich sehr an mich vor 13 Jahren. Trotzdem verspüre ich diese Ängste: Darf mein Kind da sitzen, wo es sich wohlfühlt? Erkennt die Lehrerin, was für ein wunderbarer Mensch Madame ist, auch wenn sie gern mal quasselt und nicht die ordentlichste ist?

Was ist die Lösung? Ich halte es da mit Pippi Langstrumpf, die sagte:

Warte nicht drauf, dass die Menschen dich anlächeln, zeige ihnen, wie es geht!

Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern ist das Wichtigste, der Austausch über die eigIMG_0235enen Ansichten über die Entwicklung der jungen Menschen, garniert mit einem echten Lächeln der Wertschätzung und der Offenheit gegenüber den Anliegen des Anderen, denn wir wollen alle dasselbe: Dass die uns anvertrauten Menschen ihren Weg gehen werden.

Gut.

Es darf auch mal ein Tigerlächeln sein 😉

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