5 Gründe, weshalb Kinder keine Bücher lesen sollten

fullsizerender1) Lesen bildet. Dass es Sumerer, Attila, den Hunnenkönig oder Pompeji gab, weiß ich nicht aus dem Geschichtsunterricht, sondern habe ich zum ersten Mal in meinen Micky-Maus- und Donald-Duck-Büchern gelesen. Wie es in Deutschland in den Jahrzehnten um 1900 ausgesehen hat, weiß ich von „Trotzkopf“ oder „Nesthäkchen“. Aber da es natürlich nur gerecht ist, wenn alle Kinder, die den Unterricht besuchen, gleich viel oder wenig wissen (man soll ja heutzutage auch die Rechtschreibfehler seines Kindes nicht mehr verbessern, es soll so schreiben, wie es hört, meint oder fühlt), sollten sie möglichst auch keine auffälligen Geschichtskenntnisse haben, die dann im Unterricht zu Langweile führen, weil man das ja alles schon weiß.

2) Lesen entführt in eine andere Welt. Dort kann man sein, wer man will – Winnetou, Prinzessin oder ein Hobbit. Man kann sein, wie man will – für das Gute kämpfen, das Böse verkörpern oder einfach in Bullerbü mit den netten Kindern Baumhäuser bauen. Doch die Kinder von heute sind schon abgelenkt genug, wie sollen sie neben Hausaufgaben, handelsüblicher iPad- und Smartphonebedienung jetzt auch noch zum Lesen kommen.

3) Lesen hilft dabei, sich im Leben zurechtzufinden. Eine Geschichte, die mich bis heute prägt, ist Momo. Heute so aktuell wie nie beschreibt sie, was Zeit bedeutet, wie sorgsam man mit ihr umgehen sollte, dass man auf der Jagd nach Zeitersparnis genau das Gegenteil erreicht. Auch, wenn wir mit Helden mitfiebern, die uns zeigen, dass Außenseiter oft die besseren Menschen sind, lernen wir dazu. Vorbilder prägen uns, auch literarische. Aber wenn einem schon die ganzen KindergärtnerInnen und LehrerInnen ständig in die Erziehung funken, dann doch bitte nicht auch noch Meister Hora oder Albus Dumbledore.

4) Lesen tröstet. Wenn man gemobbt wird, schlechte Noten bekommt oder sonst wie Ärger hat, kann man sich mit einem Buch (und Schokolade) in seine Kuschelkissen zurückziehen und ein paar Stunden in eine Welt flüchten, die besser, anders und schöner als die eigene ist. Und das wollen wir ja nicht. Unsere Kinder sollen keine Träumer werden, sondern lernen, sich mit der harten Realität auseinanderzusetzen.

5) Lesen trainiert die eigene Sprache – ohne büffeln. Klar ist man besser in Rechtschreibung und Ausdrucksvermögen, wenn man viel liest. Einfach dadurch, dass sich das Hirn ständig bewusst und unbewusst mit Sprache beschäftigt. Man „weiß“ einfach, wie bestimmte Wörter buchstabiert werden, und man bekommt einen größeren Wortschatz. Aber wir wollen ja keine Eliteschüler, Besserwisser oder Streber großziehen.

Also:

Sagen wir unseren Kindern täglich, dass Lesen schädlich ist, aber nehmen wir dabei stets ein Buch in die Hand, denn wir wissen ja: Kinder folgen unserem Rat, nicht aber unserem Beispiel.

Oder hab ich da was verwechselt?

„Muß Te l@n’g AUF BUS War Te n“: Omi hat jetzt WhatsApp

Wenn Eltern ihre Kinder überraschen…

Meine Mama ist 73.

Ihr Handy ist vermutlich zwischen den beiden Weltkriegen entstanden. Zu Weihnachten haben wir, ihre Kinder, also beschlossen, dass es Zeit für ein Smartphone ist. Wir wohnen nicht nahe beieinander, und ich möchte meine Mama durch Fotos an unserem Alltag teilhaben lassen. Also sind wir losgezogen und haben ein schönes Exemplar für Senioren ausgesucht: Leicht zu bedienen, großes Display.

Natürlich hatten wir ein wenig Sorge, sie zu überfordern. Was ist, wenn sie keine Lust hat, soviel Neues zu lernen (und für sie bedeutet ein Smartphone sehr viel Neues, sie hatte bisher keinen Internetanschluss, keine Ahnung von Apps und hat mit ihrem Handy nur telefoniert und gesmst), wenn sie verzweifelt, weil sie Angst hat, uns zu enttäuschen?

Weit gefehlt.

Mümmis erste Reaktion: „Na, ich hoffe, ihr habt Geduld, mir das beizubringen.“

Haben wir. Und jetzt übt sie. Jeden Tag. Natürlich lachen wir uns kaputt, wenn whatsapps kommen wie

„Bin DA HEIM… Muß Te l@n’g AUF      BUS War Te n.“,

aber wir lachen niemals über sie, sondern mit ihr. Wir haben großen Respekt davor, wie vorurteilsfrei und interessiert am Lernen sie sich darauf einlässt und jeden Tag besser wird.

Einer meiner vielen Vorsätze für das neue Jahr ist, das Alter noch mehr zu respektieren. Sowohl nach oben als auch nach unten. Also, die Jugend für ihre Talente, und auch die weisen Semester. Manchmal bin ich einfach zu ungeduldig: In der Schule, obwohl mir natürlich klar ist, dass die Jugendlichen noch nicht alles wissen können, und bei meiner Mama, obwohl ich weiß, dass mit dem Alter das Gehör und die allgemeine Schnelligkeit abnehmen. Wer weiß, was meine Kinder und Enkel mir später augenbrauenhochziehend beibringen müssen… Demut, Demut.

In diesem Sinne:

Ein gutes neues 2017 – Eltern, Lehrer, Kinder, Schüler, überrascht und respektiert euch!

Original und Fälschung: Ein Weihnachtsgedicht für alle Klausurschreiber

Das Original: Theodor Storm: Knecht Ruprecht

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolche‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“
— „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier:
Denn Apfel, Nuß und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“
— „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun spreche, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

 

Die Fälschung: Tina Flynn: Für alle Klausurschreiber kurz vor Weihnachten

Von zuhaus, aus’m Bette komm‘ sie her;
Auch wenn sie wissen, es weihnachtet sehr:
Allüberall auf den Klassensitzen
sieht man Schüler in ihre Spickzettel blitzen.
Und vorne von dem Lehrerpult
Sieht mit großen Augen der Lehrer voll Huld,
Und wie sie so interpretieren durch finstere Tiefen,
hört man den ein oder anderen schniefen.
„Gesundheit“, ruft man, siebzehn mal,
der Kranke schaut hoch, verschnupft voll Qual.
Die Schulglocke fängt zu bimmeln an,
Die Klausur beginnt, nun kommt’s drauf an!
Mädchen und Jungen sollen nun
nicht eher von der Arbeit ruhn,
als bis die Bögen vollgeschrieben,
sie sind nervös, hoffnungsvoll, getrieben.
Ein Schüler seufzt: „O elender Mist,
Meine Reise hier zu Ende ist;
Die Aufgabe ist Mist auf diesem Blatt,
mein Latein ein Ende hat.“
„Hat jemand einen Killer für mich?“
Man spricht: „Hier, nimm, der ist für dich.“
Denn Killer, Spitzer, Taschentücher
Fehlen genau so oft wie Bücher.
„Wieviel Zeit haben wir noch hier?“
Der Lehrer spricht: „Noch der Minuten vier.“
Den guten Schülern zu wenig, den andren egal,
Dann geben alle ab, siebzehn an der Zahl.
Der Lehrer spricht: „So ist es recht;
So geht mit Gott, ihr treuen Knecht‘!“
Nach Haus‘ ins Bette gehen sie dann;
und fangen gleich zu grübeln an:
Im Prinzip wissen sie geschwind:
Sind’s fleiß’ge Kind, sind’s faule Kind?

Viel Erfolg, Glück, Selbstbewusstsein und was man sonst so braucht (außer Spickzetteln) 😉

Wenn Schüler austeilen… ;-)

5 Punkte, die den Lehrerberuf einerseits so toll und andererseits so nervtötend machen (die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen)

5 Punkte, die den Lehrerberuf so toll sein lassen:

Jeder findet seinen Platz. Egal, ob der sympathische Nerd, die coole Rampensau oder die verlässliche Vaterfigur – jeder Menschentyp findet in der Schule seine Nische und hat die Möglichkeit, durch freundliches Auftreten, besonderen Humor oder fundiertes Fachwissen Sympathien und Respekt zu erlangen.

Man ist sein eigener Chef, ohne die ganze Verantwortung allein tragen zu müssen. Der Lehrer muss natürlich diverse Richtlinien und Lehrpläne beachten, aber solange er sich halbwegs vernünftig verhält, ist er Chef im Ring und kann seinen Unterricht so gestalten, wie er möchte. Wenn wirklich mal die Hütte brennt, kann man sich aber immer noch in die Arme der Schulleitung flüchten.

Man arbeitet mit Menschen, nicht mit Robotern. Haben Sie schon einmal einem Bankberater gegenübergesessen, sich in seinen Augen verloren und gefragt, ob hinter seinen ganzen Phrasen und auswendig gelernten Formeln ein menschliches Wesen haust? Lehrer brauchen das nicht. Sie kriegen den Menschen pur, denn Kinder und Jugendliche sehen noch nicht ein, warum man sich verstellen sollte. Wenn sie dich toll finden, zeigen sie das genau so, als wenn sie dich für eine völlig überbezahlte Pädagogennull halten. Außerdem kann man mit ihnen noch über jedes Thema diskutieren, weil sich ihre Ansichten, Vorurteile und moralischen Werte noch nicht so verfestigt haben wie bei manchem Erwachsen, der glaubt, die Wahrheit gepachtet zu haben.

Man muss sich nicht mit Kollegen herumschlagen (meistens). Bisher habe ich Lehrer als sehr friedfertige, kommunikative Menschen kennen gelernt, mit denen man „über alles reden“ und mit denen man sowohl sein Unterrichtsmaterial, als auch Sorgen und Nöte teilen kann. Beruflichen Neid erlebt man selten, warum auch, jeder macht sein eigenes Ding. Auch um die Urlaubswochen muss man sich nicht prügeln – die Ferientermine stehen ja für alle gleich fest.

Egal, ob man „was mit Menschen“ oder „was mit Medien“ machen wollte – nirgends kann man sich so gut selbst verwirklichen, wie hier. Und das bei regelmäßigem Gehalt. Klar stehen meine Unterrichtsthemen fest, aber ob ich meine Reihe zu Kafka als digitale Präsentation, Theatererlebnis oder frontalunterrichtsbasiertes Unterrichtsgespräch gestalte, bleibt mir überlassen. Der Überpädagoge kann viel seiner Zeit in Gespräche einfließen lassen, sich im Bereich Sozialpädagogik stark machen, der künstlerisch angehauchte Mensch kann seine Arbeitsblätter selbst gestalten oder Konzerte organisieren, der Literat die Bibliothek führen oder eine Schülerzeitung betreuen, der Sportler ganze Wettkämpfe ins Leben rufen und und und… Außerdem gibt man den vielen Menschen ein bisschen von sich selbst mit, und wenn das bedeutet, dass ein Mensch durch mich ein wenig selbstbewusster, ein wenig fröhlicher, ein bisschen schlauer oder in irgendwas ein bisschen besser geworden ist, dann ist Lehrer der schönste Beruf der Welt.

 

5 Punkte, die den Lehrerberuf so nervtötend machen (wenn man eine volle Stelle hat):

Man hat nie frei. Immer liegen irgendwelche Korrekturen auf dem Schreibtisch. Irgendwelcher Unterricht ist immer vorzubereiten. Und selbst wenn nicht, KÖNNTE man ja schonmal die nächste Reihe planen, Frau Meyer anrufen oder die neue Sitzordnung der 6c zusammenfriemeln. Eltern rufen einen auch gern mal abends und am Wochenende an, und wenn sie einen beim Einkaufen ertappen, verwickeln sie einen mit der Formulierung „Ach, wo ich Sie grad sehe“, gern in ein Gespräch über den Entwicklungsstand ihres Sprösslings.

Man darf nicht jammern. Wenn Geschäftsleute, Krankenschwestern oder Rechtsanwälte über zuviel Arbeit klagen, dürfen sie sich des allgemeinen Mitgefühls sicher sein. Wenn Lehrer das tun, jammern sie und bekommen zu hören, dass sie keine Ahnung von „der Welt da draußen“ hätten und schließlich als einzige Wesen des Universums 12 Wochen Ferien, also DREI MONATE BEZAHLTE FERIEN im Jahr hätten. Dass das unterrichtsfreie Zeit und nur im Sommer wirklicher Urlaub ist, zählt nicht. Denn unterrichtsfreie Zeit ist ja nicht nachprüfbar. Ob der Kollege den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und Mathe korrigiert oder Clash of Clans spielt – wer will das wissen…?

Jeder kann es besser als man selbst. Egal, ob es um Zeitmanagement, schwierige Schüler, Notengebung oder allgemein Unterricht geht, schnell sind die Leute mit dem Satz „du musst doch nur…“ zur Stelle. Jeder kann lebendiger unterrichten und fairer korrigieren als Lehrer.

Man soll für die Fehler anderer geradestehen. Malte-Jonas-Benjamin hat eine 5? Sarah-Joelina hat sich geprügelt? Florian weigert sich, Hausaufgaben zu machen? Da haben wohl wieder die Lehrer geschlampt. Nicht richtig aufgepasst, nicht gut erzogen, langweiligen Unterricht gemacht und überhaupt – nicht richtig motiviert.

Man soll Wunder vollbringen ohne Zauberstab und jegliche magische Formel. Wenn man das nicht schafft, ist man inkompetent oder überfordert. In Klassen von bis zu 36 SchülerInnen verschiedenster kultureller, erziehungstechnischer und bildungsbezogener Voraussetzungen sollen die Lehrer es innerhalb von 45 Minuten schaffen individuell auf jeden einzugehen, seinen Stoff zu vermitteln, Freude zu verbreiten und noch dazu zu jedem einzelnen Schüler Lern- und allgemeinen Entwicklungsstand festzuhalten. Stella, die von ihren Eltern kein Nein kennt, Flo, dessen Eltern in Scheidung leben, der grad total abdriftet und Elvira, die kaum Deutsch spricht. Max, der voller Wut im Bauch nur provoziert, Steffi, die total lieb, aber hoffnungslos überfordert ist und Till, der von anderen gemobbt wird und sich nicht traut, den Mund aufzumachen. Klingt schwierig? Aber ich bin doch erst bei Schüler Nr. 6 von 36…

Wo auf dieser Skala von toll bis nervtötend die Wahrheit liegt, und ob es noch weitere Punkte auf jeder Seite gibt, muss jeder Lehrer für sich entscheiden 🙂

Mein PINKer Ford METALLICA missfällt der QUEEN

Mein Name ist Floy.

Ich weiß.

Dafür kann ich aber nichts.

Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Australier. Mama wollte mich Flo nennen, Papa Joy, und so ist Floy draus geworden. Und heute, an Weihnachten, war der Joy bei Floy besonders groß, weil meine verrückte australische Tante Mary zu Besuch kommen würde. Schon den ganzen Tag klatschte ich wie blöd in die Hände, lachte, und freute mich. Tante Mary Strollings war eine richtige Queen, ach, was sage ich, ein bunter, schriller Vogel Strauß des Alltags. Von den Ärzten hat sie mehr Beruhigungstabletten verschrieben bekommen, als eine Elefantenherde bräuchte, trotzdem war alles für sie ein Aufreger. Dann war sie da. Brennend wie ein Dynamo, zart wie bereits erwähnte Elefantenherde. „Oh, Floy, mein Bernstein„, sagte sie in diesem markerschütternden Strollings-Ton, „es freut mich wahnsinnig, dich zu sehen!“, dann fiel ihr Blick auf meine Kunstsammlung über der Kommode in der Diele. Naja, eher Kunstdrucksammlung. „Rembrandt! Ich liebe the Rembrandts!“, schrie sie verzückt. „The who?“, gab ich ungerührt zurück. Ich hatte das Bild gekauft, weil es mir gefallen hatte, keine Ahnung, wie der Maler hieß. Mary schüttelte nachsichtig den Kopf. „Du little Kunstbanausin. Wieso gehst du überhaupt nicht ans Telefon? Ich hab dich fünfmal angerufen!“ „Es ist kaputt“, erwiderte ich. „Dann musst du wohl mal den Telemann anrufen.“ „Wen?“ Ach so. Sie meinte den Mann von der Telekom. „Wie soll ich den anrufen, wenn mein Telefon kaputt ist?“ Mary lachte. „Was ist mit deinem Handy?“ Ja, ich hab ein Handy. Aber ich hasse die Telekom und genieße es, mal nicht erreichbar zu sein. Ich wechselte das Thema und kam auf Tante Marys Liebesleben zu sprechen. „Was machen deine Beach Boys, deine australischen Prinzen?“, fragte ich grinsend. Sie errötete. „Non, ma chère“, wechselte sie in einwandfreies Französisch, „ce n’est pas bon.“ Jovial ließ ich sie damit in Ruhe. Aber sie rächte sich direkt. „A propos Prince– Ich will ja nicht gleich mit the Doors ins Haus fallen, non, aber was ist denn mit deinem Liebesleben? Immer noch toten Hosen, nicht?“ Ich verzichtete darauf, sie für ihr schlechtes Deutsch zu rügen, geschweige denn, zu antworten und bat sie ins Wohnzimmer. Dort kam der nächste Schub. „Erträgst du diesen pinken Kitsch immer noch?“, fragte Mary und wies auf das Bild von Schnabel vis-a-vis. „Ein Geschenk deiner Mutter, ich weiß, aber pink, Floy? Das sieht grauenhaft aus. Genau wie dein Auto draußen.“ Mein schöner Ford Metallic. Ausgerechnet. Mein Zweitwohnsitz. Ich liebe es, mit einem guten Buch in ihm zu sitzen, das Radio voll aufzudrehen und den Beat lesend zu genießen. „Außerdem musst du endlich aus dieser gefährlichen Gegend wegziehen, back nach Australia!“, rief sie besorgt. „Du kannst zu mir ziehen, Floy. Come back. Streetboys überall hier und New Kids on the Block, sie nehmen dir dein Geld ab und ramm‘ Steine in dein Auto. Hier wird doch vermutlich jeden Tag einmal the police gerufen.“ Sie kramte in ihrer Handtasche und gab mir eine Karte. „Take that. Ein sehr guter Makler bei mir downunder.“ Soweit kommt es noch. „Tante Mary, zieh hier nicht so eine Show ab. Bad Kissingen ist meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Ich hab hier Zivilisation, aber auch Wälder, einen Bach, einen Berg-“ Doch sie rümpfte die Nase. „Schön, Berg ist gut. Aber bei uns hast du alles – Wüste, City, Dschungel, Meer, den Timber-Lake“ Plötzlich strahlte sie mich wieder an. „Ich rede und rede, dabei bin ich doch aus einem bestimmten Grund gekommen. Merry Christmas, Liebes, hier, ich habe wahnsinnig tolle Geschenke für dich!“ Und damit packte sie schreiend bunte Päckchen aus. Also, nicht sie schrie. Die Päckchen waren schreiend bunt.

Meine Tante Mary. Ein bisschen Madonna, ein bisschen Santa. Na, wenigstens niemals langweilig…

Generationenkonflikt – was ist das, und wozu ist sowas gut?

Toleranz und Nächstenliebe, ein im Moment vieldiskutiertes Thema. Mir geht es heute allerdings nicht um verschiedene Religionen oder Nationalitäten, sondern um den sogenannten Generationenkonflikt. Was ist das, wozu ist es gut, und wer zum Donnerdrummel hat es erfunden?

Der Begriff „Generation“ ist schon schwierig, weil er Menschen scheinbar voneinander trennt bzw. in verschiedene Schubladen ordnet, die eigentlich sehr viel miteinander gemeinsam haben. Schade eigentlich, wenn „meine Generation“ davon ausgeht, dass die „Jugend von heute“

  • keinen Respekt mehr vor dem Alter hat
  • nichts kann, aber alles besser weiß
  • Zeit mit Unwichtigkeiten vertrödelt, statt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren
  • immer oberflächlicher wird und keine Werte mehr hat.

Oder wenn „meine Generation“ der Jugend unterstellt, dass sie über das „Alter“ (was auch immer das ist) denkt:

  • stur und rechthaberisch
  • mit denen kann man nicht reden
  • kein Verständnis für die Jugend
  • hören nie zu, aber wissen alles besser

Ich arbeite selbst in einem Beruf, in dem ich mit mehreren Altersklassen zu tun habe. Und auch ich rege mich manchmal darüber auf, wenn ich Kollegen über die „schreckliche Jugend von heute“ reden höre und mich frage, ob sie sich an ihre eigene Jugend denn so gar nicht erinnern können? Mit 16 lagen nunmal die Prioritäten nicht in der Schule, sondern in existenziellen Fragen. Mann wurde erwachsen, musste sich selbst finden, sich gegen andere behaupten und seine Zukunft planen. Die ewig mobbende Mädelsqlique zu überleben war weit wichtiger, als in Mathe eine 2 zu schreiben. Und auch die Jugendlichen wirken auf mich manchmal durchaus sehr kalt in ihrer Schwarzweißmalerei, und unbarmherzig, wenn es für sie nur richtig und falsch und anscheinend keine Zwischentöne gibt.

Doch sollten wir uns nicht mehr auf das Verständnis des Menschen an sich konzentrieren – ohne auf das Alter zu schauen. Denn die Lehrer waren früher auch mal Schüler. In der Regel wissen sie (noch), wie sich Jungsein anfühlt, mit welchen Problemen man sich herumschlägt. Die Waffen haben sich geändert, doch die Probleme sind seit Anbeginn der Zeit dieselben geblieben. Und die Jugendlichen sind die Zahnärzte, Bankangestellten oder Lehrer von morgen – die in zehn, zwanzig Jahren vielleicht unsere Zahnschmerzen heilen, Kredite verteilen oder unsere Enkel unterrichten. Und das genau so gut oder schlecht, wie „unsere Generation“ es ihnen beibringt. Wenn man die Menschen schon in Generationen unterteilen muss, dann darf man aber auch die guten Seiten nicht außer Acht lassen, oder?

Junge Menschen sind (Ausnahmen bestätigen die Regel)

  • offen für alles, interessiert an Diskussionen
  • sind geradeheraus und haben noch nicht gelernt, sich zu verstellen
  • hören auf ihr Herz und ihr Bauchgefühl

ältere Menschen sind (Ausnahmen bestätigen die Regel)

  • erfahrungsreicher und haben schon viele Abgründe gesehen
  • wissen vieles und kennen einige Problemlösungsstrategien
  • haben schon einiges in ihrem Leben geleistet

Allein dafür gehört all diesen Menschen Respekt. Doch sie sind so viel mehr als das.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Ein Alters- oder Pflegeheim hatte die Idee, nicht nur die Portraits ihrer Patienten bzw. Bewohner aufzuhängen, sondern zu jeder dieser Persönlichkeiten eine Collage mit Fotos von ihrer Kindheit bis ins hohe Alter. So sahen die Pfleger nicht nur die Alten, sondern die Menschen an sich, die genau wie die Pfleger früher einmal Pläne und Hoffnungen hatten, gekämpft haben, wichtige Aufgaben in ihren Berufen und Familien erfüllt haben. Vielleicht sitzt Frau Müller jetzt sabbernd in ihrem Rollstuhl und erkennt nichtmal mehr ihre Tochter, doch sie ist deshalb nicht weniger wert. Frau Müller hat mit 17 viele Sportpreise im Schwimmen gewonnen, drei Kinder zur Welt gebracht und großgezogen und 40 Jahre lang einen Kindergarten geleitet. Lutz, der Pfleger, arbeitet viel und verdient wenig. Seinen Schulabschluss hat er mit Ach und Krach geschafft. Doch er wird in seinem Leben nach einer Zusatzausbildung seine eigene Physiotherapiepraxis eröffnen und vielen Menschen helfen. Er wird einen Sohn zeugen, der später Arbeitgeber von 300 Angestellten sein wird, und er wird ein liebevoller Vater, Ehemann und Großvater sein.

Frau Müller und Lutz gehören nicht zur älteren oder jüngeren Generation. Sie gehören in keine Schublade. Sie sind großartige Menschen. Frohen ersten Advent!

 

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Kleine kreative Schreibübung für zwischendurch (war ein langer Tag ;-))

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Sie war sagenumwoben.
Sie war launenhaft.
Sie war eine Schrumpfmuffe.
Allein der Name Schrumpfmuffe gebot Launenhaftigkeit. Wer geschrumpft und dazu noch muffig ist, muss sich etwas ausdenken, um mit anderen Dingen als seinem Äußeren Eindruck zu schinden. Also beschloss sie, sich mit Sagen zu umweben, darin sind besonders südostasiatische Schrumpfmuffen Experten. Sie umgab sich mir der Aura des Mysteriösen.
Betagt und runzlig wie die uralte Morla aus der „Unendlichen Geschichte“, aber natürlich sehr viel kleiner, ließ sie verbreiten, dass sie wahrsagen könne. Und tatsächlich kamen Wesen unterschiedlichsten physischen und psychischen Ausmaßes zu ihr, um sich von ihr in die Karten bzw. in die Zukunft schauen zu lassen. Aber die Schrumpfmuffe war launisch. Nur, wenn es ihr wirklich gut ging, gab sie sich Mühe, aus den zahlreichen Handfalten, Kaffee- oder Kartensätzen irgendwelchen Mumpitz zu lesen. Hatte sie schlechte Laune, und das traf auf 364 Tage des Jahres zu, erzählte sie immer dasselbe: „Ordne deine Angelegenheiten, denn du wirst bald sterben.“
Die Schrumpfmuffe wurde weltberühmt.
Trat ihre Vorhersage ein, hatte sie Recht behalten und an der Genialität ihrer Person war nicht zu zweifeln. Blieb das jeweilige Wesen am Leben, war es so glücklich über diese Fügung, dass es vor Dankbarkeit nicht auf die Idee kam, die Schrumpfmuffe der Scharlatanerie zu bezichtigen.

Und so lebt die alte, runzlige Schrumpfmuffe bis heute irgendwo in Südostasien und webt sich in einen Kokon aus Launen und Sagen.

Diese Geschichte ist in folgende Sprachen übersetzt worden: „
Schrümpfmüff“ (türkisch), „Schrömpfmöff“ (schwedisch), „Dä Sägä vän där Schrämpfmäff“ (finnisch) und „Scrympfmyffcz“ (polnisch)

5 sehr emotionale Momente vor und während der Durchführung eines Kindergeburtstages

Platz 5

Madame wird fünf wunderbare Jahre alt, und man plant natürlich den tollsten Geburtstag ever. Nur leicht nervös dadurch, dass es anscheinend gerade in ist, für den großen Tag der Kleinsten einen Clown oder Zauberer zu bestellen und die Cupcakes passend zur Zimmertapete zu dekorieren. Man freut man sich auf einen netten Spielenachmittag mit den süßen vier kleinen Freundinnen und Freunden von Madame, als diese ihre Wunschgästeliste aufzählt und bei „neun, Marie, zehn, Lukas“ immer noch nicht aufhört.

Platz 4

Man hat eins der Lieblingsessen aller Kinder gemacht und trägt stolz und erwartungsvoll die Minipizzen zum Tisch, da geht der Sturm los:

„Was ist das?“ „Ich mag keinen Schinken.“ „Ich mag keinen Käse.“ „Meine Mami sagt, Fleisch ist pfui.“ „Was gibts denn sonst noch?“ „Was ist das Dunkle da?“ „Ieh, das stinkt.“

Platz 3

Man scheucht alle Kinder zur Seite, um Platz für acht Stühle zu haben für die Reise nach Jerusalem. Plötzlich fällt ihnen auf, dass sie da so in Reih und Glied stehen, das Erste fängt an, und dann stimmen alle ein wie die Engel:

„Sankt Maaaaartin, Sahankt Maaaaaartin, Sahankt Martin ritt durch Schnee uhund Wind…“

Platz 2

Irgendwann werden plötzlich alle ruhig und müde. Man selbst hat Zeit, sich kurz auf die Couch zu setzen. Plötzlich kommt ein Kind von rechts, legt sein Köpfchen auf meinen Schoß und ein Kind von links lehnt sich an meine Schulter. Ein Drittes rollt sich zu meinen Füßen ein, ich bin umgeben von Vertrauen und Wohlbehagen. Als mir auffällt, dass keins davon mein Kind ist, bin ich gewiss, dass die Party doch ganz gut laufen muss, wenn sie mich so fraglos vom Zirkusdirektor (Flohzirkus) zum Kuschelkissen umfunktionieren.

Platz 1

Madame starrt zwischen ihrer Aurora-Barbie (Dornröschen) und mir hin und her und sagt:

„Du bist viel schöner, Mama.“

JETZT

muss ich wirklich weinen.

So ein kleines, heimliches Tränchen.

Kinder sind so genial. Kompromisslos in allem. In ihrer Liebe, in ihrer Abneigung, in ihrer Lebensfreude.

Sagt der Günther zum dürren Matt…

Der junge, etwas schlaksige Matt und sein Freund Günther, ein Hesse, gingen auf den Weihnachtsmarkt. Sie wollten ein bisschen Glühwein bechern, Gras schnupfen und den schönen Weihnachtsliedern lauschen. Sie waren in rührseliger Stimmung, denn Matt hatte nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Bühnenarbeiter in einem Kellertheater bekommen, und Gunther hatte doch tatsächlich im Lotto gewonnen. nicht viel, aber genug, um sich und seinem Kumpel einen netten Abend zu gönnen. „Alles singt, ist das nicht schön“, rief Matt, und Gunther fiel weniger schön, aber dafür laut mit ein in den Kinderchor, der „Friede den Menschen“ sang. „Jetzt haben wir das Go. Et het noch immer jot jegange!“, seufzte Matt glücklich. „Noch ein Bier, Mann?“ Das war nach dem Glühwein vielleicht nicht die beste Wahl, doch dem dürren Matt war das egal. „Oder willste erst nen Bratfisch haben? Nein wird nicht akzeptiert.“ Doch Günther zog seinen Kumpel mit auf den großen Marktplatz, wo in einer Stunde ein Feuerwerk stattfinden sollte. „Ich liebe das Geböll„, sagte er, „und wegen der ganzen Kindheitserinnerungen werden meine Augen feucht. Wange, rote Wange von den ganzen Tränen. Ich liebe  Weihnachten“, schmolz der Mann dahin. „Brecht mir hier nicht in Tränen aus!“, grölte eine tiefe Stimme. „Hein!“, erkannte Matt ihn sofort, „was machst du denn hier?!“ Hein war sein Nachbar. „Ich lauf rüber in die Büchnerei, besorg ein paar Romane für meine Frau, und für meine Mutter noch ne CD von Bach, Mann. Dann fahr ich rüber ins Eichendorf, frische Tannenzweige holen. Sie dekoriert doch jetzt. Bei uns zuhause ist mehr Weihnachten, als in jedem Bastelladen.“ Matt und Günther lachten. Hein fuhr fort: „Überall Kerzen und Kugeln, es blinkt und schillert wie in einem Spiegelsaal. Matt, wie gehts deinem Kleinen?“ Matt war vor wenigen Tagen Vater geworden und die Ärzte hatten sich ein wenig Sorgen um die Beschaffenheit des Kopfes gemacht. Nicht seines Kopfes, sondern dem des Babys. „Schreit er immer noch soviel? Sind die Fontanellen inzwischen zusammengewachsen?“ Doch alles war wieder in Ordnung. „Na denn“, rief Hein, „ich muss dann mal wieder. Kommt ihr heute Abend vorbei? Ich brauch Hilfe. Olga will nicht nur, dass ich die Kugeln aufhänge, ich muss sie vorher auch alle noch blitzblank putzen. ‚Willst du viel, dann spül mit Pril‘, kennt ihr den Spruch? Sauarbeit, kann ich euch sagen. Und was wir an Tüchern verbrauchen! Tuch für Tuch, Olsky, wie ich meine Olga gerne nenne, reine Verschwendung.“

Und damit verschwand Hein, weniger gut gelaunt als seine Kumpel, dafür aber mit einer ordentlichen Portion Grimm im Bauch, in der Menge.