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Drei Polizisten ohne Kontrabass

Unser Hund hat sich mittlerweile zum Liebling des Ortes gemausert. Alle finden ihn süß und knuffig, alle wollen ihn streicheln und die alte Socke genießt das. Neulich waren wir in der Welpenschule mit ihm. Alle um die zwölf Wochen alt, so wie er, aber nur halb so groß und unser Wolf dazwischen.

Heute waren wir in Hagen, Omi besuchen. Als wir Gassi gingen (also mit dem Hund, nicht mit Omi), standen da drei junge, Respekt gebietende Polizisten neben ihrem Auto. Wir wollten uns dezent vorbei schleichen, da hörte ich einen von ihnen sagen: „Was ist das denn?“

Da konnte ich mir eine Antwort natürlich nicht verkneifen und sprach: „DAS ist ein Bär in einem Hundekörper.“

Die drei Jungs lachten, einer kniete sich hin und rief „Nein, ist der süß!“, dann wurde mein Bär in Hundegestalt geknuddelt und gekuschelt. „Welche Rasse?“ „Mann, ist der weich“ und ähnliche Satzfetzen hielten meinen Leonberger, der eines Tages mehr auf die Waage bringen wird als ich (also DANN), nicht davon ab, sich wie der König von Hagen zu fühlen.

Abgesehen davon, dass ich eh ein großer Fan der Hagener Polizei bin (meine Mutter wohnt quasi über ihnen und sie passen gut auf sie auf), kann ich euch allen da draussen nur raten:

Falls ihr einen Überfall plant oder sonst was Illegales: Vergesst Pistolen, Giftgas, überhaupt alle Formen von Gewalt.

Lasst einen Leonberger-Welpen Schmiere stehen.

Kein Polizist kommt daran vorbei…

Sie haben’s geschafft!

Endlich, nach langer Zeit des Lernens, Zitterns oder auch Zitterns, weil man nicht gelernt hat, ist es endlich raus: Meine wilde 13 hat das Abitur.

Naja, nicht ganz. Eigentlich sind es nur zwölf, aber Nummer 13 geht es, glaube ich, auch ganz gut.

Lady Marian hats direkt gepackt, sogar Tom und Bibi mussten nicht frühzeitig aus dem Urlaub zurückfliegen. Diversen Fotos zufolge hat Tom vermutlich wirklich Beduinen Sand als Deko verkauft (siehe Artikel „Die wilde 13“) .

Paul hat Abitur. Der faule Sack hat zwar weit unter seinem Niveau gepokert, aber Hauptsache, er kann jetzt trommeln, trommeln, trommeln. Mama zündet vermutlich eine Kerze nach der anderen an und dankt dem Universum auf Knien, dass DAS THEMA jetzt durch ist.

Niklas musste tatsächlich in die Nachprüfung. Er hat zwar eines der besten Abis überhaupt, aber was will man machen, wenn die Aufgaben und die Prüfungen und das Leben und überhaupt.

Lili war tiefenentspannt wie immer. Sie war ja immer ne Gute, die Gute, aber die Abikausur hat nicht ganz Lilis Anforderungsprofil entsprochen. Und so ist sie auch durch die Nachprüfung sehr entspannt spaziert und hat sogar noch zwei Minuten vor Bekanntgabe der Noten „Das Paket“ von Sebastian Fitzek gelesen. An Lisa: Es geht um eine Psychiaterin, die seit einer Vergewaltigung durch den Psychopathen „der Friseur“ ihr Zuhause nicht mehr verlässt und eines Tages ein Paket annimmt für einen mysteriösen Nachbarn, den sie noch nie gesehen hat… Ich bin ein riesen Fan von Sebastian Fitzek und daher auch von Lili. Aber das war ich eigentlich vorher schon.

Maria ist ebenfalls durch, vermutlich hat sich keiner der Prüfer was anderes getraut. Wenn Marias portugiesisches Temperament einmal ausbricht, helfen keine Anwälte, keine Tabletten und auch kein Trainingslager. Wer stärker ist – Maria oder das Leben- werden wir beim Abitreffen in 50 Jahren sehen. Also ihr werdet das sehen. Wenn ich dann noch den Durchblick habe, so mit 92… huiiiii…

Lisa hat es ebenfalls geschafft. Mit einer 2 in Mathe. Eine Leistung, die ich niemals zustande gebracht hätte. Lisa ist die Beste! Maries Erleichterung nach bestandener Prüfung war so groß wie ihre hübschen Kulleraugen…

Kathi ist der Wahnsinn. Soviel Power muss man erstmal haben. Sie hatte locker genug Abipunkte beisammen, aber die Prüfungen waren dann nicht ihrs, und das Gezittere ging los. Drei Prüfungen auf der Liste, sie knickt nicht ein, sie gibt nicht auf, obwohl ihr Gesicht nur PANIK schreit. Du wirst es weit bringen im Leben, meine Liebe. Weiter als mancher Schnösel, der das Abi im Vorbeischlendern mitgenommen hat…

Max kommt uns auf der Abifeier besuchen, und Lucia ist auch mit Abi dabei, wenn wir nächste Woche den Abschied zelebrieren. Simone, eine der Besten der Stufe,musste tatsächlich in die Abweichprüfung, aber was kann man schon für Mathe…

So.

Und jetzt kommt das Leben.

Das Meiste ist wichtiger als Schule. Aber leider auch ernster und unbarmherziger. Lehrer lassen oft mit sich diskutieren, drücken zwei Augen zu oder geben noch die vierte Chance, wenn man ordentlich genug weint.

Professoren oder Chefs leider nicht.

Aber bei vielen von euch habe ich das Gefühl, dass ihr mit Power und Anstand Karrieren machen und Familien gründen, Projekte durchziehen und einfach glücklich werdet. Und das sind nicht immer die mit den besten Noten.

Wie war das? „Jahrgang 99 – nach uns kommen nur noch Nullen“?

Ich werde hoffentlich noch viele nette Jahrgangsstufen unterrichten dürfen, aber ihr bleibt immer die Ersten.

Ihr seid meine Babies.

Nach euch kommen nur noch Nullen.

Nur Pfeifen sind zu cool, um glücklich zu sein

A2A917E9-F7EF-41E8-B5E1-651F577CC184Einer der großen Vorteile des Lehrerseins ist die Arbeit mit Jugendlichen. Mit Menschen, die noch unverbraucht sind, die noch Träume und Werte haben, die gern über alles und jeden diskutieren und noch für das Leben brennen. Viele Erwachsene haben irgendwann etwas „Fertiges“ – sie scheinen mit dem Leben abgeschlossen zu haben, tun nur noch das Nötigste, haben festgefahrene Meinungen und wirken starr.

Dieses Lebendige, Unverfrorene hält uns am Leben, neugierig auf die Zukunft. Doch was ist, wenn man auf einen jungen Menschen trifft, der scheinbar auf das Leben gar keine Lust hat? Und ich rede jetzt nicht von wirklich ernsten Fällen, in denen ein 18-Jähriger keinen Abschluss, keine Ausbildung und keine Zukunftsperspektive hat. Nein, ich rede von hochtalentierten Menschen, die vor Begabungen nur so strotzen, redegewandt, humorvoll, intelligent und gewinnende Persönlichkeiten sind, aber keinen Bock haben, etwas aus sich zu machen, weil das so anstrengend ist. Die sich immer mit dem Einfachsten zufrieden geben, weil es am leichtesten zu bekommen ist.

Warum beschäftigen mich diese Leute (ich nenne sie im Text Pfeifen) so?

  • Es gibt viele hirnlose, inkompetente und uninspirierte Menschen, die ihren Angestellten / Kollegen / Mitmenschen das Leben zur Hölle machen. Die Welt braucht das Gegenteil sehr viel dringender.
  • Es gibt Menschen, die nicht sonderlich begabt sind und sich trotzdem jahrelang abstrampeln, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Auf deren Kosten machen sich Pfeifen ein schönes Leben.
  • Überhaupt leben Pfeifen in ihrer ganzen Herrlichkeit auf Kosten ihrer  Umwelt. Statt der Welt etwas von ihrer Stärke zu geben, von der alle (besonders sie selbst) profitieren können, saugen sie Energie durch ihre Arroganz, die Unlust, die negative Einstellung. Ja, Pfeifen können es sich leisten, aber trotzdem ist der Preis zu hoch. Heute pfeifen sie auf die Welt, aber eines Tages, wenn sie feststellen, dass das Leben plötzlich hinter ihnen liegt, und sie doch so viel daraus hätten machen können mit ein bisschen Anstrengung, müssen sie feststellen, dass mittlerweile andere diese Chancen ergriffen haben und die Welt inzwischen auf die Pfeifen pfeift.
  • Pfeifen verpfeifen die, die an sie glauben. Die, über die sie sich heute noch lustig machen. Die, die ihnen schon mehrfach den Hintern gerettet haben, sich für sie einsetzten, als andere sie schon aufgegeben haben.

DAS macht mich wütend. Weil Pfeifen die Schätze in sich einfach nicht sehen wollen oder können.

Denn das Glück, der Stolz, die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben stellen sich nicht ein, wenn man nur lange genug gefeiert und mit möglichst wenig möglichst viel Kohle gemacht hat. Dann gäbe es unter den Superreichen nur ausgeglichene, fröhliche, in sich ruhende  Menschen. Sondern, wenn man stolz auf sich sein kann, wenn man etwas geschafft hat, seinen eigenen kleinen persönlichen Traum verwirklicht hat, wenn man merkt, dass man von anderen gebraucht wird.

Bevor die Pfeifen also selbst zu den Pfeifen werden, über die sie sich so gerne aufregen, bevor die Welt auf die Pfeifen pfeift, sollten sie doch lieber die Friedenspfeife mit ihrem inneren Schweinehund rauchen.

Aus dem Stundenbuch einer Tatümama

IMG_0293Tatümama?
Was ist das jetzt schon wieder?

Ich.

Im Gegensatz zu dem heute sehr inflationär verwendeten Begriff der Helikoptermutter bezeichne ich mich eher als Tatümama: Madame darf ihr Leben durchaus selbst in die Hand und auf den Arm nehmen, sich dreckig machen, Abenteuer erleben und selbstständig werden, aber wenn sie Schmerzen hat – psychisch, weil ihr der doofe Hellmut aus der Kita (mehr Mut als hell) böse Wörter nachruft oder physisch, weil sie krank ist – dann wird aus der würdevollen, souveränen und absolut in sich ruhenden Tina Flynn eine Tatümama: Hektisch, hysterisch, hyperaktiv.

Beispiel folgt:

Karfreitag, 11.20:

Madame malt fröhlich Ostereier an. Sie hustet ein bisschen, ist aber sonst fit.

Karfreitag, 12.00:

Madame schlingt von hinten ihre Ärmchen um mich. Ich denke noch ‚hey, heute ist sie kuschelig warm‘, da höre ich sie schluchzen. Dann bricht es aus ihr hervor: „Mama, ich hab so Kopfschmerzen.“ Madame glüht, ich hole das Fieberthemometer.

Karfreitag, 12.20:

38.3, das ist – vor allem bei Kindern – nicht die Welt. Was mich allerdings alarmiert, ist, dass die sonst auch bei Erkältungen und ähnlichen Erkrankungen eher toughe Maus sich auf der Couch hin- und herwindet, bitterlich weint und schreit, ihr Kopf tue so weh. Sowas hat sie noch nie gemacht. Sie bekommt ein Zäpfchen gegen die Schmerzen. Mama ist nervös.

Karfreitag, 12.30:

Madame schreit und weint immer noch. Während Papa sie sanft beruhigt und ihre Stirn kühlt, überschlagen sich meine Gedanken. In letzter Zeit blinzelt sie ungewöhnlich viel. Hab für sie schon einen Termin beim Augenarzt geholt, doch der früheste war erst im Juni dieses Jahres zu haben. Meine Gedanken bleiben bei drei Schreckensszenerien stehen:

  1. Sie hat einen Hirntumor, der aufs Auge drückt
  2. Ihr ist ein Aneurysma im Kopf geplatzt
  3. Sie wird blind

Wie auch immer, wir packen die Sachen und fahren zum Notarzt (ist ja Karfreitag).

Karfreitag, 12.45:

Das Zäpfchen scheint zu wirken. Madame sitzt neben mir im Auto und fragt, wieviele Arten von Kopfschmerzen es denn auf der Welt gebe. Okay, das Aneurysma ist damit vermutlich raus.

Karfreitag, 12.55:

Wir sind an der Notarztpraxis angekommen. Madame verkündet freudestrahlend, dass sie keine Kopfschmerzen mehr habe und fragt mich, ob es denn dabei bleibe, dass wir am nächsten Tag bowlen gehen. ich hoffe inständig, dass der Arzt uns gleich nicht als völlig bescheuerte Helikoptereltern einstuft, weil wir mit einem lebensfrohen Kind dort auftauchen, das Fieber und Kopfschmerzen hat…te. Ihre Stirn fühlt sich angenehm kühl an.

Karfreitag, 13.00:

Der Arzt ist sehr nett. Er stellt freudestrahlend fest, dass Madame am selben Tag Geburtstag hat wie seine eigene Tochter, die allerdings doppelt so alt sei. Jetzt haben wir zwei Strahler im Raum, das Licht blendet mich. Immerhin stellt er fest, dass ihr Rachen stark gerötet… ja, okay, nur gerötet sei, und die Grippe halt grade umginge. Und dass Zäpfchen ja Wunder wirken… Ich liebe ihn.

Karfreitag, 14.40:

Sie schläft tief und fest. Der Arzt strahlt bestimmt immer noch über die gepfefferte Rechnung, die er mir schicken darf, weil er sich so nett mit unsIMG_0532 unterhalten konnte. Aber noch mehr strahlt die Helikopter– Tatümama, weil Maus keine Schmerzen mehr hat und sich jetzt hoffentlich gesundschläft. Schließlich will sie bowlen

Alles muss raus!!!!! Der Ausverkauf des Ausrufezeichens

Wenn mein Lieblingskindergarten Aushänge macht, bekomme ich immer sofort ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, ich hätte was Wichtiges vergessen:

Bitte Essensgeld bezahlen!!!!!

oder

Für das Schlittschuhlaufen Fahrradhelme nicht vergessen!!!!!!

Dabei sind diese Ansagen immer sehr freundlich gemeint, doch die vielen Ausrufezeichen vermitteln den Eindruck, es handle sich eher um Befehle und nicht um Bitten oder Infos.

Das Ausrufezeichen an sich ist dazu da, um zu verdeutlichen, dass eine Aussage “gerufen” wird, laut gemeint ist bzw besonders wichtig. Da genügt ein Zeichen völlig. Man verwendet ja auch nicht unzählige Doppelpunkte oder Kommata, um Sätze zu trennen::::: Das sähe ganz schön doof aus,,,,,,,,, und es würde keinen Sinn machen.

Das ist meiner Freundin Nina (Name geändert) aber völlig egal. Sie ist Russin, lacht laut, redet laut und schimpft laut. Zumindest schriftlich:

Danke, uns geht es gut! Wir fahren heute zur Oma! Schönen Tag dir!!!

Ich will dann immer „Jawohl!“ schreien und die Hacken zusammenschlagen. So, wie bei meinem Kollegen, der neulich eine email an uns schrieb und zusätzlich zu seinen Ausrufezeichen auch noch dazu überging, alles groß zu schreiben, man fühlt sich wie ein beschimpftes, angeschrienes Kind:

Ich brauche die Unterlagen bis MORGEN!!! Ich weiß, ihr habt alle viel zu tun, aber die Fristen MÜSSEN EINGEHALTEN WERDEN!!!!!

Er ist übrigens ein sehr netter und umgänglicher Kollege, mündlich eher ein semikolonisierter Gedankenstrich als ein Ausrufezeichen.

Lustig wird es immer mit meiner Mutter, wenn sie Whatsapps schreibt und auf der Großschreibtaste hängengeblieben ist:

Hallo, meine Kleine, wie geht es DIR? ICH BIN HEUTE NICHT DA, ALSO RUF NICHT AN!!! MACHS GUT!!!!

Ja,,,,,,,, entschuldigung………… NATÜRLICH!!!!!

Alles falsch!

Wenn ich groß bin, werd ich Lehrerin!

Diesen Berufswuns2B75FDF0-3474-4616-90C7-8486D68930AEch hatte ich im Grundschulalter. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie gern ich meiner Mutter Rechtschreibübungen diktiert habe und ihr befahl, möglichst viele Fehler einzubauen, damit mein Rotstift ordentlich
zum Einsatz käme. Ich habe es geliebt, die Fehler anzustreichen, eine schlechte Note drunter zu schreiben und laut seufzend meine Unterschrift hinzukritzeln. Ja! Das wollte ich beruflich machen!

Im Moment korrigiere ich Vorabiklausuren. Und gestern ist mir mal wieder in den Sinn gekommen, wie sehr ich korrigieren hasse. Ich mag das Kreative und Soziale an meinem Beruf, mit Schülern diskutieren, Vorträge halten, coachen, Unterricht vorbereiten, Arbeitsblätter malen… aber korrigieren?

Ih bäh.

Was ist passiert seit damals, als mir nichts erstrebenswerter schein, als eine mächtige, allwissende mit Rotstift bewaffnete Lehrerin zu werden?

Ich glaube, es sind folgende Punkte:

  • Angst vor schlechten Noten. Was tue ich, wenn einer seine Arbeit versemmelt hat? Flippt er dann aus? Bringt sich um? Bekommt Ärger zuhause? Bekomme ich Ärger von Eltern, die ihren hochbegabten Sprössling für völlig falsch eingeschätzt und mich für inkompetent halten? Bin ich inkompetent? War mein Unterricht schlecht?
  • Langeweile. Wenn man 20mal dieselben Gedanken zum selben Thema gelesen hat, 15mal „vieleicht“, „Apell“ oder „interresieren“ unterstrichen hat, hat man einfach keine Lust mehr auf „kreative Orthografie“
  • Frust, weil man jahrelang immer wieder dieselben Fehler bei denselben Leuten feststellt und sich fragt, warum man so einfache Dinge nicht lernen kann.
  • Der Gedanke, dass man sich die ganzen Arbeiten und Klausuren auch sparen könnte. Meist weiß ich eh vorher, wer welche Note schreibt. Die Guten, Fleißigen eine 1, die Guten oder Fleißigen eine 2, der Durchschnitt eine 3, die Faulen mit ein bisschen Hirn und die Doofen mit ein bisschen Fleiß eine 4, und die Doofen und Faulen eine 5. Ich rede hier natürlich nicht von denjenigen mit privaten und schulischen Problemen, deren schlechte Leistungen eher psychische Gründe haben.

Nur manchmal, da gibt es dann doch ein Highlight. Wenn plötzlich ein eher schlechter Schüler eine gute Note schreibt. Einfach, weil das gerade total sein Thema ist, weil seine Eltern sich endlich wieder vertragen, oder weil die neue Nachhilfe super ist.

Neulich bei Malte-Kevin-Benjamin (Name geändert): Eher muffigen Geblüts und im Vollbesitz seiner pubertären Antihaltung bisher ein 4er-Kandidat. Plötzlich kommen viele Dinge zusammen: Er bekommt einen neuen Lehrer (ja, mich, ich geb’s zu), hat Spaß am aktuellen Thema und vermutlich haben plötzlich Neuronen in seinem Hirn zueinander gefunden, die vorher hilflos umher geirrt sind. Jedenfalls hat er eine wohlverdiente 1 geschrieben, die definitiv nichts mit Abschreiben zu tun hatte. Über solche Erfolge freue ich mich ja kringelig. Und werde gemein. Hab ihm gesagt, seine Arbeit (1) sei knapp an einer 2 vorbeigeschrappt. Er meinte noch „ist doch super!“, aber als er dann sein „sehr gut“ sah, hüpfte er vom Stuhl, brüllte dreimal laut „JA!“ und hatte vor Stolz rote Ohren. Soviel zur pubertären Gleichgültigkeit.

Für solche Momente lohnt sich das Korrigieren und ich werde wieder zum Kind, auch wenn ich heute lieber sehr gut als mangelhaft schreibe…

Literaturquiz-wer kann’s noch?

LiteratuIMG_5715rquiz- wer kann’s noch? Mehrfachnennungen sind manchmal möglich.

 

 

 

Vormärz war

  • A) vor der Märzrevolution
  • B) im Februar

 

Poetischer Realismus bedeutet

  • A) das Glas ist halbvoll
  • B) das Glas ist nahezu fast voll
  • C) wer hat von meinem Wein getrunken???!!!

 

Faust war ein

  • A) Loser
  • B) Fauler
  • C) Streber

 

Woyzeck hatte ein

  • A) Rad ab
  • B) Jäckchen an
  • C) Messer dabei

 

Woyzeck war am Schluss des Dramas

  • A) tabulos
  • B) schuldlos
  • C) Marie los

 

Inhaltsangaben schreibt man im

  • A) Bus
  • B) Präsens
  • C) Vollrausch

 

Dem Artzt schreibt man

  • A) Briefe
  • B) den Artzt
  • C) der Arzt

 

Ein Euphemismus ist

  • A) eine Beschönigung
  • B) ein anderes Wort für Lehrer
  • C) eine Muskelzerrung

 

Beispiele für Stilmittel sind

  • A) Besen und Wischmop
  • B) Klimax und Alliteration
  • C) Fläschchen und Brust

 

Der Schüler würde Hausaufgaben machen, wenn man ihn ließe ist

  • A) eine Aussage im Konjunktiv
  • B) eine hyperbolisch-metaphorische Anapher
  • C) eine völlig unglaubwürdige Aussage

 

Nur mit den Buchstaben von kann man aus Konjunkti

  • A) sowohl ein Bindewort als auch eine Verbform basteln
  • B) Sangria ohne Strohhalm schlürfen

 

Ich hab keine schlechte Laune

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Haben Sie heute gute oder schlechte Laune?

werde ich gern von meinen Fastabernochnichtsoganzabiturienten gefragt. Vorzugsweise von denen, die vorhaben, sich zumindest dezent danebenzubenehmen und mal antesten wollen, ob die Luft rein ist.

Ich habe tatsächlich meistens gute Laune. Es sei denn,

  • ich hab Hunger
  • es ist vor 09.00 Uhr
  • mein Kind ist krank

Da mein Lieblingskurs, ach, was sag ich, meine Lieblingsstufe so schnucklig ist, bekomme ich meistens trotzdem spätestens dann gute Laune, wenn ich sie unterrichte. Weil es einfach nett ist, Spaß macht, und sie zuhören oder zumindest täuschend echt Zuhören andeuten können.

Manche – mag es Klischee sein oder nicht, meistens die Jungs – verstehen aber nicht, dass der Ursache-Wirkung-Kreis in beide Richtungen funktioniert, beziehungsweise, dass das Verhalten von Schülern natürlich auch auf den Lehrer wirkt. Wenn ich eine tolle Stunde vorbereitet habe (kommt vor), oder mal mit einem schwierigen Thema um die Ecke komme, bei dem man halt mal den Kopf anstrengen muss, und dann folgendes passiert:

  • die Lebensfreude Einzelner äußert sich durch ständige Zwischenrufe
  • es wird „heimlich“ aufs Handy geguckt, obwohl das verboten ist
  • jeder Kommentar wird genutzt, um weiter vom Unterrichtsthema abzulenken
  • statt die Sache ernst zu nehmen und sich zumindest versuchsweise drauf einzulassen, wird gequatscht und statt möglichst guter Antworten gibt man sich mit „witzigen“ Ratespielchen zufrieden

Dann werde ich deutlich, auch im Sinne der SchülerInnen (und davon gibt es einige), die durchaus Lust haben, was dazuzulernen. Wenn mir das dann als schlechte Laune ausgelegt wird, passiert folgendes:

Ihr übernehmt keine Verantwortung für euer Verhalten und sucht die Ursache für die Wirkung bei der Wirkung

C56D0CAA-146F-4312-B7CC-F4CFE30F0AC5Es ist nicht fair, wenn man den Bogen überspannt und dann die Saite, die einem ins Gesicht springt, für seine Schmerzen verantwortlich macht.

Märchen für Erwachsene (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm)

Du glaubst, alles über Märchen zu wissen?

Ha.

Drei Dinge dürften dir neu sein:

  1. Die meisten der bekannten Märchenfiguren gab es wirklich. So in echt. Ohne den ganzen magischen Firlefanz.
  2. Die Gebrüder Grimm haben uns ordentlich an der Nase herumgeführt, allerdings aus den besten Absichten heraus.
  3. Die Schlussfloskel „…und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ überdeckt unzählige erschütternde Geschichten, die so niemals hätten überliefert werden sollen.

Nicht nur deshalb, sondern auch auf Grund der jahrhundertealten mündlichen Überlieferung werfen sie mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben:

  • Weshalb hat Aschenputtels Vater das Mädchen nicht vor seiner Stiefmutter in Schutz genommen?
  • Was kann Dornröschen für den Hochmut ihres Vaters, und inwiefern ist der 100jährige Schlaf überhaupt eine Strafe, wenn ihn doch eh alle mitschlafen?
  • Woher kommen diese merkwürdigen Prinzen, die immer gerade dann rechtzeitig erscheinen, wenn es ein Mädchen zu retten gilt?

Der Roman „Rapunzels Töchter“ deckt die wahren Schicksale hinter den so harmlos anmutenden Geschichten auf: Den Plan einer zornigen 13. Fee, die schrecklichen Konsequenzen des 100jährigen Schlafes, Rapunzels Angst um ihre Kinder und Dornröschens Wut auf ihre Mutter.

Apfel_finalEs gibt Märchen für Kinder und Fantasy (vorzugsweise mit erotisch unterversorgten Vampiren oder supermächtigen Dämonen) für Erwachsene, aber was ist mit Märchen für Erwachsene?

Im Zeitalter der vieldiskutierten sogenannten „Helikoptereltern“ ist die Balance zwischen Beschützen und Loslassen ein wichtiges Thema. Sowohl die Ängste besorgter Mütter als auch die Depressionen einer überbehüteten Tochter spielen in dieser wahren Märchenerzählung, die eigentlich keine ist, eine Rolle. Und der mysteriöse Prinz natürlich. Dichtende Zwerge, eine intrigante Zofe und – er ist mit der Wichtigste –

der Apfel.