Kategorie: Allgemein

Roadtrip

 Werbung, da Namensnennung.

Als Lehrer ist man ein Reisender.

IMG_1101Gut.

Nicht unbedingt ein Urlaubsreisender.

Aber man lernt ständig andere (Länder und) Menschen kennen, macht neue Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Charakteren, Temperamenten und Kulturen. Jedes Jahr gegen Ende August beginnt ein neuer Zyklus von 12 Monaten, innerhalb dessen man über die Zukunft von SchülerInnen mitentscheidet. Und so, wie es auf einer Reise auf die richtige Ausrüstung ankommt, kann auch im Lehrerberuf das richtige Material zur Motivation des Lehrers beitragen und dafür sorgen, dass man im Juli ankommt, wo man im August zuvor hinwollte

Wer kennt nicht die kleinen roten Zensurenbüchlein, deren purer Anblick schon „Prüfung!“, „Test!“ oder „durchgefallen!“ schreit… Ja, sie sind immer noch im Umlauf und werden rege genutzt.

Für mich (und auch viele meiner KollegInnen) ist sowas ja nichts. Nicht nur, weil ich mit Hanni und Nanni und Dolly aufgewachsen bin, die ihre Schulzeit in wunderschönen Burg-Internaten verbracht haben, bin ich ein großer Fan von einer schönen Lehr- und Lernumgebung. Ich würde viel lieber in einem Schloss mit hohen FensteIMG_2003rn unterrichten, als in unseren… modernen… Bunkern heutzutage. Das gilt auch für meine Materialien. Wer meine Artikel verfolgt, weiß, dass ich ein Schreibkramopfer bin. Will man mich für längere Zeit loswerden, braucht man mich nur in einem Schreibwaren- oder Bastelladen auszusetzen. Selbst das Korrigieren von Klausuren macht mit der Lieblingskaffeetasse, einem schön schreibenden Füller und einer bunten Notenliste mehr Spaß als ohne.

Deshalb bin ich nach langer Suche auf die „Happy Teaching Agendahttps://www.lehreragenda.de/ gestoßen. Abgesehen davon, dass sie ein guter Eisbrecher ist für Gespräche mit Schülern („Sie haben aber einen schönen Kalender“ „Happy teaching, oh, wie süß!“), sehen die Ordner eher nach einem bunten Katalog spritziger Ideen aus, als ein Unterrichtsplaner für den B3E081704-7415-4CC2-B029-F1215BC2049Beamten von (DinA4-) Format. Wenn man vor den leeren Seiten sitzt und die Aufkleber (die man neben vielen anderen schönen Sachen dazubestellen kann) daneben liegen hat, wünscht man sich nichts anderes, als sofort losplanen zu dürfen, Wohlfühlnoten einzutragen und sich den „THERE IS ALWAYS TIME FOR COFFEE“- Sticker überall hinzukleben.

Klingt dem ein oder anderen zu fröhlich oder oberflächlich?

Mag sein.

Schöne Materialien haben aber Vorteile:

  • Sie motivieren Lehrer auch in den vielen ernsten Stunden ihres Berufes.
  • Sie zeigen den Schülern: „Hey, ich hab Lust auf das Ganze hier.“
  •  Man kann sich ein bisschen Urlaubsreisenfeeling mit in den Unterricht nehmen…

Und wir alle wissen, dass man dann besonders gut in seinem Beruf ist, wenn man Freude daran hat 🙂

Ich wünsche allen Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und SchülerInnen einen guten Schulanfang. Und ganz besonders meiner kleinen Madame, für die in diesem August ebenfalls der Ernst des Lebens beginnt. Der hoffentlich „happy“ Ernst.

 

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(„TEATTERI“ heißt „Theater“ auf finnisch, und bedeutet, dass sie die Theatervorstellung „Aschenputtel“ toll fand. Es hat nichts damit zu tun, dass wir in den nächsten zehn bis dreizehn Jahren Theater in der Schule haben werden… Denke ich… ;-))

Ich bin für Aufnahmestopp (nein, es geht nicht um Flüchtlinge)

Im Moment kursiert gerade das Bild der „Instagram-Boyfriends“ durch die sozialen Netzwerke: An einem malerischen Sandstrand räkeln sich Mädels  im glitzerblauen Wasser, während jeweils der „boyfriend“ Fotos für Instagram schießt. Einer der Kommentare dazu lautete in etwa, dass die Menschen heute nur noch Filme machten statt Erfahrungen. Statt den Moment zu genießen, den Ort, das Gefühl des Urlaubs, der Freiheit, denkt man nur darüber nach, aus welchem Winkel die weibliche Silhouette am vorteilhaftesten rüber kommt.

Wer dieses Beispiel nun für übertrieben und fern vom Alltag hält, mag sich folgendes aus meinem Leben anhören:

Egal, ob ich mir eine Theatervorstellung meiner Tochter oder die Tanzveranstaltung ihrer Freundin anschaue: Wenn nicht gerade ausdrückliches Handyverbot herrscht, sitzt man als Zuschauer heutzutage in einem Lichtermeer aus hochgehaltenen Handys. Dabei ist man gezwungen, das Lichtermeer der Bildschirme zu genießen, weil man wegen der vielen Arme nicht mehr sieht, was auf der Bühne passiert. Jede Mama, jeder Papa will keine Sekunde verpassen.

Und verpasst dabei doch alles-

So auch bei der Abschiedstheatervorstellung meiner Tochter aus der Kita. Ich saß relativ weit vorne und konnte mich dennoch kaum auf die kleinen Elfen und Maulwürfe auf der Bühne konzentrieren, weil vor und neben mir fast alle Mütter ihre Handys hochhielten, um ihren Schatz aufzunehmen. Wohlgemerkt: Die komplette Vorstellung wurde von einer freundlichen Mama ohnehin kostenlos für alle Beteiligten mit einer Videokamera aus der ersten Reihe gefilmt und jedem zugänglich gemacht, es bestand also keine Notwendigkeit für „Eigenproduktionen“.

Was ist es, das uns der Kamera soviel Mitspracherecht in unserem Leben einräumen lässt? Die Angst, etwas zu verpassen? Den süßen Knicks unseres Engels nicht zu sehen, weil das dicke Mädchen davor ihn verdeckt?  Oder ist es der der Drang nach Selbstdarstellung, weil man später ja jedem das Video vom hochbegabten Sprössling schicken wird?

Was geht mich das an? Wieso regt mich das auf? Was will ich eigentlich?

Ganz einfach:

  • ich kenne das Problem von mir selbst. Ich liebe Fotoapps, und es gab mal eine Zeit, da hab ich mehr fotografiert als gegessen (schwer vorstellbar, ich weiß)
  • Das Problem ist nicht nur, dass wir unsre Mitmenschen nerven durch das Licht, unsere Arme und das ständige „Entschuldigung, ich muss mal eben kurz“-
  •  wir selbst verpassen das Leben. Die Intensität und das Besondere des Augenblicks

Glücklich machen uns die Erinnerungen, die wir im Herzen tragen, nicht die, die wir auf unserem kleinen Handybildschirm sehen. Wie oft schauen wir uns die Videos noch an, die wir gemacht haben?

Zum Schluss EE3EF4F3-A1E4-491B-A152-4827E03F1B7Czwei kurze Beispiele:

Ich kuschele mit meiner Tochter. Intensiv und mit allen Sinnen. Sehe ihr hübsches Gesicht (niedlich darf ich nicht mehr sagen, sie ist jetzt sechs), rieche ihr Haar, höre ihr Herz schlagen und spüre ihren warmen kleinen Körper. Wenn ich die Augen schließe, kann ich diesen Glücksmoment tief in mir spüren. Natürlich könnte ich dabei auch zum Handy greifen, ein Selfie von uns machen und jedem zeigen, wie verbunden wir beide sind. Welch tolles Mutter-Tochter-Gespann. So innig. So selfish. Der Zauber, die Echtheit wären verloren. Es wäre ein öffentlicher Moment, keiner zwischen Madame und mir.

Ich liebe das Meer und bin einmal im Jahr in Holland. Es existieren Dutzende von kleinen Filmchen, mit denen ich versucht habe, das Meer einzufangen, das Gefühl von Urlaub, Freiheit und Weite. Zuhause muss ich immer wiede0C6495D3-9B70-4B72-B6DF-471079F8F030r feststellen, dass nichts davon übrig bleibt, wenn ich mir die Videos anschaue. Es ist alles noch da, das Wasser, die Sonne, aber das Erleben kann mir der Bildschirm nicht zurückbringen. Deshalb genieße ich mittlerweile lieber jeden echten Moment am Strand ohne Kamera in der Hand. Stattdessen mit allen Sinnen. Ich spüre den Wind im Gesicht, die Wellen an den Füßen, rieche das Meer, sehe die Sonne am blauen Himmel und höre die Möwen und das Rauschen der Wellen.

Diese beiden Momente habe ich fest in meinem Herzen verschlossen, von wo aus ich sie jederzeit abrufen kann. In Full HD und Panorama.

Rise and Fall from the Sommerferien

…oder wie Lehrer die Sommerferien erleben

Woche 1

Man mag es noch nicht richtig glauben. Fast anderthalb Monate Ferien! Und zwar Ferien! Keine Korrekturen, keine Unterrichtsvorbereitung, jedenfalls noch nicht. Aber die richtige Entspannung lässt noch auf sich warten, zu nah sind noch die Zeugniskonferenzen, letzte Gespräche mit verzweifelten Schülern (komm ich in den E-Kurs?) und das Aufräumen des Schreibtischs. Und tief drin mahnt einen eine wohlbekannte Stimme, die ein oder andre Mail könnte noch eintreffen – weil man am Ende der Ferien noch eine Nachprüfung hat, weil es eine Beschwerde gibt oder weil doch endlich jemand herausgefunden hat, dass man jahrelang nur so getan hat, als sei man Lehrerin.

Woche 2

Erste Hoffnung macht sich breit, dass das alles doch kein Traum ist. Ja, wirklich Ferien! Die Euphorie nervt ein bisschen im Freundeskreis, weil man sich plötzlich mit allen verabreden will (während der Schulzeit hat man ja für Privatleben keine Zeit) und vergisst, dass nicht jeder Sommerferien hat.

Woche 3

Das Leben ist schön! Und endlich begreift man wieder, dass es ein Leben neben der Schule gibt. Ein Leben voller Möglichkeiten! Man könnte ein Sabbatjahr nehmen, nach Australien reisen, sich in Afrika zum König krönen lassen oder die längst fällige Biographie über die südostasiatische Krebsmuschel schreiben. Man könnte die Welt verändern!

Woche 4

Tiefenentspannt und immer noch fast die Hälfte der Ferien vor sich! Man geniesst die Freiheit, atmet Kreativität und fragt sich, weshalb noch keine Band auf die Idee gekommen ist, sich „die hotten Totten “ zu nennen. Man fühlt sich leicht und weiß, dass man im neuen Schuljahr grandiose Ideen haben wird, die den Unterricht revolutionieren werden. Doch bis dahin geht man erstmal Sommerkleider shoppen, die die zusätzlichen Pfunde kaschieren, die man sich durch wenig Bewegung und exzessives Eisesen erarbeitet hat.

Woche 5

Langsam schleicht sich die Gewissheit ins Bewusstsein, dass da irgendwas ist, was auf einen lauert… Der Job! Man räumt den Schreibtisch komplett aus und um, kritzelt sich irgendwelche Listen zusammen und überfliegt den ein oder anderen Lehrplan.

Woche 6

Wo ist die Zeit geblieben? Wie können fast anderthalb Monate so schnell verfliegen? Was hat man getan? Geschafft? Erreicht? Was hat man verändert? Trübsinnig schaut man auf den neuen Lehrerplaner, der dieses Jahr statt türkis hellgelb ist und redet sich ein, dass man sich freut. Dann geht man in ein Schreibwarengeschäft und klaubt bunte Postits, Stifte, neue Ordner und eine schicke Kaffeetasse zusammen. Das alles nimmt man dann in die ersten Konferenzen mit, die eine Woche vor Schulbeginn anfangen.

Während der Konferenz liest man die Nachricht von der Freundin, die einen auf einen Kaffee einladen will, weil sie auch endlich Urlaub hat. „Du hast ja noch ein paar Tage!“

Neeee….

Was ist eigentlich Korrekturstress?

Als Kind spielt man gerne Lehrer. Vor allem das rigorose Anstreichen von Fehlern mit blutroter Farbe macht Spaß.

Als Erwachsener ist das nicht mehr ganz so prickelnd.

Die Vorteile von Korrekturarbeit:

  • Sie ist zeitlich und örtlich flexibel. Solange man die Arbeiten in einer vertretbaren Zeitspanne zurückgibt und sie so korrigiert, dass sie nicht schmutzig werden, kann man sie auch am Strand, im Café oder im Fussballstadion korrigieren.

Die Nachteile von Korrekturarbeit:

  • Sie ist fürchterlich langweilig. Wenn man den Job schon ein paar Jahre macht, berichtigt man immer wieder die gleichen Fehler oder Unzulänglichkeiten: Kein Präsens in der Inhaltsangabe, das/dass falsch geschrieben, Nomen klein…
  • Entgegen einiger Gerüchte macht es Lehrern KEINEN Spaß, schlechte Noten zu verteilen. Es ist deprimierend.
  • Man muss sich immer wieder der Frage stellen, was einen eigentlich dazu befähigt (ausser der Bezirksregierung), die Leistung anderer Menschen wirklich gerecht und fair zu bewerten. Mit Hilfe von ein paar Ziffern, Minussen und Kreuzen.

Jetzt mag man glauben, die Nachteile überwiegen.

Deshalb hält sich bei vielen hartnäckig das Vorurteil, Lehrer mit vielen Korrekturen hätten ein schwierigeres Leben als diejenigen ohne.

Das stimmt aber nur zum Teil.

Natürlich habe ich mit meiner halben Stelle und nur einem Korrekturfach eher ein Wochenende ohne Korrekturstapel im Gegensatz zu meinem Kollegen XY, der mit Deutsch, Englisch, einer vollen Stelle und viel Oberstufe jedes Wochenende mehrere Stapel auf dem Tisch liegen hat. Und das ist schön. Also für mich.

Aber ich nehme auch gern mehr Korrekturen in kauf, wenn ich dafür nette Klassen unterrichten darf.

Der wirkliche Nervkiller sind nämlich nicht die Arbeiten (und es gibt ja zum Glück auch immer viele gute), sondern die Klassen, aus denen man nach 45 oder 90 Minuten heraus kommt und sich fühlt, als habe man einen ganzen Tag bei 30 Grad im Schatten Felsbrocken geschleppt. Die Treppe hoch.

Deshalb auch hier nochmal ein Hoch auf meine Klassen dieses Schuljahr, die ich alle abgeben muss:

Meine Abiturienten waren sowieso die besten (ich berichtete)

Meine Elfer (nicht zu verwechseln mit Elfen) waren auch super lieb. Ich weiss, dass die nullte Stunde euch traumatisiert hat, aber ihr habt es geschafft! Ich hoffe sehr, dass ich einige von euch nächstes Jahr im LK oder GK wiedersehe!

Meine Siebener sind mir besonders ans Herz gewachsen. Unser Start war nämlich alles andere als reibungslos. Aber aus euch ist so eine tolle Klassengemeinschaft geworden, dass es mir auch hier leid tut, dass ihr nächstes Jahr in E- und G-Kurse aufgeteilt werdet.

Ja, eure Klausuren / Arbeiten zu korrigieren war manchmal nervig, ihr wart es selten.

Schöne Ferien!

Drei Polizisten ohne Kontrabass

Unser Hund hat sich mittlerweile zum Liebling des Ortes gemausert. Alle finden ihn süß und knuffig, alle wollen ihn streicheln und die alte Socke genießt das. Neulich waren wir in der Welpenschule mit ihm. Alle um die zwölf Wochen alt, so wie er, aber nur halb so groß und unser Wolf dazwischen.

Heute waren wir in Hagen, Omi besuchen. Als wir Gassi gingen (also mit dem Hund, nicht mit Omi), standen da drei junge, Respekt gebietende Polizisten neben ihrem Auto. Wir wollten uns dezent vorbei schleichen, da hörte ich einen von ihnen sagen: „Was ist das denn?“

Da konnte ich mir eine Antwort natürlich nicht verkneifen und sprach: „DAS ist ein Bär in einem Hundekörper.“

Die drei Jungs lachten, einer kniete sich hin und rief „Nein, ist der süß!“, dann wurde mein Bär in Hundegestalt geknuddelt und gekuschelt. „Welche Rasse?“ „Mann, ist der weich“ und ähnliche Satzfetzen hielten meinen Leonberger, der eines Tages mehr auf die Waage bringen wird als ich (also DANN), nicht davon ab, sich wie der König von Hagen zu fühlen.

Abgesehen davon, dass ich eh ein großer Fan der Hagener Polizei bin (meine Mutter wohnt quasi über ihnen und sie passen gut auf sie auf), kann ich euch allen da draussen nur raten:

Falls ihr einen Überfall plant oder sonst was Illegales: Vergesst Pistolen, Giftgas, überhaupt alle Formen von Gewalt.

Lasst einen Leonberger-Welpen Schmiere stehen.

Kein Polizist kommt daran vorbei…

Sie haben’s geschafft!

Endlich, nach langer Zeit des Lernens, Zitterns oder auch Zitterns, weil man nicht gelernt hat, ist es endlich raus: Meine wilde 13 hat das Abitur.

Naja, nicht ganz. Eigentlich sind es nur zwölf, aber Nummer 13 geht es, glaube ich, auch ganz gut.

Lady Marian hats direkt gepackt, sogar Tom und Bibi mussten nicht frühzeitig aus dem Urlaub zurückfliegen. Diversen Fotos zufolge hat Tom vermutlich wirklich Beduinen Sand als Deko verkauft (siehe Artikel „Die wilde 13“) .

Paul hat Abitur. Der faule Sack hat zwar weit unter seinem Niveau gepokert, aber Hauptsache, er kann jetzt trommeln, trommeln, trommeln. Mama zündet vermutlich eine Kerze nach der anderen an und dankt dem Universum auf Knien, dass DAS THEMA jetzt durch ist.

Niklas musste tatsächlich in die Nachprüfung. Er hat zwar eines der besten Abis überhaupt, aber was will man machen, wenn die Aufgaben und die Prüfungen und das Leben und überhaupt.

Lili war tiefenentspannt wie immer. Sie war ja immer ne Gute, die Gute, aber die Abikausur hat nicht ganz Lilis Anforderungsprofil entsprochen. Und so ist sie auch durch die Nachprüfung sehr entspannt spaziert und hat sogar noch zwei Minuten vor Bekanntgabe der Noten „Das Paket“ von Sebastian Fitzek gelesen. An Lisa: Es geht um eine Psychiaterin, die seit einer Vergewaltigung durch den Psychopathen „der Friseur“ ihr Zuhause nicht mehr verlässt und eines Tages ein Paket annimmt für einen mysteriösen Nachbarn, den sie noch nie gesehen hat… Ich bin ein riesen Fan von Sebastian Fitzek und daher auch von Lili. Aber das war ich eigentlich vorher schon.

Maria ist ebenfalls durch, vermutlich hat sich keiner der Prüfer was anderes getraut. Wenn Marias portugiesisches Temperament einmal ausbricht, helfen keine Anwälte, keine Tabletten und auch kein Trainingslager. Wer stärker ist – Maria oder das Leben- werden wir beim Abitreffen in 50 Jahren sehen. Also ihr werdet das sehen. Wenn ich dann noch den Durchblick habe, so mit 92… huiiiii…

Lisa hat es ebenfalls geschafft. Mit einer 2 in Mathe. Eine Leistung, die ich niemals zustande gebracht hätte. Lisa ist die Beste! Maries Erleichterung nach bestandener Prüfung war so groß wie ihre hübschen Kulleraugen…

Kathi ist der Wahnsinn. Soviel Power muss man erstmal haben. Sie hatte locker genug Abipunkte beisammen, aber die Prüfungen waren dann nicht ihrs, und das Gezittere ging los. Drei Prüfungen auf der Liste, sie knickt nicht ein, sie gibt nicht auf, obwohl ihr Gesicht nur PANIK schreit. Du wirst es weit bringen im Leben, meine Liebe. Weiter als mancher Schnösel, der das Abi im Vorbeischlendern mitgenommen hat…

Max kommt uns auf der Abifeier besuchen, und Lucia ist auch mit Abi dabei, wenn wir nächste Woche den Abschied zelebrieren. Simone, eine der Besten der Stufe,musste tatsächlich in die Abweichprüfung, aber was kann man schon für Mathe…

So.

Und jetzt kommt das Leben.

Das Meiste ist wichtiger als Schule. Aber leider auch ernster und unbarmherziger. Lehrer lassen oft mit sich diskutieren, drücken zwei Augen zu oder geben noch die vierte Chance, wenn man ordentlich genug weint.

Professoren oder Chefs leider nicht.

Aber bei vielen von euch habe ich das Gefühl, dass ihr mit Power und Anstand Karrieren machen und Familien gründen, Projekte durchziehen und einfach glücklich werdet. Und das sind nicht immer die mit den besten Noten.

Wie war das? „Jahrgang 99 – nach uns kommen nur noch Nullen“?

Ich werde hoffentlich noch viele nette Jahrgangsstufen unterrichten dürfen, aber ihr bleibt immer die Ersten.

Ihr seid meine Babies.

Nach euch kommen nur noch Nullen.

Nur Pfeifen sind zu cool, um glücklich zu sein

A2A917E9-F7EF-41E8-B5E1-651F577CC184Einer der großen Vorteile des Lehrerseins ist die Arbeit mit Jugendlichen. Mit Menschen, die noch unverbraucht sind, die noch Träume und Werte haben, die gern über alles und jeden diskutieren und noch für das Leben brennen. Viele Erwachsene haben irgendwann etwas „Fertiges“ – sie scheinen mit dem Leben abgeschlossen zu haben, tun nur noch das Nötigste, haben festgefahrene Meinungen und wirken starr.

Dieses Lebendige, Unverfrorene hält uns am Leben, neugierig auf die Zukunft. Doch was ist, wenn man auf einen jungen Menschen trifft, der scheinbar auf das Leben gar keine Lust hat? Und ich rede jetzt nicht von wirklich ernsten Fällen, in denen ein 18-Jähriger keinen Abschluss, keine Ausbildung und keine Zukunftsperspektive hat. Nein, ich rede von hochtalentierten Menschen, die vor Begabungen nur so strotzen, redegewandt, humorvoll, intelligent und gewinnende Persönlichkeiten sind, aber keinen Bock haben, etwas aus sich zu machen, weil das so anstrengend ist. Die sich immer mit dem Einfachsten zufrieden geben, weil es am leichtesten zu bekommen ist.

Warum beschäftigen mich diese Leute (ich nenne sie im Text Pfeifen) so?

  • Es gibt viele hirnlose, inkompetente und uninspirierte Menschen, die ihren Angestellten / Kollegen / Mitmenschen das Leben zur Hölle machen. Die Welt braucht das Gegenteil sehr viel dringender.
  • Es gibt Menschen, die nicht sonderlich begabt sind und sich trotzdem jahrelang abstrampeln, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Auf deren Kosten machen sich Pfeifen ein schönes Leben.
  • Überhaupt leben Pfeifen in ihrer ganzen Herrlichkeit auf Kosten ihrer  Umwelt. Statt der Welt etwas von ihrer Stärke zu geben, von der alle (besonders sie selbst) profitieren können, saugen sie Energie durch ihre Arroganz, die Unlust, die negative Einstellung. Ja, Pfeifen können es sich leisten, aber trotzdem ist der Preis zu hoch. Heute pfeifen sie auf die Welt, aber eines Tages, wenn sie feststellen, dass das Leben plötzlich hinter ihnen liegt, und sie doch so viel daraus hätten machen können mit ein bisschen Anstrengung, müssen sie feststellen, dass mittlerweile andere diese Chancen ergriffen haben und die Welt inzwischen auf die Pfeifen pfeift.
  • Pfeifen verpfeifen die, die an sie glauben. Die, über die sie sich heute noch lustig machen. Die, die ihnen schon mehrfach den Hintern gerettet haben, sich für sie einsetzten, als andere sie schon aufgegeben haben.

DAS macht mich wütend. Weil Pfeifen die Schätze in sich einfach nicht sehen wollen oder können.

Denn das Glück, der Stolz, die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben stellen sich nicht ein, wenn man nur lange genug gefeiert und mit möglichst wenig möglichst viel Kohle gemacht hat. Dann gäbe es unter den Superreichen nur ausgeglichene, fröhliche, in sich ruhende  Menschen. Sondern, wenn man stolz auf sich sein kann, wenn man etwas geschafft hat, seinen eigenen kleinen persönlichen Traum verwirklicht hat, wenn man merkt, dass man von anderen gebraucht wird.

Bevor die Pfeifen also selbst zu den Pfeifen werden, über die sie sich so gerne aufregen, bevor die Welt auf die Pfeifen pfeift, sollten sie doch lieber die Friedenspfeife mit ihrem inneren Schweinehund rauchen.

Aus dem Stundenbuch einer Tatümama

IMG_0293Tatümama?
Was ist das jetzt schon wieder?

Ich.

Im Gegensatz zu dem heute sehr inflationär verwendeten Begriff der Helikoptermutter bezeichne ich mich eher als Tatümama: Madame darf ihr Leben durchaus selbst in die Hand und auf den Arm nehmen, sich dreckig machen, Abenteuer erleben und selbstständig werden, aber wenn sie Schmerzen hat – psychisch, weil ihr der doofe Hellmut aus der Kita (mehr Mut als hell) böse Wörter nachruft oder physisch, weil sie krank ist – dann wird aus der würdevollen, souveränen und absolut in sich ruhenden Tina Flynn eine Tatümama: Hektisch, hysterisch, hyperaktiv.

Beispiel folgt:

Karfreitag, 11.20:

Madame malt fröhlich Ostereier an. Sie hustet ein bisschen, ist aber sonst fit.

Karfreitag, 12.00:

Madame schlingt von hinten ihre Ärmchen um mich. Ich denke noch ‚hey, heute ist sie kuschelig warm‘, da höre ich sie schluchzen. Dann bricht es aus ihr hervor: „Mama, ich hab so Kopfschmerzen.“ Madame glüht, ich hole das Fieberthemometer.

Karfreitag, 12.20:

38.3, das ist – vor allem bei Kindern – nicht die Welt. Was mich allerdings alarmiert, ist, dass die sonst auch bei Erkältungen und ähnlichen Erkrankungen eher toughe Maus sich auf der Couch hin- und herwindet, bitterlich weint und schreit, ihr Kopf tue so weh. Sowas hat sie noch nie gemacht. Sie bekommt ein Zäpfchen gegen die Schmerzen. Mama ist nervös.

Karfreitag, 12.30:

Madame schreit und weint immer noch. Während Papa sie sanft beruhigt und ihre Stirn kühlt, überschlagen sich meine Gedanken. In letzter Zeit blinzelt sie ungewöhnlich viel. Hab für sie schon einen Termin beim Augenarzt geholt, doch der früheste war erst im Juni dieses Jahres zu haben. Meine Gedanken bleiben bei drei Schreckensszenerien stehen:

  1. Sie hat einen Hirntumor, der aufs Auge drückt
  2. Ihr ist ein Aneurysma im Kopf geplatzt
  3. Sie wird blind

Wie auch immer, wir packen die Sachen und fahren zum Notarzt (ist ja Karfreitag).

Karfreitag, 12.45:

Das Zäpfchen scheint zu wirken. Madame sitzt neben mir im Auto und fragt, wieviele Arten von Kopfschmerzen es denn auf der Welt gebe. Okay, das Aneurysma ist damit vermutlich raus.

Karfreitag, 12.55:

Wir sind an der Notarztpraxis angekommen. Madame verkündet freudestrahlend, dass sie keine Kopfschmerzen mehr habe und fragt mich, ob es denn dabei bleibe, dass wir am nächsten Tag bowlen gehen. ich hoffe inständig, dass der Arzt uns gleich nicht als völlig bescheuerte Helikoptereltern einstuft, weil wir mit einem lebensfrohen Kind dort auftauchen, das Fieber und Kopfschmerzen hat…te. Ihre Stirn fühlt sich angenehm kühl an.

Karfreitag, 13.00:

Der Arzt ist sehr nett. Er stellt freudestrahlend fest, dass Madame am selben Tag Geburtstag hat wie seine eigene Tochter, die allerdings doppelt so alt sei. Jetzt haben wir zwei Strahler im Raum, das Licht blendet mich. Immerhin stellt er fest, dass ihr Rachen stark gerötet… ja, okay, nur gerötet sei, und die Grippe halt grade umginge. Und dass Zäpfchen ja Wunder wirken… Ich liebe ihn.

Karfreitag, 14.40:

Sie schläft tief und fest. Der Arzt strahlt bestimmt immer noch über die gepfefferte Rechnung, die er mir schicken darf, weil er sich so nett mit unsIMG_0532 unterhalten konnte. Aber noch mehr strahlt die Helikopter– Tatümama, weil Maus keine Schmerzen mehr hat und sich jetzt hoffentlich gesundschläft. Schließlich will sie bowlen

Alles muss raus!!!!! Der Ausverkauf des Ausrufezeichens

Wenn mein Lieblingskindergarten Aushänge macht, bekomme ich immer sofort ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, ich hätte was Wichtiges vergessen:

Bitte Essensgeld bezahlen!!!!!

oder

Für das Schlittschuhlaufen Fahrradhelme nicht vergessen!!!!!!

Dabei sind diese Ansagen immer sehr freundlich gemeint, doch die vielen Ausrufezeichen vermitteln den Eindruck, es handle sich eher um Befehle und nicht um Bitten oder Infos.

Das Ausrufezeichen an sich ist dazu da, um zu verdeutlichen, dass eine Aussage “gerufen” wird, laut gemeint ist bzw besonders wichtig. Da genügt ein Zeichen völlig. Man verwendet ja auch nicht unzählige Doppelpunkte oder Kommata, um Sätze zu trennen::::: Das sähe ganz schön doof aus,,,,,,,,, und es würde keinen Sinn machen.

Das ist meiner Freundin Nina (Name geändert) aber völlig egal. Sie ist Russin, lacht laut, redet laut und schimpft laut. Zumindest schriftlich:

Danke, uns geht es gut! Wir fahren heute zur Oma! Schönen Tag dir!!!

Ich will dann immer „Jawohl!“ schreien und die Hacken zusammenschlagen. So, wie bei meinem Kollegen, der neulich eine email an uns schrieb und zusätzlich zu seinen Ausrufezeichen auch noch dazu überging, alles groß zu schreiben, man fühlt sich wie ein beschimpftes, angeschrienes Kind:

Ich brauche die Unterlagen bis MORGEN!!! Ich weiß, ihr habt alle viel zu tun, aber die Fristen MÜSSEN EINGEHALTEN WERDEN!!!!!

Er ist übrigens ein sehr netter und umgänglicher Kollege, mündlich eher ein semikolonisierter Gedankenstrich als ein Ausrufezeichen.

Lustig wird es immer mit meiner Mutter, wenn sie Whatsapps schreibt und auf der Großschreibtaste hängengeblieben ist:

Hallo, meine Kleine, wie geht es DIR? ICH BIN HEUTE NICHT DA, ALSO RUF NICHT AN!!! MACHS GUT!!!!

Ja,,,,,,,, entschuldigung………… NATÜRLICH!!!!!