Ich habe das Spiel „Ab die Post“ mit ungefähr zehn Jahren gewonnen, als ich auf einem Volksfest (vermutlich Werbeaktion der Post) im Zelt von Michael Schanze Klavier gespielt habe. Also wir waren jetzt nicht allein oder so, im PubliE12BEBB9-82D9-48EC-B437-C4A2249D20C5kum saßen 100 Leute, unter anderem auch meine Eltern mit stolzgeschwellter Brust. Oder stolzgeschwellten Brüsten? Hm. Klingt jetzt komisch. Egal.

Ich hab irgendeine niedliche Mozart-Sonate gespielt und bekam als Dankeschön das abgebildete „Ab die Post!“, das sich im Laufe der Zeit zu einem Kult-Spiel zwischen mir und meinem Neffen mauserte, niemand weiß, warum. Die Regeln sind simpel: Man bekommt fünf Karten in Briefform und muss sie mittels seines Figürchens an die richtigen Adressen austragen. Wer alle Adressen abgeklappert hat und als Erste(r) wohlbehalten wieder im Postamt landet, hat gewonnen. Auf den Feldern mit Ausrufezeichen muss man eine blaue Ereigniskarte ziehen, auf der dann so lustige Texte stehen wie „du hast heute früher Schluss, nochmal würfeln“ oder „gib eine deiner Karten an deinen rechten Mitspieler ab“.

Also so ähnlich wie Mensch ärgere dich nicht. Man bewegt die Figur vom Häuschen weg zurück ins Häuschen und ist dabei ganz oft aus dem Häuschen, weil man woanders hingeschickt wird, als man will.

Warum mein Neffe und ich das auch mit 42 bzw. 23 noch so gern spielen?

Vielleicht, weil es so herrlich „vintage“ ist. Ohne mails, apps, Siri oder Navi. Man bekommt „echte“ Briefe in die Hand und erobert sich die Gegend zu Fuß(!). „Postwil“ ist dabei herrlich übersichtlich, teilt sich in Altstadt, Industriegebiet und dörfliche Landschaft am Rand des Waldes. Man sieht hübsche Häuschen, viel Grün und hört quasi die Vöglein zwitschern und die Menschen freundlich „guten Morgen“ sagen, während sich der Duft aus der Bäckerei angenehm mit dem Gestank der ortsansässigen Fabrik mischt. Niemand ist gestresst, alle sind fröhlich. So wie in Lummerland bei Jim Kopf, wo auch nur König Alfons der Viertelvorzwölfte, Frau Waas, Herr Ärmel und Lukas, der Lokomotivführer, wohnen.

Nein, früher war nicht alles besser. Aber vieles war schöner.