• An der Uni hatte ich zwei Freundinnen, nennen wir sie mal Bianca und Heidi. Sie waren sehr unterschiedlich, aber jede auf ihre Art sehr liebenswert. Heidi und Bianca allerdings konnten sich gegenseitig gar nicht leiden.
  • Im Lehrerzimmer wird ein und derselbe Schüler manchmal völlig unterschiedlich wahrgenommen – während die einen seine große Klappe „charmant“ finden und prima mit ihm auskommen, seufzen andere über seine provokante Haltung und dass er sich nichts sagen lasse.

Wer sind wir eigentlich? Machen uns nicht unser Charakter, unsere Werte, Entstellungen u.v.m. zu einer einzigartigen Persönlichkeit? Und wenn ja, weshalb wird diese von unseren Mitmenschen ganz unterschiedlich wahrgenommen? Weshalb kam ich mit Bianca prima aus, während Heidi, mit der ich sonst meist auf einer Wellenlänge lag, nichts mit Bianca anzufangen wusste?

IMG_2325Weshalb gehen wir auf die einen Menschen ganz anders zu als auf andere? Wehalb bin ich meinen Freunden, Schülern, Kollegen gegenüber die verständnisvollste, toleranteste Person, während mich ein falsches Wort meiner Mutter auf die Palme bringt?

Weshalb bringen die Einen meine besten Seiten zum Vorschein, während mich andere eher dazu animieren, sarkastisch zu werden?

Wer wären wir, wenn wir uns wie Grénouille aus dem „Parfum“ in die absolute Einsamkeit zurückzögen und nur mit uns und unseren Gedanken und Empfindungen allein wären? Wären wir dann immer noch jemand? Aber wer? Und wozu?

Für die einen sind wir Luft, für die anderen die Welt. Allein sind wir nichts. Alles, was wir zu sagen haben, braucht jemanden, der es hört. Alles, was wir empfinden, wollen wir mit jemandem teilen. Schmerz, Freude, Hass, Wut, Trauer, all das fühlen wir wegen anderer Menschen. Existieren können wir auch allein, doch strahlen, wirken, inspirieren, beeinflussen, können wir nur mit anderen und durch andere.

Deshalb ist der Lehrberuf auch etwas Besonderes und kann für jeden, der ihn ausübt, eine große Chance bedeuten. Wir begegnen jeden Tag den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und lernen uns dadurch selbst immer wieder neu kennen. Wenn wir möglichst viele verschiedene Charaktere mit unserem Unterricht erreichen wollen, müssen wir uns täglich neuen Herausforderungen stellen. Im Kommunizieren, Lehren, Erklären, Beschwichtigen, Loben, Kritisieren usw. wachsen wir dabei selbst, überwinden unsere Grenzen und entwickeln uns weiter.

Heute mal vor allem allen LehrerInnen, die das hier lesen, ein gutes 2019!

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