Kategorie: Ernst sind wir an einem anderen Tag

Text voller Grimm ;-): Na, wer kennt sie alle?

Hans, Marie, Betty und Ilse, genannt „Ilzchen“, gründeten eine Band. Sie wollten sich „Die Kristallkugel“ nennen, in Anlehnung an coole Discokugeln, aber eben aus wertvollem Kristall. Nun suchten sie die richtige Stilrichtung für sich.

FullSizeRenderHans meinte: „Ich hab vom Fischer und seiner Frau gehört, dass Volksmusik total in ist. Vielleicht sollten wir in die Richtung…“ Ilzchen fragte: „Wer ist denn der Fischer?“, und Marie antwortete genervt: „Er meint den Silbereisen, den Dauerverlobten von der Helene Fischer. Hans hat heute mal wieder einen Clown gefrühstückt oder zuviel vom Rotkäppchen-Sekt getrunken. Volksmusik ist so yesterday, Hans. Im glücklichsten Fall machen wir eine goldene Platte, danach nix mehr.“ Hans grinste. „Aber einmal Gold, Marie, ist doch super!“ Doch Marie winkte ab. „Ich würde vorschlagen, wir machen was in Richtung Rap.“ Sie teilte Noten aus. „Das ist unser Stück, wir gehen das mal durch.“

Sie rappten, tanzten und sangen sich die Seele aus dem Leib, doch es wollte nicht klappen. Der große musikalische Höhenflug blieb aus, sie klangen eher wie die drei Männlein im Walde. „Hans, mein Igel, kannste nicht rappen?“ Marie klang verzweifelt. „Wir sind doch nicht die Bremer Stadtmusikanten! Zeig mal Taktgefühl!“ Sie blätterte zurück. „Nochmal den Rap. Un‘ zelebrier den Text mal richtig.“ Langsam wurde es besser. Doch zufrieden war Marie immer noch nicht. „War schon besser, aber du rumpelst, Ilzchen, du bist nicht im Takt.“ Langsam reichte es den Anderen. „Dann hast du eben Pech, Marie„, gab Ilzchen beleidigt zurück.

Hans überlegte. Wie könnte man Maries Laune etwas verbessern? Ha! Blumen. Er bat um eine Pause und lief zum nächsten Floristen. Moment. Er wühlte in seinem Portemonnaie. Hatte er überhaupt noch Asche? N‘ Puttelchen war noch übrig, für einen kleinen Strauß Rosen würde es reichen. Als er zurückkam, wechselten die Mädels grad die zertanzten Schuhe. Hans kniete vor Marie nieder. „Hier, Rosen ohne Dorn‘, Röschen.“ Marie hob die Augenbraue. „Ich hasse Rosen, weißt du das nicht? Ich liebe Orchideen. Am besten schneeweiß. Und Rosen rotten vor sich hin.“ Hans war gerade daumesdick vom Platzen entfernt. Aber er riss sich zusammen. „Dann keine Blumen, aber wir fahren am Wochenende ans Meer, Häschen, okay?“ Sie nickte. „Das ist schon eher was, am besten wir alle vier zusammen, dann können wir noch etwas proben.“

Hans schluckte. Er und die drei Spinnerinnen zusammen in Urlaub?

Niemals.

Und so fuhr er allein, und startete überdies eine sehr erfolgreiche Solokarriere. Ohne die Gänse. „Mag die doch der Bohlen holen.“

5 Gründe, weshalb Kinder keine Bücher lesen sollten

fullsizerender1) Lesen bildet. Dass es Sumerer, Attila, den Hunnenkönig oder Pompeji gab, weiß ich nicht aus dem Geschichtsunterricht, sondern habe ich zum ersten Mal in meinen Micky-Maus- und Donald-Duck-Büchern gelesen. Wie es in Deutschland in den Jahrzehnten um 1900 ausgesehen hat, weiß ich von „Trotzkopf“ oder „Nesthäkchen“. Aber da es natürlich nur gerecht ist, wenn alle Kinder, die den Unterricht besuchen, gleich viel oder wenig wissen (man soll ja heutzutage auch die Rechtschreibfehler seines Kindes nicht mehr verbessern, es soll so schreiben, wie es hört, meint oder fühlt), sollten sie möglichst auch keine auffälligen Geschichtskenntnisse haben, die dann im Unterricht zu Langweile führen, weil man das ja alles schon weiß.

2) Lesen entführt in eine andere Welt. Dort kann man sein, wer man will – Winnetou, Prinzessin oder ein Hobbit. Man kann sein, wie man will – für das Gute kämpfen, das Böse verkörpern oder einfach in Bullerbü mit den netten Kindern Baumhäuser bauen. Doch die Kinder von heute sind schon abgelenkt genug, wie sollen sie neben Hausaufgaben, handelsüblicher iPad- und Smartphonebedienung jetzt auch noch zum Lesen kommen.

3) Lesen hilft dabei, sich im Leben zurechtzufinden. Eine Geschichte, die mich bis heute prägt, ist Momo. Heute so aktuell wie nie beschreibt sie, was Zeit bedeutet, wie sorgsam man mit ihr umgehen sollte, dass man auf der Jagd nach Zeitersparnis genau das Gegenteil erreicht. Auch, wenn wir mit Helden mitfiebern, die uns zeigen, dass Außenseiter oft die besseren Menschen sind, lernen wir dazu. Vorbilder prägen uns, auch literarische. Aber wenn einem schon die ganzen KindergärtnerInnen und LehrerInnen ständig in die Erziehung funken, dann doch bitte nicht auch noch Meister Hora oder Albus Dumbledore.

4) Lesen tröstet. Wenn man gemobbt wird, schlechte Noten bekommt oder sonst wie Ärger hat, kann man sich mit einem Buch (und Schokolade) in seine Kuschelkissen zurückziehen und ein paar Stunden in eine Welt flüchten, die besser, anders und schöner als die eigene ist. Und das wollen wir ja nicht. Unsere Kinder sollen keine Träumer werden, sondern lernen, sich mit der harten Realität auseinanderzusetzen.

5) Lesen trainiert die eigene Sprache – ohne büffeln. Klar ist man besser in Rechtschreibung und Ausdrucksvermögen, wenn man viel liest. Einfach dadurch, dass sich das Hirn ständig bewusst und unbewusst mit Sprache beschäftigt. Man „weiß“ einfach, wie bestimmte Wörter buchstabiert werden, und man bekommt einen größeren Wortschatz. Aber wir wollen ja keine Eliteschüler, Besserwisser oder Streber großziehen.

Also:

Sagen wir unseren Kindern täglich, dass Lesen schädlich ist, aber nehmen wir dabei stets ein Buch in die Hand, denn wir wissen ja: Kinder folgen unserem Rat, nicht aber unserem Beispiel.

Oder hab ich da was verwechselt?

Original und Fälschung: Ein Weihnachtsgedicht für alle Klausurschreiber

Das Original: Theodor Storm: Knecht Ruprecht

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolche‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“
— „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier:
Denn Apfel, Nuß und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“
— „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun spreche, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

 

Die Fälschung: Tina Flynn: Für alle Klausurschreiber kurz vor Weihnachten

Von zuhaus, aus’m Bette komm‘ sie her;
Auch wenn sie wissen, es weihnachtet sehr:
Allüberall auf den Klassensitzen
sieht man Schüler in ihre Spickzettel blitzen.
Und vorne von dem Lehrerpult
Sieht mit großen Augen der Lehrer voll Huld,
Und wie sie so interpretieren durch finstere Tiefen,
hört man den ein oder anderen schniefen.
„Gesundheit“, ruft man, siebzehn mal,
der Kranke schaut hoch, verschnupft voll Qual.
Die Schulglocke fängt zu bimmeln an,
Die Klausur beginnt, nun kommt’s drauf an!
Mädchen und Jungen sollen nun
nicht eher von der Arbeit ruhn,
als bis die Bögen vollgeschrieben,
sie sind nervös, hoffnungsvoll, getrieben.
Ein Schüler seufzt: „O elender Mist,
Meine Reise hier zu Ende ist;
Die Aufgabe ist Mist auf diesem Blatt,
mein Latein ein Ende hat.“
„Hat jemand einen Killer für mich?“
Man spricht: „Hier, nimm, der ist für dich.“
Denn Killer, Spitzer, Taschentücher
Fehlen genau so oft wie Bücher.
„Wieviel Zeit haben wir noch hier?“
Der Lehrer spricht: „Noch der Minuten vier.“
Den guten Schülern zu wenig, den andren egal,
Dann geben alle ab, siebzehn an der Zahl.
Der Lehrer spricht: „So ist es recht;
So geht mit Gott, ihr treuen Knecht‘!“
Nach Haus‘ ins Bette gehen sie dann;
und fangen gleich zu grübeln an:
Im Prinzip wissen sie geschwind:
Sind’s fleiß’ge Kind, sind’s faule Kind?

Viel Erfolg, Glück, Selbstbewusstsein und was man sonst so braucht (außer Spickzetteln) 😉

Mein PINKer Ford METALLICA missfällt der QUEEN

Mein Name ist Floy.

Ich weiß.

Dafür kann ich aber nichts.

Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Australier. Mama wollte mich Flo nennen, Papa Joy, und so ist Floy draus geworden. Und heute, an Weihnachten, war der Joy bei Floy besonders groß, weil meine verrückte australische Tante Mary zu Besuch kommen würde. Schon den ganzen Tag klatschte ich wie blöd in die Hände, lachte, und freute mich. Tante Mary Strollings war eine richtige Queen, ach, was sage ich, ein bunter, schriller Vogel Strauß des Alltags. Von den Ärzten hat sie mehr Beruhigungstabletten verschrieben bekommen, als eine Elefantenherde bräuchte, trotzdem war alles für sie ein Aufreger. Dann war sie da. Brennend wie ein Dynamo, zart wie bereits erwähnte Elefantenherde. „Oh, Floy, mein Bernstein„, sagte sie in diesem markerschütternden Strollings-Ton, „es freut mich wahnsinnig, dich zu sehen!“, dann fiel ihr Blick auf meine Kunstsammlung über der Kommode in der Diele. Naja, eher Kunstdrucksammlung. „Rembrandt! Ich liebe the Rembrandts!“, schrie sie verzückt. „The who?“, gab ich ungerührt zurück. Ich hatte das Bild gekauft, weil es mir gefallen hatte, keine Ahnung, wie der Maler hieß. Mary schüttelte nachsichtig den Kopf. „Du little Kunstbanausin. Wieso gehst du überhaupt nicht ans Telefon? Ich hab dich fünfmal angerufen!“ „Es ist kaputt“, erwiderte ich. „Dann musst du wohl mal den Telemann anrufen.“ „Wen?“ Ach so. Sie meinte den Mann von der Telekom. „Wie soll ich den anrufen, wenn mein Telefon kaputt ist?“ Mary lachte. „Was ist mit deinem Handy?“ Ja, ich hab ein Handy. Aber ich hasse die Telekom und genieße es, mal nicht erreichbar zu sein. Ich wechselte das Thema und kam auf Tante Marys Liebesleben zu sprechen. „Was machen deine Beach Boys, deine australischen Prinzen?“, fragte ich grinsend. Sie errötete. „Non, ma chère“, wechselte sie in einwandfreies Französisch, „ce n’est pas bon.“ Jovial ließ ich sie damit in Ruhe. Aber sie rächte sich direkt. „A propos Prince– Ich will ja nicht gleich mit the Doors ins Haus fallen, non, aber was ist denn mit deinem Liebesleben? Immer noch toten Hosen, nicht?“ Ich verzichtete darauf, sie für ihr schlechtes Deutsch zu rügen, geschweige denn, zu antworten und bat sie ins Wohnzimmer. Dort kam der nächste Schub. „Erträgst du diesen pinken Kitsch immer noch?“, fragte Mary und wies auf das Bild von Schnabel vis-a-vis. „Ein Geschenk deiner Mutter, ich weiß, aber pink, Floy? Das sieht grauenhaft aus. Genau wie dein Auto draußen.“ Mein schöner Ford Metallic. Ausgerechnet. Mein Zweitwohnsitz. Ich liebe es, mit einem guten Buch in ihm zu sitzen, das Radio voll aufzudrehen und den Beat lesend zu genießen. „Außerdem musst du endlich aus dieser gefährlichen Gegend wegziehen, back nach Australia!“, rief sie besorgt. „Du kannst zu mir ziehen, Floy. Come back. Streetboys überall hier und New Kids on the Block, sie nehmen dir dein Geld ab und ramm‘ Steine in dein Auto. Hier wird doch vermutlich jeden Tag einmal the police gerufen.“ Sie kramte in ihrer Handtasche und gab mir eine Karte. „Take that. Ein sehr guter Makler bei mir downunder.“ Soweit kommt es noch. „Tante Mary, zieh hier nicht so eine Show ab. Bad Kissingen ist meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Ich hab hier Zivilisation, aber auch Wälder, einen Bach, einen Berg-“ Doch sie rümpfte die Nase. „Schön, Berg ist gut. Aber bei uns hast du alles – Wüste, City, Dschungel, Meer, den Timber-Lake“ Plötzlich strahlte sie mich wieder an. „Ich rede und rede, dabei bin ich doch aus einem bestimmten Grund gekommen. Merry Christmas, Liebes, hier, ich habe wahnsinnig tolle Geschenke für dich!“ Und damit packte sie schreiend bunte Päckchen aus. Also, nicht sie schrie. Die Päckchen waren schreiend bunt.

Meine Tante Mary. Ein bisschen Madonna, ein bisschen Santa. Na, wenigstens niemals langweilig…

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Kleine kreative Schreibübung für zwischendurch (war ein langer Tag ;-))

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Sie war sagenumwoben.
Sie war launenhaft.
Sie war eine Schrumpfmuffe.
Allein der Name Schrumpfmuffe gebot Launenhaftigkeit. Wer geschrumpft und dazu noch muffig ist, muss sich etwas ausdenken, um mit anderen Dingen als seinem Äußeren Eindruck zu schinden. Also beschloss sie, sich mit Sagen zu umweben, darin sind besonders südostasiatische Schrumpfmuffen Experten. Sie umgab sich mir der Aura des Mysteriösen.
Betagt und runzlig wie die uralte Morla aus der „Unendlichen Geschichte“, aber natürlich sehr viel kleiner, ließ sie verbreiten, dass sie wahrsagen könne. Und tatsächlich kamen Wesen unterschiedlichsten physischen und psychischen Ausmaßes zu ihr, um sich von ihr in die Karten bzw. in die Zukunft schauen zu lassen. Aber die Schrumpfmuffe war launisch. Nur, wenn es ihr wirklich gut ging, gab sie sich Mühe, aus den zahlreichen Handfalten, Kaffee- oder Kartensätzen irgendwelchen Mumpitz zu lesen. Hatte sie schlechte Laune, und das traf auf 364 Tage des Jahres zu, erzählte sie immer dasselbe: „Ordne deine Angelegenheiten, denn du wirst bald sterben.“
Die Schrumpfmuffe wurde weltberühmt.
Trat ihre Vorhersage ein, hatte sie Recht behalten und an der Genialität ihrer Person war nicht zu zweifeln. Blieb das jeweilige Wesen am Leben, war es so glücklich über diese Fügung, dass es vor Dankbarkeit nicht auf die Idee kam, die Schrumpfmuffe der Scharlatanerie zu bezichtigen.

Und so lebt die alte, runzlige Schrumpfmuffe bis heute irgendwo in Südostasien und webt sich in einen Kokon aus Launen und Sagen.

Diese Geschichte ist in folgende Sprachen übersetzt worden: „
Schrümpfmüff“ (türkisch), „Schrömpfmöff“ (schwedisch), „Dä Sägä vän där Schrämpfmäff“ (finnisch) und „Scrympfmyffcz“ (polnisch)

5 sehr emotionale Momente vor und während der Durchführung eines Kindergeburtstages

Platz 5

Madame wird fünf wunderbare Jahre alt, und man plant natürlich den tollsten Geburtstag ever. Nur leicht nervös dadurch, dass es anscheinend gerade in ist, für den großen Tag der Kleinsten einen Clown oder Zauberer zu bestellen und die Cupcakes passend zur Zimmertapete zu dekorieren. Man freut man sich auf einen netten Spielenachmittag mit den süßen vier kleinen Freundinnen und Freunden von Madame, als diese ihre Wunschgästeliste aufzählt und bei „neun, Marie, zehn, Lukas“ immer noch nicht aufhört.

Platz 4

Man hat eins der Lieblingsessen aller Kinder gemacht und trägt stolz und erwartungsvoll die Minipizzen zum Tisch, da geht der Sturm los:

„Was ist das?“ „Ich mag keinen Schinken.“ „Ich mag keinen Käse.“ „Meine Mami sagt, Fleisch ist pfui.“ „Was gibts denn sonst noch?“ „Was ist das Dunkle da?“ „Ieh, das stinkt.“

Platz 3

Man scheucht alle Kinder zur Seite, um Platz für acht Stühle zu haben für die Reise nach Jerusalem. Plötzlich fällt ihnen auf, dass sie da so in Reih und Glied stehen, das Erste fängt an, und dann stimmen alle ein wie die Engel:

„Sankt Maaaaartin, Sahankt Maaaaaartin, Sahankt Martin ritt durch Schnee uhund Wind…“

Platz 2

Irgendwann werden plötzlich alle ruhig und müde. Man selbst hat Zeit, sich kurz auf die Couch zu setzen. Plötzlich kommt ein Kind von rechts, legt sein Köpfchen auf meinen Schoß und ein Kind von links lehnt sich an meine Schulter. Ein Drittes rollt sich zu meinen Füßen ein, ich bin umgeben von Vertrauen und Wohlbehagen. Als mir auffällt, dass keins davon mein Kind ist, bin ich gewiss, dass die Party doch ganz gut laufen muss, wenn sie mich so fraglos vom Zirkusdirektor (Flohzirkus) zum Kuschelkissen umfunktionieren.

Platz 1

Madame starrt zwischen ihrer Aurora-Barbie (Dornröschen) und mir hin und her und sagt:

„Du bist viel schöner, Mama.“

JETZT

muss ich wirklich weinen.

So ein kleines, heimliches Tränchen.

Kinder sind so genial. Kompromisslos in allem. In ihrer Liebe, in ihrer Abneigung, in ihrer Lebensfreude.