Bloggen nach Wunsch: „Wenn unser Kurs Faust wäre: Wären Sie Faust, Mephisto oder Gretchen?“

…eine weitere Anregung meines Abiturkurses zum Schreiben eines Blogartikels.

Meine Antwort?

Weder noch. Natürlich wäre ich Gott.

Bevor man mich der Bl8AD7139B-4B88-4440-A13E-5B29FA0BCDC0asphemie bezichtigt: Natürlich halte ich mich nicht für Gott im allgemeinen, auch wenn ich Lehrerin bin, nein, ich führe nur die oben angesprochene Allegorie weiter, indem ich die Figuren des Dramas Faust auf das wirkliche Drama Deutsch-LK beziehe, und beantworte die Frage eines Schülers. Beschwerden also bitte an Paul.

Nun: Was sagt Gott zu Mephisto, als dieser ihm in einer Wette beweisen will, dass die Schöpfung alles andere als perfekt, und der Mensch (selbst so ein toller Hecht wie Faust) „tierischer als jedes Tier“ sei?

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,

So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.

und

Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Sagt das nicht alles? Streben wir Lehrer nicht Jahr für Jahr danach, die uns mit „verworrenen“ Rechtschreib- und Aufsatzleistungen dienenden Schüler bis zum Abi in die Klarheit zu führen? Und begleiten wir sie nicht milde lächelnd, während sie eins um andere mal „irren“, aber im festen Vertrauen darauf, dass unsere Schäfchen es schaffen werden?

Aber wenn ich mich schon so weit in den Himmel wage, wäre doch zu überlegen, was es in dieser Allegorie mit den anderen Goethe-Figuren so auf sich hat:

  • Faust stünde für die durchaus intelligenten, sehr bemühten und motivierten Schüler, die vieles lesen und verstehen, doch auch immer wieder zweifeln: Am Schulsystem an sich, dem Unterricht, dem Lehrer und den Unterrichtsinhalten. Wie im Drama Faust sind das aber keine nervigen Querulanten, die Gott einfach ignoriert, sondern vielmehr seine wahren Lieblinge, die er sich besonders bemüht, vom Sinn seiner Schöpfung (Unterricht) zu überzeugen. Er lässt sie durchaus stolpern und hinfallen, aber letztendlich gibt er ihnen dadurch die Möglichkeit, sich aus sich selbst heraus weiter zu entwickeln. „Fausts“ oder „Fäuste“ sind dem Lehrer 1000mal lieber, als die
  • Wagner-Spezies. Der Streber, der alles lernen, alles wissen will und niemanden abschreiben lässt, weil er das Lob des Lehrers für sich allein haben will. Er lernt und redet und redet und redet einem nach dem Mund und hofft, irgendwann alles auswendig gelernt zu haben, um es dann als eigenes Wissen ausgeben zu können. Ohne Fausts Leidenschaft, ohne Fausts Hingabe, oder echtes Interesse.
  • Gretchen könnte die Allegorie sein für all die lieben, fleißigen Schülerchen, die jede Anweisung ohne zu murren befolgen, eben weil sie brav und fleißig sind. Sie sind aber leider auch diejenigen, die sofort erwischt werden, wenn sie einmal Mist bauen. Das kennen wir doch alle: Der Nachbar, der ständig die Verkehrsregeln missachtet, kommt damit durch, aber wenn wir Verantwortungsbewussten, die wir uns immer an die Regeln halten, EINMAL im Halteverbot stehen, kriegen wir gleich einen Zettel. So auch Gretchen, das sich immer vorbildlich verhält. Nur EINMAL schwach geworden, schon wird sie zur Kindsmörderin und mit dem Tode bestraft. Aber – ihr wird von Gott verziehen. Auch wir Lehrer verzeihen Fehler von Gretchentypen natürlich schneller, als die von anderen.
  • Marthe, Gretchens Nachbarin, die das fromme Mädchen dazu ermuntert, den Pfad der Tugend zu verlassen, die selbst ihrem vermeintlich toten Mann keine Träne nachweint, sondern nur an seinem Nachlass interessiert ist, könnte man mit den Schülern vergleichen, die selbst keine Lust haben, irgendetwas Produktives auf die Beine zu stellen, aber immer glauben, das Leben schulde ihnen was. Die immer nur sich selbst im Kopf haben, sich dann aber beschweren, dass das Leben gemein sei.

Tja.

Und wo steckt dann da nun Mephisto, der Teufel, der mit Gott wettet, der Faust „vom rechten Wege“ abbringen will, der nichts von der Schöpfung hält, und so ein unterhaltsamer, eloquenter, fast sympathischer Geselle ist?

Nun, der Teufel steckt im Detail, sagt man immer so schön, und welches Detail das gerade ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden: Wer oder was ihn vom Streben abhält, wo des Pudels Kern für ihn liegt: Internet, Faulheit, feiern und betrinken, Drogen oder was auch immer, vielleicht sogar das Lesen meines Blogs 😉

Wobei ich dann tatsächlich auch ein bisschen Mephisto wär:-)))

Bloggen nach Wunsch: Das Drama mit dem Drama

IMG_5715Paul wünscht sich einen Blogeintrag von seiner Deutschlehrerin, damit er sonntags beim Kaffee was zu lesen hat.

Ich könnte ihm in Anbetracht seines nahenden Abiturs diverse Lektüren ans Herz legen, aber ich kann auch einfach mal die Klappe halten und mich geschmeichelt fühlen.

Das fällt um so leichter, als auch prompt ein Themenvorschlag folgte:

Eigentlich ist ja Dramen interpretieren wie Menschen interpretieren, oder? Man denkt sich seinen Teil, versucht eine Begründung zu finden und auf Grund dessen urteilt man.

JAAAA!

Endlich hat mal jemand den Sinn von Deutschunterricht verstanden. Dass es ausgerechnet Paul ist – (der Drummer, ihr wisst schon) – nun, er hat viel im Kopf, vor allem Unsinn, aber viele der Moleküle sind noch nicht vom Alkohol zersetzt und dementsprechend arbeitsfähig.

Spaß beiseite.

Wir alle hatten Deutschunterricht. Die, die dieses Fach lieben (und das sind nicht wenige), hinterfragen den Stoff meist nicht. Die anderen möchten schon gern wissen, weshalb man eigentlich „den ganzen Mist immer lesen“ muss (O-Ton eines meiner EF-Schüler).

Das Tödliche am Deutschunterricht ist, dass man etwas völlig Subjektives (Mögen und Verstehen von Texten) objektiv behandeln muss, weil man eben 25 Schüler hat und keinen Einzelunterricht. Im Moment stehen in der Oberstufe der „Prozess“ von Kafka, „Faust“ von Goethe und die „Physiker“ von Dürrenmatt auf dem Programm. In der Regel kann man die Physiker ganz gut verkaufen, der Faust ist vor allem bei den Mädels beliebt, und Kafka ablehnen ist sowieso schick außer bei den ganz Intellektuellen. Aber im Prinzip hat jedes Werk seine Anhänger und Gegner. Doch was ist, wenn ich eine Unterrichtsreihe über ein Werk überleben muss, das mich null anspricht? Ist das (abgesehen von der oft beschworenen historischen Allgemeinbildung) nicht verlorene Zeit?

Ich weiß, wovon ich rede, ich musste damals als Jugendliche die ganze „alte Säcke“-Literatur über mich ergehen lassen – Manns „Zauberberg„, Frischs „Homo faber“ oder Hesses „Steppenwolf“. Alles mehr oder weniger alte Männer, die komische Anwandlungen haben. Was soll man als junges Mädchen damit anfangen?

Weshalb aber stehen diese Werke dann immer auf den Leselisten, in den Lehrplänen?

Ganz einfach: Weil man sich nunmal auf eine Kanon einigen muss, und man eh nichts findet, was allen gefällt. Muss man aber auch nicht. Und jetzt kommen wir zum pädagogischen Teil (danke, Paul):

Wir lesen in der Schule nicht zum Vergnügen, sondern um etwas fürs Leben zu lernen.

Das können aber ziemlich praktische Dinge sein:

  • von Faust lernen wir, dass zum Begreifen des Lebens eben nicht nur Bücher gehören, sondern auch das Leben selbst
  • Woyzeck lehrt uns, wohin Mobbing führen kann, die Hoffnungslosigkeit und Beengtheit des Individuums in einer Gesellschaft, die ihm keine Chance lässt und ihn dafür mit Spott verfolgt
  • von Franz K. lernen wir, wie wichtig es ist, einen guten Therapeuten zu finden, um sich als Erwachsener endlich mal von der Übermacht eines distanzierten Vaters zu befreien, um ein glückliches Leben führen zu können
  • …und zeigt Möbius uns nicht, dass letztendlich nur zählt, was wir wollen, wer wir sind, welche Entscheidungen wir treffen, da das Leben ein mieser Verräter sein kann und letztlich niemand da ist, der uns für gute Taten belohnt?

In jeder Stunde, in der wir interpretieren, weshalb Gretchen, Marie, Franz oder Johann Wilhelmlein dies oder das gesagt oder getan haben, lernen wir uns selbst kennen. Wir sprechen darüber, wozu Menschen fähig sind, und was davon wir übernehmen wollen und was nicht.

Wer von welchem Text wieviel für sein eigenes Leben mitnimmt, bleibt jedem selbst überlassen.

Ich denke heute noch gern an meine Schuldramen „Der zerbrochne Krug“ oder „Maria Stuart“ zurück: Über sie bin ich zum Theater gekommen, habe über mich gelernt, dass ich sprachliches Talent habe und andere für ein Thema begeistern kann. Ich bin zwar kein Hollywoodstar geworden, aber eine Lehrerin, die anscheinend keine so schlechte Show abzieht, wenn Schüler sich schon Blogeinträge wünschen… 😉

Muss jemand noch ein Weihnachtsgeschenk umtauschen?

Apfel_finalMein drittes Baby ist endlich auf der Welt, und ich möchte es jedem empfehlen, der Märchen liebt, mal geliebt hat oder sie niemals kennen lernen durfte und deshalb die halbe Kindheit verpasst hat 🙂

Auch eine längere Leseprobe gibt es hier auf meiner Seite unter „Meine Romane“.

Euch allen vielen Dank für die treue Begleitung meines Blogs und ein gutes, freundliches, märchenhaftes 2018!

Rapunzels Töchter

Rapunzel wird jahrelang von ihrer Stiefmutter in einem Turm gefangen gehalten. Als sie eines Tages mit einem mutigen Prinzen fliehen kann, entgeht sie nur knapp der Rache der Frau, die sie jahrelang für eine liebevolle Mutter gehalten hatte, und lebt fortan in Angst.

Als Dornröschen aus ihrem legendären 100jährigen Schlaf erwacht, muss sie feststellen, dass ihre Welt aus den Fugen geraten ist. Trotz aller Warnungen heiratet sie ihren Retter, einen Fremden, der dunkle Ziele verfolgt, von denen sie nichts ahnt.

Schneewittchen verlässt ihr Zuhause auf der Flucht vor der bösen Königin und entgeht drei Mordanschlägen nur knapp, doch als sie wieder zurückkehrt, steht sie vor den Scherben ihres bisherigen Lebens.

„Weit entfernt stand eine ganz in Schwarz gehüllte Gestalt vor einem Fenster und verfolgte aufmerksam, was sie sah. Dann rief sie nach ihren Dienern und befahl ihnen, die vorbereiteten Kundgebungen auszuhängen und die Pflöcke rund um das Schloss in die Erde zu schlagen. Vor einigen Monaten noch hätte Onyx lauthals darüber gelacht, ihr pechschwarzes Lachen, das direkt aus der Hölle zu kommen schien. Doch dieses Lachen existierte nicht mehr. Sie existierte nicht mehr. Nur noch ihr Schatten verharrte regungslos vor dem Fenster und glich einem Mahnmal, das hoch über den Wipfeln der Bäume zeitlos schön, doch unerbittlich daran erinnerte, dass Dunkelheit noch mehr Dunkelheit hervorbringt.“

 

Wir sind näher und weiter entfernt, als ihr glaubt

Es ist erfrischend und verstörend zugleich, Schülern dabei zuzuhören, wie sie über ihre Lehrer reden. Ich meine jetzt nicht Respektlosigkeit oder so, nein, sondern eher die Themen und die Sichtweise, die die junge Generation auf uns Alte anscheinend entwickelt hat. Neulich in meiner Küche (wir hatten gerade gewichtelt, Goethe-Gedichte aufgesagt und eine Beethoven-Sinfonie konzertiert) schnappte ich das ein oder andere auf und es ist mir ein inneres Bedürfnis, mal ein paar Dinge zurechtzurücken:

Wir sind euch näher, als ihr glaubt

Klar, Lehrer sind in der Regel 10-50 Jahre älter als ihr. Aber was bedeutet das schon? Das mit dem Älterwerden ist so eine Sache – man ist ja nicht zuerst jung, offen, voller Träume und plötzlich, so mit 25, ein gesetzter Erwachsener mit strengem Blick und Bausparkonto.

Nein. Dieser Prozess beginnt schleichend. Und manche Menschen werden nie erwachsen, manche kommen schon alt auf die Welt. Im Prinzip unterscheiden einen 20Jährigen und einen 50Jährigen nur die Lebenserfahrung. (Selbst die Fitness ist da raus – manch Jugendlicher bekommt Schnappatmung, während der Greis schon drei Treppen geschafft hat). Auch wir Lehrer sind gerne sorglos, bauen Mist, haben Träume und wollen lieber ausschlafen, als zur Schule zu gehen, aber im Unterschied zu euch sitzen uns folgende Jurymitglieder im Nacken:

  • die Erfahrung (wenn ich nichts tue, bekomme ich mehr Ärger, als sich das Nichtstun lohnen würde),
  • die Bezirksregierung (kein Benehmen, kein Gehalt),
  • die Familie (kein Gehalt, kein Essen) und
  • die Verantwortung (keine Arbeit, kein sinnvoller Beitrag für die Gesellschaft)

Wenn wir einen freien Nacken hätten, wären wir gefährlicher und unkontrollierbarer, als ihr, weil wir über jahrzehntelange Erfahrung im Mistbauen verfügen und über die sozialen Netzwerke (ich meine nicht Facebook oder Snapchat, sondern Anwälte), sie auch umzusetzen.

Wir sind weiter von euch entfernt, als ihr glaubt

Ein besonders lustiges Kapitel in meiner Küche war Kursfahrten gewidmet, in denen anscheinend Kollegen und Kolleginnen gemeinsam in einem Zimmer verschwunden sind und in denen ihnen nun leidenschaftliche Beziehungen angedichtet wurden.

Kinder.

Mit 16 mag es so sein, dass sich bei zwei Jugendlichen, während einer Kursfahrt  allein in einem Raum, automatisch unkontrollierbare sexuelle Neigungen offenbaren, die zu einem ungehemmten Ausbruch erotischer Zügellosigkeit führen.

Mit 36 ist das nicht mehr so.

Wenn mit 36 Frau und Mann während einer Kursfahrt in einem Raum verschwinden, kann das viele Gründe haben.

  • sie wollen in Ruhe über Schüler lästern
  • sie wollen in Ruhe eine rauchen und nicht, dass die kleinen Kröten dabei zugucken
  • sie tauschen Unterrichtsmaterial aus
  • sie starren aus dem Fenster und wünschen sich, nochmal jung zu sein

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass in Soaps das Bild vermittelt wird, dass wir Menschen Beziehungstiere seien, die – egal ob gebunden oder nicht – jede Gelegenheit ergreifen, sich neue Optionen zu sichern, egal, ob es der Nachbar, Zahnarzt, Postbote oder Cousin dritten Grades aus Uruguay ist.

Im wahren Leben lieben wir Ü-30er (ja, ich weiß, ich bin Ü40, aber das ist ja schließlich auch Ü30) unsere Ruhe, Füße hoch, Klamotten AN (sonst wird’s kalt, außerdem sieht man hässliche Besenreiser oder so), und Soaps gucken.

Natürlich wäre das Schülerleben vermutlich spannender, wenn im Lehrerkollegium jeder mit jedem wie in Sodom und Gomorrha (jetzt wisst ihr mal, wie man das schreibt) zusammen wäre, wenn wir in den Pausen – am besten mit den Schülern – über unsere Beziehungen sprechen würden, oder die weinende Kollegin trösten müssten, die ihren Liebsten mit der Referendarin im Kopierraum erwischt hat, aber so ist das nicht.

Zum Glück.

Denn wie kämen wir dann dazu, eure Klausuren zu korrigieren, nach denen ihr nach zwei Tagen schon kräht, über euch zu sprechen (sag mal, fehlt der bei dir auch so oft?) oder an unserer Karriere zu feilen (Chef, ich hab da mal eine Präsentation vorbereitet…)?

Wenn ihr wissen wollt, wie wir Lehrer wirklich sind, nehmt folgende mathematische Gleichung:

eure Eltern

minus Sätze wie

„und, wie läuft es in der Schule?“ (wissen wir selber)

„ich glaub, ich muss mal mit deiner Lehrerin reden“ (i wo)

plus Sätze wie

„sei bitte leise, ich muss korrigieren“

„ich kann mich nicht um alles kümmern“

„ich kann Samstag nicht, ich muss korrigieren.“

So sind wir. Ihr wollt euch nicht vorstellen, wie eure Eltern miteinander…? Dann macht das mit uns besser auch nicht.

Aus Respekt.

Und Selbsterhaltungstrieb.

Sie halten die Gitarre falsch herum

 

Heute gibts mal wieder was Neues aus meiner Q2. Allerdings aus dem Musikkurs. Im Moment ist das Oberthema Akustik, und unter diesem von den Schülern gewählten Thema (niemand schreibt Klausur, deshalb sind wir ziemlich unabhängig) versammeln wir alles, was Spaß macht. Für die letzte Stunde hat Jens (der mit den Kettensägen) angeboten, uns Akustikgitarre beizubringen. Wir waren nur zu neunt, da Tom und Bibi leider nicht dabei sein konnten, so war es kein Problem, für jeden ein Instrument aufzutreiben.

Vielleicht kurz zu meiner Vorbildung: Ich bin ein Klavier- und Chorkind. Wenn man Musik auf Lehramt studiert, muss man die Fächer Gesang, Klavier und ein Melodieninstrument belegen. Da icC56D0CAA-146F-4312-B7CC-F4CFE30F0AC5h damals bei der Anmeldung in Köln dachte, ich müsste schon Vorerfahrung mit dem Instrument mitbringen, griff ich auf meine Blockflöte (unter Musikstudenten unter dem Namen „Notholz“ bekannt) zurück. Ich habe nicht das Geringste gegen Gitarren, aber ich brauchte sie nie zu erlernen, und so groß war das Interesse auch nicht. Lieder begleiten kann ich prima auf dem Klavier, und am Lagerfeuer auf Klassen-, Kirchen- oder anderen Fahrten findet sich immer ein Soziologiestudent, der klampfen kann.

Ich kann demzufolge die einzelnen Teile einer Gitarre benennen und erklären, wie die Tonerzeugung funktioniert, aber außer „Alle meine Entchen“ kann ich nichts darauf spielen.

Wer jetzt glaubt, meine Schüler würden mich angewidert als subkompetent bezeichnen und bei der Schulleitung um einen neuen Musiklehrer bitten, kennt meine Q2 schlecht. Wir sind so (meine kleine Tochter würde jetzt Zeige- und Mittelfinger kreuzen als Zeichen innerster Verbundenheit).

Jens hat „Wonderwall“ und „Hey, there Delilah“ vorbereitet, weil diese Stücke schön, bekannt und einfach zu begleiten sind. Und in seiner üblichen tiefenentspannten und ruhigen Art erklärt er uns, wo wir unsere übermanikürten / zu langen Fingernägel oder zu kurzen Finger hinpressen sollen.

Paul, der Drummer, der immer meckert, außer, wenn er drummt, ist überraschend friedlich, was vermutlich daran liegt, dass er erstens unter Medikamenteneinfluss steht (Weisheitszähne gezogen) und zweitens ein bisschen Gitarre spielen kann.

Maria, der südländische Temperamentsbolzen, der davon schwärmt, wie toll man auf portugiesisch fluchen kann, kann das nicht und will das nicht und macht das nicht. Doch! Sie tut es doch! Auch Maria nimmt an unserem neuesten Kunstprojekt teil. Liegt vermutlich daran an, dass sie soviel entspannter und glücklicher in die Welt blickt, seit sie mit

Heiko zusammen ist, den ich noch nie so happy habe lächeln sehen, wie in letzter Zeit. Heiko liebt die Conga, aber neuerdings auch Maria. Deshalb scheint es auch für Heiko kein Problem zu sein, sich von der Conga zu trennen und auf Gitarre umzusteigen. Zumindest für eine Stunde.

Niklas, der Traumschüler, der im Musikunterricht davon profitiert, dass es auf Rechtschreibung nicht so ankommt, wirkt zum ersten Mal leicht überfordert, aber Jens mit seiner ruhigen Art nimmt uns allen sämtliche Ängste und Nervosität.

Lisa, die mit Rücken und den schönen Augen hat sich mit Maria zusammengetan. Gemeinsam spielen sie im Akkord.

Sid geht mir mal wieder fürchterlich auf den Keks, weil er wie wild auf der Gitarre herumklopft und -klampft. Aber das Schöne an Sid ist, dass er nicht nur mir, sondern auch allen anderen auf den Keks geht, und wenn Paul brummt „hör doch mal auf“, hört Sid auf ihn.

Achim schaut versonnen auf seine Finger und scheint kaum fassen zu können, welch edle Töne seine Hände aus ein bisschen Holz und Draht herausbringen.

Ja. Und dann komm ich. Es entspinnt sich folgender Dialog / Multilog:

„Sie halten die Gitarre verkehrt herum.“

„Wieso?“

„Der Hals muss nach links zeigen.“

Kurz überlegen, wo links ist

„Aber es ist doch viel schwieriger, den Hals zu greifen, als über den Bauch zu streichen (ich überlege kurz, ob ich hier doppeldeutigen Mist von mir gebe) – ich bin doch Rechtshänder!“

„Nein.“

„Doch! Außerdem sind dann die tiefen Töne oben und die hohen unten. das ist doch Quatsch. Beim Klavier ist das umgekehrt!“

„Nein, beim Klavier liegen die tiefen Töne nicht unten, sondern links.“

„Jetzt seid doch nicht solche Wortklauber! Herrschaft! Wer bringt euch bloß Deutsch bei!“

„Sie.“ (Mist)

Ich gebe mich geschlagen, und spiele die Gitarre halt verkehrt herum.

Und weiß genau, was Paul jetzt denkt:

Pianisten…

 

Habdich!

627992EE-5A0F-4246-9906-11AFE88C83BD Ich liebe Aufkleber.

Ich habe Aufkleber.

 

 

In sämtlichen Farben des Regenbogens, mit und ohne Glitzer, in Textform, Herzform, Blümchen, Eulen, Muster und allen Bildern, die man sich so vorstellen kann.

Von meinem Gatten und meinem Bruder, den zwei wichtigsten Männern in meinem Leben, werde ich für meine analoge Bastelwut meist sanft belächelt (im Gegensatz zu ihnen, die gern Fotobücher digital-elegant  und hochprofessionell am Bildschirm erstellen, liebe ich es, mir mit Schere Verletzungen beizufügen oder mich mit Kleber zu beschmieren und damit wunderschöne „analoge“ Fotoalben zu basteln), aber ich finde es eben schön, haptisch zu arbeiten. „Haptisch“ k90391E1A-BDF2-48C9-8F3A-D20E91875533ommt übrigens von der Wortzusammensetzung „hab dich!“, die ich immer dann benutze, wenn ich unter meinen Papierstapeln und Bastelhaufen endlich das Kleinteil finde, was ich gesucht habe.

Lustigerweise kommt mein Mann neuerdings des öfteren an, um sich meiner ausufernden Stickersammlung zu bedienen. Ein bisschen verwirrt, aber auch glücklich blättert er dann andächtig durch meine in Folien gesteckte Aufklebersammlung und sucht sich in paar auA8A90C88-1A5B-462C-B9CD-B1772DB32847s, die dann seine Ipadhülle verschönern sollen. Während meine Tochter eher auf golden glitzernde Einhörner steht oder auf rosa Herzen, wählt er natürlich eher die männlichen Alternativen in schwarzweiß mit Sprüchen oder der Abbildung des Eiffelturms.

 

Meiner Tochter habe ich vorgeschlagen, später Gerichtsvollzieherin zu werden. Sie liebt es, Aufkleber auf Möbel zu pappen.

 

Happy Maus, happy Haus,

Happy man, happy van,

happy wife, happy life.

Mama, ich möchte Kirschensaft!

Kindermund tut Wahrheit kund

Ein wahres Sprichwort, auch was Grammatik angeht. Manchmal benutzen Kinder Formen, die einem Erwachsenen komisch oder falsch vorkommen, die aber doch einer inneren Logik folgen.

Deshalb kam ich heute ins Grübeln, als meine Tochter mal wieder „Kirschensaft“ forderte. Ja – es heißt „Bananensaft“, IMG_1268„Aprikosensaft“ oder „Orangensaft“, weshalb dann aber „Kirschsaft“ ohne „en“?

Grammatik ist tückisch. Das wissen nicht nur meine Schüler, sondern alle Menschen, die sich mit Sprache beschäftigen und darüber nachdenken.

Nehmen wir mal „Apfelsaft“, „Orangensaft“ und „Kirschsaft“. Und jetzt erklären Sie einem Kind, weshalb sie so heißen, wie sie heißen.

  • Apfel = Nominativ, Dativ oder Akkusativ Singular
  • Orangen = jeder Fall im Plural
  • Kirsch = unvollständiges Wort

Gibts eine Regel, die dahinter steht, und wenn ja, muss man sie befolgen?

Nun, wir leben in Deutschland. Natürlich gibt es eine Regel, und natürlich muss man sie befolgen. Aber wie lautet sie?

Ich habe im Internet (Zeit online Blog: Leser fragen: Äpfelsaft?) eine interessante Erklärung gefunden: Es liegt an der einfacheren Aussprache (Orangesaft klingt ja auch viel holpriger als Orangensaft, probieren Sie mal aus):

Dabei handelt es sich nicht um Pluralendungen, sondern um sogenannte „Fugenmorpheme“, die aus Prosodiegründen eingefügt werden(…)

Das werde ich meiner Fünfjährigen gleich so erklären.

Aber erst muss ich ihr Rechtschreibung beibringen, denn sie ist verwirrt, weil Papa Pilz trinkt.

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Mit Geduld und viel Liebe zum Emoji: Wie whatsapp meine Familie zusammenhält

6B631757-68D3-4DE9-AA3B-B8E97FBACCFFEs sind Herbstferien. Zeit für die Familie. Besuche bei Omi, Kastaniensammeln mit dem Töchterchen oder shoppen mit dem Neffen.

Da wir recht weit auseinander wohnen, funktioniert das meist nur in den Ferien. Ansonsten sind wir auf whatsapp angewiesen.

Meine Mama, die Omi 👵🏻:

Ich hab ja in früheren Texten schon über sie geschrieben. Omi hat mit 70 ihr erstes Smartphone bekommen und ohne nennenswerte Berührungsängste die whatsappwelt für sich entdeckt. Sie gehört zu den Leuten, die immer sofort antworten und jede Nachricht mit einer höchst flexiblen Auswahl an Emojis verschönern. Sowas wie

Tante Charlotte geht’s leider sehr schlecht 🦄🐚😻🌧👗

Sie macht sich damit nicht über das Leiden anderer lustig, sondern versucht vielleicht mich mit ihren liebevoll ausgesuchten Bildchen zu trösten. Das weiß aber nur sie selbst.

Mein Bruder 👦🏻

Er gehört zu den Leuten, bei denen oben auf dem Display zehn Minuten lang steht „schreibt“ und bei denen man sich voller Hoffnung auf eine ausführliche Story freut, aber dann kommt nur

Danke, uns geht’s gut.

Er tippt langsam und gründlich 🤓

Mein Freund (also nicht mein Mann, sondern mein Freund. Also nix Unanständiges, er ist im Prinzip auch sein Freund, HERRSCHAFT! Wer wissen will, was ich meine, lese meinen Roman und achte auf Minchen)

Er gehört zur Spezies „whtsapp kommt mir nicht ins Haus“, und so kommuniziere ich immer mit seiner Freundin, die auch meine Freundin ist. Er ruft ihr dann die Befehle zu, und sie tippt ihre eigenen Kommentare.

Meine Tochter 👧🏼

Für sie ist WhatsApp ein wahrer Segen. Da sie Omi nur ein bis zweimal im Monat sieht, aber noch nicht schreiben kann, schickt sie ihr emojis. Also nicht so zwei, drei, sondern ganze Kaskaden. Entweder mit Dingen, die Omi mag, also

🐣🦋🐞🌹🍄🍒🍟🎂

oder mit Dingen, die sie selbst mag

🤹🏻‍♀️🥁⚽️🍫🍡🥐🌈🌹🦄

oder nach Farben geordnete Anhäufungen schöner Dinge

🐞🐞🐞🦋🦋🐞🐞🐞🦋🦋👑👑👑👑👑🦋🦋🐞🐞🐞🦋🦋

natürlich ist die Freude groß, wenn Omi antwortet:

🎃👣👔🐛🍓🥃📈

10 kleine Schülerlein 🎶🎶…

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Meine Tochter hat momentan ein neues Lieblingsspiel: Die Monster-Musikschule. Ein interaktives Musikschulspiel, in dem verschiedene Bands proben müssen, bis sie gut genug sind, um am Monster- Contest teilnehmen zu dürfen. Die Bands haben dann so tolle Namen wie „Folky Folks“ oder „Dreamy Drummers“ oder so ähnlich. Unser heutiger Musikunterricht hatte sehr viel von diesem Spiel. Ja: H100F205E-F36A-4176-A0B2-11D6993D130Eeute erzähle ich mal von den anderen Q2ern, aus dem Musik-Grundkurs. Ein paar davon sind ja schon bekannt (siehe Artikel „Die wilde 13“):

Paul, der Drummer, der immer meckert, außer, wenn er brummt. Äh, drummt.

Tom und Bibi, die auch im Musikunterricht nebeneinander sitzen, damit Bibi den Überblick behält und Pauls schlechte Witze von Tom fernhalten kann.

Maria, der südländische Temperamentsbolzen, der davon schwärmt, wie toll man auf portugiesisch fluchen kann.

Niklas, der Traumschüler, der im Musikunterricht davon profitiert, dass es auf Rechtschreibung nicht so ankommt und

Lisa, die mit Rücken und den schönen Augen.

Dazu kommen dann noch

Sid, einer der nettesten und anständigsten Leute seines Alters, die ich kenne. Jeder mag ihn, nicht jeder versteht ihn, nicht immer versteht er andere. Die Mädels wollen ihn knuddeln und beschützen, die Jungs mit ihm einen trinken gehen. Sid ist treu wie Gold und das Gegenteil von böse.

Achim ist gefühlt doppelt so groß und doppelt so breit wie ich. Wenn er wollte, könnte er mich mit einem Drumstick erschlagen. Macht er aber nicht. Achim ist sympathisch und tiefenentspannt, was heute nicht passiert, passiert morgen vielleicht auch nicht.

Jens ist manchmal so abwesend, dass er selbst nicht merkt, dass er schon da ist. Ein Künstler, ein Denker, ein Philosoph. Wenn ich das richtig verstanden habe, führt er gerne akustische Experimente mit Kettensägen durch oder spielt gleichzeitig auf fünf E-Gitarren.4BBBC624-4E3D-4021-BB61-0CA42B9074C7

Heiko liebt die Conga, die Conga liebt Heiko. Da er gerade eine richtig schwierige Phase durchmacht, verkneife ich mir jeden Witz und jede Ironie und wünsche ihm auch auf diesem Wege einfach nur das Beste.

Das Schwierige an Musikkursen ist, dass man versierte Musiker mit denjenigen zu einem Orchester verbinden muss, die Musik nur gewählt haben, weil sie noch schlechter malen als singen. (Nicht, dass die „versierten Musiker“ besser singen – Paul singt auch nüchtern wie ein Betrunkener). Ein paar, die gar keine Lust zum Musikmachen haben, bleiben dann in einer solchen Stunde mal auf der Strecke, denn einerseits können sie nur Triangel, andererseits fühlen sie sich mit der Triangel in der Hand leicht uncool. Aber meine Q2 ergibt sich ihrem Schicksal, und so setzt sich unsere „Band“ wie folgt zusammen:

  • Paul, der drummen kann und
  • ich, die ich so tue als könnte ich Klavier spielen,
  • Jens, der Gitarre spielen kann und
  • Sid, der sich gern mit Paul das Schlagzeug teilt. Das sind quasi die Musiker.
  • Dann kommt das Mittelfeld mit Tom, der alles kann, aber nichts richtig (also so wie ein handelsüblicher Musiklehrer),
  • Bibi, die die positive Ausstrahlung mitbringt, und
  • Achim, der motiviert auf die Cajon einprügelt.
  • Dann bleiben noch Maria, Heiko und Lisa.
  • Maria diskutiert leise trommelnd mit
  • dem imaginär trommelnden Heiko über wasweißich, während sich
  • Lisa ein ironisches Grinsen nicht verkneifen kann. Ob wegen oder trotz der Musik, weiß niemand.

28BAB12C-C161-4F24-8203-896F7D0B9182Als ich aus dem Nebenraum die Schneeglöckchen hole (nein, nicht die Blumen, sondern die Glockenstäbe, wie man sie gern bei volkstümlichen Weihnachtsliedern hört), blüht Maria auf. Eigentlich ist dieser südländische Temperamentsbolzen ja nur für chic und cool zu haben, aber ein Winterinstrument ist dann doch schön.

 Blues mit Glockenstäben.

Helene Fischer kann einpacken.

Die wilde 13

Ich weiß, Lehrer sollen keine Lieblingsschüler haben. Hab ich auch nicht. Ich hab eine Lieblingsstufe, und  zwar die  Q2 unseres diesjährigen Jahrgangs. Warum? Ich hab manchem schon vor zwei Jahren die ein oder andere 5 oder die ein oder anIMG_0839dere Ermahnung reinwürgen müssen, und sie grüßen mich immer noch freundlich, auch wenn sie mich gar nicht mehr im Unterricht haben. Okay, vielleicht auch genau deswegen. Sie freuen sich wie die kleinen Kinder, wenn ich vorschlage, sie könnten ja mal bei mir im Garten zelten (also irgendwann mal). „Sie sind die einzige Lehrerin, die sowas gut fände!“ naja, warum auch nicht – ich hab Würmer, Spinnen und Käfer im Garten, weshalb nicht auch Schüler.

Um mal zu verdeutlichen, weshalb das meine Lieblingsstufe ist (in diesem Fall unproblematisch, da es ja keine Parallelstufe gibt, die sich beleidigt fühlen könnte), und weil ich finde, dass die Welt diesen Kurs kennenlernen sollte, werde ich in Zukunft immer mal wieder Geschichten über die „wilde 13“ erzählen, meinen Deutsch-LK. LK bedeutet offiziell Leistungskurs oder Lektürenkarate, in meinem Fall aber Lieblingskurs. Sie haben sich schon oft gewünscht, ich solle über sie schreiben, hier habt ihr den Salat (Namen der Zutaten wurden natürlich geändert):

Lady Marian: Groß, blond und intelligent. Eine kühle Schönheit, die ebenso ein charmantes Lächeln aufsetzen wie auch genervt mit den Augen rollen kann, wenn sie ihr Handy wegpacken soll.

Tom und Bibi: Mittlerweile unzertrennlich. Ich wünsche mir, dass Tom und Bibi wie im Peter Foxx-Lied „Haus am See“ noch in 60 Jahren zusammen sind, 20 Kinder und 40 Enkel haben und mich zum Tee einladen. Okay, dann bin ich 100, aber Tee kann auch im hohen Alter nicht schaden. Tom könnte einem Beduinen Sand als Deko oder einem Bänkler 10-Euroscheine für 15 Euro das Stück verkaufen, Bibi würde zwar missbilligend gucken, aber dennoch die Kundschaft loyal mit Kaffee und Kuchen versorgen.

Paul ist Trommler. Und erwürgt mich im Geiste, wenn er dies liest, weil der Ausdruck „trommeln“ unter der Würde eines höchst begabten Drummers ist, wie ich gelernt habe. Paul hat auf alles eine Antwort, auch auf die Fragen, die nie gestellt wurden. Er sucht den Spaß, den Sinn des Lebens, manchmal auch das Weite. Doch er findet meist nur: Schule doof. Aber er gibt sich Mühe.

Niklas ist ein wahrer Traumschüler: Immer freundlich und gut drauf, intelligent, bestens vorbereitet und trotzdem kein Streber. Keine Ahnung, wie er das macht. Genau wie Tom ist er eine offene, interessierte Persönlichkeit ohne störende Rechtschreibtenzenden, was vielleicht daran liegt, dass beide eine Montessori-Schule besucht haben.

Lili wird immer meine Frau Nimptsch bleiben (die alte niedliche Ziehmama aus „Irrungen, Wirrungen“): Die blonden Haare meist wirr zu einem Dutt hochgesteckt, Brille schief auf der Nase und lächelnd in ein Buch vertieft oder dabei, das Wochenende zu planen. Mit einem Nachnamen, der an Sommer und Schmetterlinge erinnert.

Maria ist eine insIMG_0919 Leben explodierende südländische Schönheit, ebenso stur wie herzlich. Wenn Maria lacht, geht die Sonne auf, wenn sie gerade beschließt, dass das Leben ein mieser Verräter ist und sich alle besser von ihr fernhalten sollten, sucht man am besten das Weite. Man könnte sich in einem Zelt in meinem Garten verstecken.

Lisa hat die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Seltsamerweise sind es immer die Menschen mit den größten Problemen, die am zuverlässigsten sind.  Lisa hat in den gesamten letzten zweieinhalb Jahren höchstens dreimal in meinem Unterricht gefehlt, obwohl sie mit so ziemlich allen Knochen Schwierigkeiten hat, die es gibt. Da könnte sich manche Sportflüchtige a la „Herr Meiners-Schulze, ich kann heute nicht rennen, ich hab meine Tage“ eine Scheibe von abschneiden.

Marie ist sehr still und wirkt im Unterricht oft, als wolle sie möglichst niemanden stören, schreibt dann aber gute Klausuren. Ihre Schrift ist so schön wie ihre Haare und ihr Nachname, und ich hoffe, dass sie ihre Stimme in der Welt noch finden wird.

Kathi ist unverzichtbar, wenn es darum geht, meine Tippfehler an der Tafel zu entdecken. Kathi hat die Ruhe weg, sitzt ergeben zwischen den anderen und zählt die Tage bis zum Abitur. Das hält sie aber nicht davon ab, produktiv am Unterricht teilzunehmen und für viele eine gute Freundin zu sein. Nach der ganzen Schulplackerei wird sie sicher etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anstellen.

Max geht kellnern. Natürlich nicht im Unterricht. Obwohl er das bestimmt gerne täte. Vermutlich denkt er während Herders Abhandlung über die Sprache an sein letztes Trinkgeld, aber es sei ihm gegönnt. Man muss mit allem rechnen – Euros, Cents, aber halt leider auch immer mit der nächsten Deutschstunde.

Simone ruht in sich. Ich habe Simone (wie im übrigen auch Niklas, Lili und Lisa) noch nie schlecht gelaunt erlebt. Simone schreibt bessere Arbeiten, als ich es je getan habe und ich hab schon überlegt, wenigstens die Hälfte der Klausuren einfach von ihr korrigieren zu lassen.

Lucia ist die Zuverlässigkeit in Person. Sie ist da und wird immer besser. Schriftlich hat sie sich in den letzten Jahren von einer 4 auf eine 2 hochgearbeitet, und mündlich wurde aus der einen (von mir) heiß ersehnten Wortmeldung pro Monat eine regelmäßige Mitarbeit in jeder Stunde. Dabei grinst sie manchmal leicht ironisch, als wollte sie sagen „Ja, genau, ich bin’s.“

Wenn wir einen schwierigen Text besprechen (immerhin sind wir ja ein LK, also Lektürekarateklub) sieht das so aus:

  • Niklas, Lady Marian und Simone schmeißen die Stunde. Eigentlich könnte ich die anderen nach Hause schicken und mich nur mit den dreien unterhalten.
  • Paul macht oft mit, doch manchmal verzettelt er sich auf der Suche nach der richtigen Antwort und sucht eher nach einem Grund, dem Unterricht zu entfliehen. Dann muss er ganz dringend mal eben die Abifeier planen, das Schul-Drumset kritisieren oder einfach nur herummeckern.
  • Lili wirft ab und zu einen schlauen Beitrag ein, und blickt den Rest der Zeit sehr intelligent drein.
  • Befindet sich Maria auf der Gefühlsskala eher auf der Sonnenseite, diskutiert sie heftig und macht keine Gefangenen. Also meist, wenn es um Promis oder Labels geht (im Deutsch-LK eher selten). Ist das Leben wieder böse, buddelt sie sich hinter ihren Zettelstapeln ein und seufzt.
  • Tom und Bibi schreiben fleißig mit, und wollen sich just in dem Moment melden, als
  • Kathi auffällt, dass ich – natürlich aus Versehen – statt „Humboldt“ „Hudnviglrn“ geschrieben habe.
  • Max schreibt ebenfalls brav mit und lächelt so sympathisch, dass ich es nicht übers Herz bringe, ihn dranzunehmen.
  • Lisa, Marie und Lucia sagen nichts, aber wenn man sie um einen Beitrag bittet, bekommt man eine intelligentere Antwort als von Niklas, wenn er sie schreiben müsste.

Neulich hat Paul den Kaffee gekocht. Naja, ehrlich gesagt hat er Wasser gekocht. Der Kaffee war noch in der Packung, aber das ist schließlich besser fürs Herz.

Ja, das ist meine wilde 13. Manche sind mehr 13 als wild, andere sind wild wie 13Jährige, aber alle geben ihr Bestes.

Und sei es nur ein Lächeln, weil sie wissen, wen ich mit „HudnvigIrn“ meine.