Die Note unter einer Arbeit sagt erstmal nichts über die Qualität des stattgefunden Unterrichts oder den Charakter der Unterrichteten aus, sondern gibt Auskunft über den Wissensstand des Schülers bzw. der Schülerin. Natürlich ist es immer gut, bei schlechten Noten zu reflektieren, wie es dazu kam, und diesbezügliche Misserfolge können sowohl an schülerischer Faulheit oder IgnoranzIMG_8176 als auch an pädagogischer und / oder fachlicher Inkompetenz des Lehrers liegen. Doch der Moment der Korrektur gilt einzig und allein der Überprüfung von Wissen.

Ein „mangelhaft“ unter einer Arbeit bedeutet nicht „ich bin dumm“ oder „ich kann nichts“, sondern „zum jetzigen Zeitpunkt ist mein Wissen bezüglich des besprochenen Themenbereichs mangelhaft“. Wichtig ist, was man aus dieser Information macht. Resignation ist sicher ebenso wenig nützlich wie die Drohung mit dem Anwalt. Wenn ich die Schuld an meiner schlechten Note auf den Lehrer oder das komplizierte Thema schiebe, nehme ich mir jede Chance, mich zu verbessern nach dem Motto „Bringt ja eh alles nichts.“ Ähnlich ist es mit der juristischen Drohung. Wenn ich davon ausgehe, dass eine Note einklagbar ist, lege ich die Verantwortung für meine Entwicklung in die Hände eines Anwalts statt in mein eigenes Hirn. Ich lerne nichts aus meinen Fehlern.

Natürlich gibt es auch schulische Gründe, einen Anwalt einzuschalten, doch das ist ein gesondertes Thema.

In der Korrektur ist es daher wichtig, sowohl die Talente und Erfolge herauszustellen, als auch unmissverständlich darzulegen, wo die individuellen Schwächen liegen. Demzufolge ist die (schlechte) Arbeit nicht das Ende einer erfolglosen Unterrichtsreihe und sollte verbrannt oder zumindest möglichst schnell verdrängt werden, sondern sie ist der Beginn meines restlichen Weges bis zum Abschluss. Sie ist eine Chance, die ich bekomme, es beim nächsten Mal besser zu machen. Deshalb sollte man sich die korrigierte Arbeit tatsächlich aufmerksam durchlesen, um aus seinen Fehlern zu lernen.

Eine Note be- und verurteilt mich nicht als Mensch. Sie zeigt mir lediglich, wo ich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Fach stehe. Ob sie mich anspornt oder enttäuscht, ob sie mich resignieren lässt oder mir Grund gibt, mich mehr anzustrengen, entscheide ich ganz allein.

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