5 Punkte, die den Lehrerberuf einerseits so toll und andererseits so nervtötend machen (die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen)

5 Punkte, die den Lehrerberuf so toll sein lassen:

Jeder findet seinen Platz. Egal, ob der sympathische Nerd, die coole Rampensau oder die verlässliche Vaterfigur – jeder Menschentyp findet in der Schule seine Nische und hat die Möglichkeit, durch freundliches Auftreten, besonderen Humor oder fundiertes Fachwissen Sympathien und Respekt zu erlangen.

Man ist sein eigener Chef, ohne die ganze Verantwortung allein tragen zu müssen. Der Lehrer muss natürlich diverse Richtlinien und Lehrpläne beachten, aber solange er sich halbwegs vernünftig verhält, ist er Chef im Ring und kann seinen Unterricht so gestalten, wie er möchte. Wenn wirklich mal die Hütte brennt, kann man sich aber immer noch in die Arme der Schulleitung flüchten.

Man arbeitet mit Menschen, nicht mit Robotern. Haben Sie schon einmal einem Bankberater gegenübergesessen, sich in seinen Augen verloren und gefragt, ob hinter seinen ganzen Phrasen und auswendig gelernten Formeln ein menschliches Wesen haust? Lehrer brauchen das nicht. Sie kriegen den Menschen pur, denn Kinder und Jugendliche sehen noch nicht ein, warum man sich verstellen sollte. Wenn sie dich toll finden, zeigen sie das genau so, als wenn sie dich für eine völlig überbezahlte Pädagogennull halten. Außerdem kann man mit ihnen noch über jedes Thema diskutieren, weil sich ihre Ansichten, Vorurteile und moralischen Werte noch nicht so verfestigt haben wie bei manchem Erwachsen, der glaubt, die Wahrheit gepachtet zu haben.

Man muss sich nicht mit Kollegen herumschlagen (meistens). Bisher habe ich Lehrer als sehr friedfertige, kommunikative Menschen kennen gelernt, mit denen man „über alles reden“ und mit denen man sowohl sein Unterrichtsmaterial, als auch Sorgen und Nöte teilen kann. Beruflichen Neid erlebt man selten, warum auch, jeder macht sein eigenes Ding. Auch um die Urlaubswochen muss man sich nicht prügeln – die Ferientermine stehen ja für alle gleich fest.

Egal, ob man „was mit Menschen“ oder „was mit Medien“ machen wollte – nirgends kann man sich so gut selbst verwirklichen, wie hier. Und das bei regelmäßigem Gehalt. Klar stehen meine Unterrichtsthemen fest, aber ob ich meine Reihe zu Kafka als digitale Präsentation, Theatererlebnis oder frontalunterrichtsbasiertes Unterrichtsgespräch gestalte, bleibt mir überlassen. Der Überpädagoge kann viel seiner Zeit in Gespräche einfließen lassen, sich im Bereich Sozialpädagogik stark machen, der künstlerisch angehauchte Mensch kann seine Arbeitsblätter selbst gestalten oder Konzerte organisieren, der Literat die Bibliothek führen oder eine Schülerzeitung betreuen, der Sportler ganze Wettkämpfe ins Leben rufen und und und… Außerdem gibt man den vielen Menschen ein bisschen von sich selbst mit, und wenn das bedeutet, dass ein Mensch durch mich ein wenig selbstbewusster, ein wenig fröhlicher, ein bisschen schlauer oder in irgendwas ein bisschen besser geworden ist, dann ist Lehrer der schönste Beruf der Welt.

 

5 Punkte, die den Lehrerberuf so nervtötend machen (wenn man eine volle Stelle hat):

Man hat nie frei. Immer liegen irgendwelche Korrekturen auf dem Schreibtisch. Irgendwelcher Unterricht ist immer vorzubereiten. Und selbst wenn nicht, KÖNNTE man ja schonmal die nächste Reihe planen, Frau Meyer anrufen oder die neue Sitzordnung der 6c zusammenfriemeln. Eltern rufen einen auch gern mal abends und am Wochenende an, und wenn sie einen beim Einkaufen ertappen, verwickeln sie einen mit der Formulierung „Ach, wo ich Sie grad sehe“, gern in ein Gespräch über den Entwicklungsstand ihres Sprösslings.

Man darf nicht jammern. Wenn Geschäftsleute, Krankenschwestern oder Rechtsanwälte über zuviel Arbeit klagen, dürfen sie sich des allgemeinen Mitgefühls sicher sein. Wenn Lehrer das tun, jammern sie und bekommen zu hören, dass sie keine Ahnung von „der Welt da draußen“ hätten und schließlich als einzige Wesen des Universums 12 Wochen Ferien, also DREI MONATE BEZAHLTE FERIEN im Jahr hätten. Dass das unterrichtsfreie Zeit und nur im Sommer wirklicher Urlaub ist, zählt nicht. Denn unterrichtsfreie Zeit ist ja nicht nachprüfbar. Ob der Kollege den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und Mathe korrigiert oder Clash of Clans spielt – wer will das wissen…?

Jeder kann es besser als man selbst. Egal, ob es um Zeitmanagement, schwierige Schüler, Notengebung oder allgemein Unterricht geht, schnell sind die Leute mit dem Satz „du musst doch nur…“ zur Stelle. Jeder kann lebendiger unterrichten und fairer korrigieren als Lehrer.

Man soll für die Fehler anderer geradestehen. Malte-Jonas-Benjamin hat eine 5? Sarah-Joelina hat sich geprügelt? Florian weigert sich, Hausaufgaben zu machen? Da haben wohl wieder die Lehrer geschlampt. Nicht richtig aufgepasst, nicht gut erzogen, langweiligen Unterricht gemacht und überhaupt – nicht richtig motiviert.

Man soll Wunder vollbringen ohne Zauberstab und jegliche magische Formel. Wenn man das nicht schafft, ist man inkompetent oder überfordert. In Klassen von bis zu 36 SchülerInnen verschiedenster kultureller, erziehungstechnischer und bildungsbezogener Voraussetzungen sollen die Lehrer es innerhalb von 45 Minuten schaffen individuell auf jeden einzugehen, seinen Stoff zu vermitteln, Freude zu verbreiten und noch dazu zu jedem einzelnen Schüler Lern- und allgemeinen Entwicklungsstand festzuhalten. Stella, die von ihren Eltern kein Nein kennt, Flo, dessen Eltern in Scheidung leben, der grad total abdriftet und Elvira, die kaum Deutsch spricht. Max, der voller Wut im Bauch nur provoziert, Steffi, die total lieb, aber hoffnungslos überfordert ist und Till, der von anderen gemobbt wird und sich nicht traut, den Mund aufzumachen. Klingt schwierig? Aber ich bin doch erst bei Schüler Nr. 6 von 36…

Wo auf dieser Skala von toll bis nervtötend die Wahrheit liegt, und ob es noch weitere Punkte auf jeder Seite gibt, muss jeder Lehrer für sich entscheiden 🙂

Mein PINKer Ford METALLICA missfällt der QUEEN

Mein Name ist Floy.

Ich weiß.

Dafür kann ich aber nichts.

Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Australier. Mama wollte mich Flo nennen, Papa Joy, und so ist Floy draus geworden. Und heute, an Weihnachten, war der Joy bei Floy besonders groß, weil meine verrückte australische Tante Mary zu Besuch kommen würde. Schon den ganzen Tag klatschte ich wie blöd in die Hände, lachte, und freute mich. Tante Mary Strollings war eine richtige Queen, ach, was sage ich, ein bunter, schriller Vogel Strauß des Alltags. Von den Ärzten hat sie mehr Beruhigungstabletten verschrieben bekommen, als eine Elefantenherde bräuchte, trotzdem war alles für sie ein Aufreger. Dann war sie da. Brennend wie ein Dynamo, zart wie bereits erwähnte Elefantenherde. „Oh, Floy, mein Bernstein„, sagte sie in diesem markerschütternden Strollings-Ton, „es freut mich wahnsinnig, dich zu sehen!“, dann fiel ihr Blick auf meine Kunstsammlung über der Kommode in der Diele. Naja, eher Kunstdrucksammlung. „Rembrandt! Ich liebe the Rembrandts!“, schrie sie verzückt. „The who?“, gab ich ungerührt zurück. Ich hatte das Bild gekauft, weil es mir gefallen hatte, keine Ahnung, wie der Maler hieß. Mary schüttelte nachsichtig den Kopf. „Du little Kunstbanausin. Wieso gehst du überhaupt nicht ans Telefon? Ich hab dich fünfmal angerufen!“ „Es ist kaputt“, erwiderte ich. „Dann musst du wohl mal den Telemann anrufen.“ „Wen?“ Ach so. Sie meinte den Mann von der Telekom. „Wie soll ich den anrufen, wenn mein Telefon kaputt ist?“ Mary lachte. „Was ist mit deinem Handy?“ Ja, ich hab ein Handy. Aber ich hasse die Telekom und genieße es, mal nicht erreichbar zu sein. Ich wechselte das Thema und kam auf Tante Marys Liebesleben zu sprechen. „Was machen deine Beach Boys, deine australischen Prinzen?“, fragte ich grinsend. Sie errötete. „Non, ma chère“, wechselte sie in einwandfreies Französisch, „ce n’est pas bon.“ Jovial ließ ich sie damit in Ruhe. Aber sie rächte sich direkt. „A propos Prince– Ich will ja nicht gleich mit the Doors ins Haus fallen, non, aber was ist denn mit deinem Liebesleben? Immer noch toten Hosen, nicht?“ Ich verzichtete darauf, sie für ihr schlechtes Deutsch zu rügen, geschweige denn, zu antworten und bat sie ins Wohnzimmer. Dort kam der nächste Schub. „Erträgst du diesen pinken Kitsch immer noch?“, fragte Mary und wies auf das Bild von Schnabel vis-a-vis. „Ein Geschenk deiner Mutter, ich weiß, aber pink, Floy? Das sieht grauenhaft aus. Genau wie dein Auto draußen.“ Mein schöner Ford Metallic. Ausgerechnet. Mein Zweitwohnsitz. Ich liebe es, mit einem guten Buch in ihm zu sitzen, das Radio voll aufzudrehen und den Beat lesend zu genießen. „Außerdem musst du endlich aus dieser gefährlichen Gegend wegziehen, back nach Australia!“, rief sie besorgt. „Du kannst zu mir ziehen, Floy. Come back. Streetboys überall hier und New Kids on the Block, sie nehmen dir dein Geld ab und ramm‘ Steine in dein Auto. Hier wird doch vermutlich jeden Tag einmal the police gerufen.“ Sie kramte in ihrer Handtasche und gab mir eine Karte. „Take that. Ein sehr guter Makler bei mir downunder.“ Soweit kommt es noch. „Tante Mary, zieh hier nicht so eine Show ab. Bad Kissingen ist meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Ich hab hier Zivilisation, aber auch Wälder, einen Bach, einen Berg-“ Doch sie rümpfte die Nase. „Schön, Berg ist gut. Aber bei uns hast du alles – Wüste, City, Dschungel, Meer, den Timber-Lake“ Plötzlich strahlte sie mich wieder an. „Ich rede und rede, dabei bin ich doch aus einem bestimmten Grund gekommen. Merry Christmas, Liebes, hier, ich habe wahnsinnig tolle Geschenke für dich!“ Und damit packte sie schreiend bunte Päckchen aus. Also, nicht sie schrie. Die Päckchen waren schreiend bunt.

Meine Tante Mary. Ein bisschen Madonna, ein bisschen Santa. Na, wenigstens niemals langweilig…

Generationenkonflikt – was ist das, und wozu ist sowas gut?

Toleranz und Nächstenliebe, ein im Moment vieldiskutiertes Thema. Mir geht es heute allerdings nicht um verschiedene Religionen oder Nationalitäten, sondern um den sogenannten Generationenkonflikt. Was ist das, wozu ist es gut, und wer zum Donnerdrummel hat es erfunden?

Der Begriff „Generation“ ist schon schwierig, weil er Menschen scheinbar voneinander trennt bzw. in verschiedene Schubladen ordnet, die eigentlich sehr viel miteinander gemeinsam haben. Schade eigentlich, wenn „meine Generation“ davon ausgeht, dass die „Jugend von heute“

  • keinen Respekt mehr vor dem Alter hat
  • nichts kann, aber alles besser weiß
  • Zeit mit Unwichtigkeiten vertrödelt, statt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren
  • immer oberflächlicher wird und keine Werte mehr hat.

Oder wenn „meine Generation“ der Jugend unterstellt, dass sie über das „Alter“ (was auch immer das ist) denkt:

  • stur und rechthaberisch
  • mit denen kann man nicht reden
  • kein Verständnis für die Jugend
  • hören nie zu, aber wissen alles besser

Ich arbeite selbst in einem Beruf, in dem ich mit mehreren Altersklassen zu tun habe. Und auch ich rege mich manchmal darüber auf, wenn ich Kollegen über die „schreckliche Jugend von heute“ reden höre und mich frage, ob sie sich an ihre eigene Jugend denn so gar nicht erinnern können? Mit 16 lagen nunmal die Prioritäten nicht in der Schule, sondern in existenziellen Fragen. Mann wurde erwachsen, musste sich selbst finden, sich gegen andere behaupten und seine Zukunft planen. Die ewig mobbende Mädelsqlique zu überleben war weit wichtiger, als in Mathe eine 2 zu schreiben. Und auch die Jugendlichen wirken auf mich manchmal durchaus sehr kalt in ihrer Schwarzweißmalerei, und unbarmherzig, wenn es für sie nur richtig und falsch und anscheinend keine Zwischentöne gibt.

Doch sollten wir uns nicht mehr auf das Verständnis des Menschen an sich konzentrieren – ohne auf das Alter zu schauen. Denn die Lehrer waren früher auch mal Schüler. In der Regel wissen sie (noch), wie sich Jungsein anfühlt, mit welchen Problemen man sich herumschlägt. Die Waffen haben sich geändert, doch die Probleme sind seit Anbeginn der Zeit dieselben geblieben. Und die Jugendlichen sind die Zahnärzte, Bankangestellten oder Lehrer von morgen – die in zehn, zwanzig Jahren vielleicht unsere Zahnschmerzen heilen, Kredite verteilen oder unsere Enkel unterrichten. Und das genau so gut oder schlecht, wie „unsere Generation“ es ihnen beibringt. Wenn man die Menschen schon in Generationen unterteilen muss, dann darf man aber auch die guten Seiten nicht außer Acht lassen, oder?

Junge Menschen sind (Ausnahmen bestätigen die Regel)

  • offen für alles, interessiert an Diskussionen
  • sind geradeheraus und haben noch nicht gelernt, sich zu verstellen
  • hören auf ihr Herz und ihr Bauchgefühl

ältere Menschen sind (Ausnahmen bestätigen die Regel)

  • erfahrungsreicher und haben schon viele Abgründe gesehen
  • wissen vieles und kennen einige Problemlösungsstrategien
  • haben schon einiges in ihrem Leben geleistet

Allein dafür gehört all diesen Menschen Respekt. Doch sie sind so viel mehr als das.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Ein Alters- oder Pflegeheim hatte die Idee, nicht nur die Portraits ihrer Patienten bzw. Bewohner aufzuhängen, sondern zu jeder dieser Persönlichkeiten eine Collage mit Fotos von ihrer Kindheit bis ins hohe Alter. So sahen die Pfleger nicht nur die Alten, sondern die Menschen an sich, die genau wie die Pfleger früher einmal Pläne und Hoffnungen hatten, gekämpft haben, wichtige Aufgaben in ihren Berufen und Familien erfüllt haben. Vielleicht sitzt Frau Müller jetzt sabbernd in ihrem Rollstuhl und erkennt nichtmal mehr ihre Tochter, doch sie ist deshalb nicht weniger wert. Frau Müller hat mit 17 viele Sportpreise im Schwimmen gewonnen, drei Kinder zur Welt gebracht und großgezogen und 40 Jahre lang einen Kindergarten geleitet. Lutz, der Pfleger, arbeitet viel und verdient wenig. Seinen Schulabschluss hat er mit Ach und Krach geschafft. Doch er wird in seinem Leben nach einer Zusatzausbildung seine eigene Physiotherapiepraxis eröffnen und vielen Menschen helfen. Er wird einen Sohn zeugen, der später Arbeitgeber von 300 Angestellten sein wird, und er wird ein liebevoller Vater, Ehemann und Großvater sein.

Frau Müller und Lutz gehören nicht zur älteren oder jüngeren Generation. Sie gehören in keine Schublade. Sie sind großartige Menschen. Frohen ersten Advent!

 

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Kleine kreative Schreibübung für zwischendurch (war ein langer Tag ;-))

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Sie war sagenumwoben.
Sie war launenhaft.
Sie war eine Schrumpfmuffe.
Allein der Name Schrumpfmuffe gebot Launenhaftigkeit. Wer geschrumpft und dazu noch muffig ist, muss sich etwas ausdenken, um mit anderen Dingen als seinem Äußeren Eindruck zu schinden. Also beschloss sie, sich mit Sagen zu umweben, darin sind besonders südostasiatische Schrumpfmuffen Experten. Sie umgab sich mir der Aura des Mysteriösen.
Betagt und runzlig wie die uralte Morla aus der „Unendlichen Geschichte“, aber natürlich sehr viel kleiner, ließ sie verbreiten, dass sie wahrsagen könne. Und tatsächlich kamen Wesen unterschiedlichsten physischen und psychischen Ausmaßes zu ihr, um sich von ihr in die Karten bzw. in die Zukunft schauen zu lassen. Aber die Schrumpfmuffe war launisch. Nur, wenn es ihr wirklich gut ging, gab sie sich Mühe, aus den zahlreichen Handfalten, Kaffee- oder Kartensätzen irgendwelchen Mumpitz zu lesen. Hatte sie schlechte Laune, und das traf auf 364 Tage des Jahres zu, erzählte sie immer dasselbe: „Ordne deine Angelegenheiten, denn du wirst bald sterben.“
Die Schrumpfmuffe wurde weltberühmt.
Trat ihre Vorhersage ein, hatte sie Recht behalten und an der Genialität ihrer Person war nicht zu zweifeln. Blieb das jeweilige Wesen am Leben, war es so glücklich über diese Fügung, dass es vor Dankbarkeit nicht auf die Idee kam, die Schrumpfmuffe der Scharlatanerie zu bezichtigen.

Und so lebt die alte, runzlige Schrumpfmuffe bis heute irgendwo in Südostasien und webt sich in einen Kokon aus Launen und Sagen.

Diese Geschichte ist in folgende Sprachen übersetzt worden: „
Schrümpfmüff“ (türkisch), „Schrömpfmöff“ (schwedisch), „Dä Sägä vän där Schrämpfmäff“ (finnisch) und „Scrympfmyffcz“ (polnisch)

5 sehr emotionale Momente vor und während der Durchführung eines Kindergeburtstages

Platz 5

Madame wird fünf wunderbare Jahre alt, und man plant natürlich den tollsten Geburtstag ever. Nur leicht nervös dadurch, dass es anscheinend gerade in ist, für den großen Tag der Kleinsten einen Clown oder Zauberer zu bestellen und die Cupcakes passend zur Zimmertapete zu dekorieren. Man freut man sich auf einen netten Spielenachmittag mit den süßen vier kleinen Freundinnen und Freunden von Madame, als diese ihre Wunschgästeliste aufzählt und bei „neun, Marie, zehn, Lukas“ immer noch nicht aufhört.

Platz 4

Man hat eins der Lieblingsessen aller Kinder gemacht und trägt stolz und erwartungsvoll die Minipizzen zum Tisch, da geht der Sturm los:

„Was ist das?“ „Ich mag keinen Schinken.“ „Ich mag keinen Käse.“ „Meine Mami sagt, Fleisch ist pfui.“ „Was gibts denn sonst noch?“ „Was ist das Dunkle da?“ „Ieh, das stinkt.“

Platz 3

Man scheucht alle Kinder zur Seite, um Platz für acht Stühle zu haben für die Reise nach Jerusalem. Plötzlich fällt ihnen auf, dass sie da so in Reih und Glied stehen, das Erste fängt an, und dann stimmen alle ein wie die Engel:

„Sankt Maaaaartin, Sahankt Maaaaaartin, Sahankt Martin ritt durch Schnee uhund Wind…“

Platz 2

Irgendwann werden plötzlich alle ruhig und müde. Man selbst hat Zeit, sich kurz auf die Couch zu setzen. Plötzlich kommt ein Kind von rechts, legt sein Köpfchen auf meinen Schoß und ein Kind von links lehnt sich an meine Schulter. Ein Drittes rollt sich zu meinen Füßen ein, ich bin umgeben von Vertrauen und Wohlbehagen. Als mir auffällt, dass keins davon mein Kind ist, bin ich gewiss, dass die Party doch ganz gut laufen muss, wenn sie mich so fraglos vom Zirkusdirektor (Flohzirkus) zum Kuschelkissen umfunktionieren.

Platz 1

Madame starrt zwischen ihrer Aurora-Barbie (Dornröschen) und mir hin und her und sagt:

„Du bist viel schöner, Mama.“

JETZT

muss ich wirklich weinen.

So ein kleines, heimliches Tränchen.

Kinder sind so genial. Kompromisslos in allem. In ihrer Liebe, in ihrer Abneigung, in ihrer Lebensfreude.

Sagt der Günther zum dürren Matt…

Der junge, etwas schlaksige Matt und sein Freund Günther, ein Hesse, gingen auf den Weihnachtsmarkt. Sie wollten ein bisschen Glühwein bechern, Gras schnupfen und den schönen Weihnachtsliedern lauschen. Sie waren in rührseliger Stimmung, denn Matt hatte nach langer Arbeitslosigkeit endlich eine Stelle als Bühnenarbeiter in einem Kellertheater bekommen, und Gunther hatte doch tatsächlich im Lotto gewonnen. nicht viel, aber genug, um sich und seinem Kumpel einen netten Abend zu gönnen. „Alles singt, ist das nicht schön“, rief Matt, und Gunther fiel weniger schön, aber dafür laut mit ein in den Kinderchor, der „Friede den Menschen“ sang. „Jetzt haben wir das Go. Et het noch immer jot jegange!“, seufzte Matt glücklich. „Noch ein Bier, Mann?“ Das war nach dem Glühwein vielleicht nicht die beste Wahl, doch dem dürren Matt war das egal. „Oder willste erst nen Bratfisch haben? Nein wird nicht akzeptiert.“ Doch Günther zog seinen Kumpel mit auf den großen Marktplatz, wo in einer Stunde ein Feuerwerk stattfinden sollte. „Ich liebe das Geböll„, sagte er, „und wegen der ganzen Kindheitserinnerungen werden meine Augen feucht. Wange, rote Wange von den ganzen Tränen. Ich liebe  Weihnachten“, schmolz der Mann dahin. „Brecht mir hier nicht in Tränen aus!“, grölte eine tiefe Stimme. „Hein!“, erkannte Matt ihn sofort, „was machst du denn hier?!“ Hein war sein Nachbar. „Ich lauf rüber in die Büchnerei, besorg ein paar Romane für meine Frau, und für meine Mutter noch ne CD von Bach, Mann. Dann fahr ich rüber ins Eichendorf, frische Tannenzweige holen. Sie dekoriert doch jetzt. Bei uns zuhause ist mehr Weihnachten, als in jedem Bastelladen.“ Matt und Günther lachten. Hein fuhr fort: „Überall Kerzen und Kugeln, es blinkt und schillert wie in einem Spiegelsaal. Matt, wie gehts deinem Kleinen?“ Matt war vor wenigen Tagen Vater geworden und die Ärzte hatten sich ein wenig Sorgen um die Beschaffenheit des Kopfes gemacht. Nicht seines Kopfes, sondern dem des Babys. „Schreit er immer noch soviel? Sind die Fontanellen inzwischen zusammengewachsen?“ Doch alles war wieder in Ordnung. „Na denn“, rief Hein, „ich muss dann mal wieder. Kommt ihr heute Abend vorbei? Ich brauch Hilfe. Olga will nicht nur, dass ich die Kugeln aufhänge, ich muss sie vorher auch alle noch blitzblank putzen. ‚Willst du viel, dann spül mit Pril‘, kennt ihr den Spruch? Sauarbeit, kann ich euch sagen. Und was wir an Tüchern verbrauchen! Tuch für Tuch, Olsky, wie ich meine Olga gerne nenne, reine Verschwendung.“

Und damit verschwand Hein, weniger gut gelaunt als seine Kumpel, dafür aber mit einer ordentlichen Portion Grimm im Bauch, in der Menge.

Wurzeln und Flügel

Wurzeln und Flügel.

Das ist die Antwort, die unsere Kindergartenleiterin ins Gruppenfotobuch schrieb auf die Frage, was sie „ihren Kindern“ für die Zukunft wünsche. Starke Wurzeln, um kräftige Flügel wachsen zu lassen.

Wir alle wollen unsre Kinder behüten, schützen, sie vor allem Unheil bewahren. Das ist unser natürlichster Elterninstinkt. Manchmal, auf dem Spielplatz, würde ich andere Kinder gern mit Sand bewerfen, weil sie nicht mit meiner Tochter spielen wollen (tu ich natürlich nicht 😉 Wenn sie Streit im Kindergarten hat und lieber zuhause bleiben will, würde ich sie natürlich am liebsten im Arm halten und sanft durch den Tag wiegen. Tu ich natürlich auch nicht. Nein, sie muss da allein durch. Mit tröstenden Worten meinerseits und liebevollem Kuscheln, aber letztendlich muss sie ihr kleines tägliches Päckchen selber schnüren. Denn natürlich will ich sie auch bereit machen für die Zukunft, damit sie sich eines Tages, wenn Spinat und Bananenpfannkuchen sie groß und stark gemacht haben, allein zurecht findet in der Welt. Und dafür muss sie auch scheitern lernen, den Umgang mit dem Frust.

Vor ein paar Tagen hatten wir Elternkaffee in der Kita, eine schöne, gemütliche Tradition einmal im Monat. Die Eltern, die Lust und Zeit haben, treffen sich mit der Kitaleitung auf einen zwanglosen Schwatz bei Kaffee und Keksen. Man kann sich austauschen, lustige Erzählungen der Kinder zitieren oder um Rat fragen. Unsere „Chefin“, mit einem Herz aus Gold und einer Stimme aus Feuer berichtete uns von den großen und kleinen Erfolgen unserer Mäuse. Dass sie sie in allen Bereichen lobe und unterstütze, aber eben auch durchausmal kritisiere, wenn es angebracht ist. Eine Mutter meinte, man müsse seine Kinder doch eigentlich immer loben, und natürlich liegt der Gedanke nahe, dass sich aus vielgestreichelten Seelen selbstbewusste Charaktere entwickeln, doch als Lehrerin muss ich auch gestehen, dass mir immer häufiger Kinder begegnen, die so gar nicht mit (berechtigter) Kritik umgehen können. Sie weinen über eine 3+, rasten aus, wenn sie etwas nicht sofort können oder verzweifeln in Grund und Boden, weil das Zeugnis nicht so aussehen wird, wie sie es sich erhofft hatten.

In dem wunderschönen Buch „Ronja Räubertochter“ wird eine Mutter-Tochter-Beziehung geschildert, wie ich sie mir immer zum Vorbild genommen habe: Eine Mutter, die im Prinzip immer da ist, ansprechbar, tröstet, zuhört, erklärt, aber die ihrem Kind alle Freiräume lässt, die (durchaus nicht immer ungefährliche) Welt selbst zu entdecken. Wie eine Seiltänzerin mit Sicherheitsnetz. Die Mutter ist das Netz, aber über das Seil schaffen muss es das Kind allein. Wenn es fällt, fängt die Mutter es auf und lässt ihr Kind einen neuen Versuch wagen. Wenn ich etwas nicht kann, oder mir Gegenwind den Atem raubt, habe ich zwei Optionen: Aufgeben, weil es mir nicht wichtig ist, oder erst recht Gas geben und versuchen, besser zu werden. Niemand von uns kann alles. Niemand von uns gefällt jedem. Nicht im Alltag, und in der Schule erst recht nicht. Oft habe ich den Eindruck, Schüler und Eltern halten nur Einsen und Zweien für akzeptable Noten. Und Kritik des Lehrers an der Leistung sei Kritik an der Persönlichkeit des Kindes. Warum ist es nicht völlig okay, in seinen Glanzfächern Einsen und Zweien, und  im Rest Dreien zu haben? Warum darf man sich nicht auch mal eine Vier in einem Fach leisten, das einem nunmal gar nicht liegt? Ist es im Kitaalter nicht völlig okay, zu bauen wie ein junger Gott, aber zu malen wie ein Hamster?

Natürlich möchte ich, dass mein Kind später beruflich alle Chancen hat, dazu gehört auch ein guter Notenschnitt. Doch ich möchte auch, dass es lernt, sich von der ein oder anderen Niederlage nicht abschrecken zu lassen auf dem Weg zu seinem wie auch immer gearteten Ziel. Dass es auf sich selbst vertraut und verlässt. Und nicht eines Tages eine vielversprechende Zukunft hinschmeißt, weil sein Chef es einmal zur Schnecke gemacht hat.

Deshalb wünsche ich meinem Kind auch starke Wurzeln und Flügel: Wurzeln, indem ich ihm mitgebe, dass ich es uneingeschränkt liebe und unterstütze, dass es alle Fähigkeiten hat, seinen Weg zu gehen. Indem ich ihm Wege aufzeige, mit Misserfolgen klarzukommen, damit es kräftige Flügel entwickelt, um sowohl hinaus in die Welt, als auch ab und zu wieder zu Mama und Papa nach Hause zu fliegen – sei es, weil der eigene Kühlschrank leer ist, weil man einen Babysitter für die Enkel braucht oder einfach nur, weil man gern zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Was wäre wenn…

… eine Klassenfahrt eine klasse Fahrt wäre?

… die Schüler dort eine tolle Zeit mit ihren Freunden verbringen würden, mit Blödsinn, Abenteuern, Spielen und Gesprächen statt mit ständigem Anspruchsdenken, Gemeckere und Besäufnissen?

… Schüler Bescheidenheit und Dankbarkeit als coole Eigenschaft entdeckten statt sich rund um die Uhr zu beklagen, denn:

  • Der Urlaub, den sie bisher mit den Eltern kennen gelernt haben, war vielleicht teurer, luxuriöser, „all inklusive“, aber war er auch so lustig?
  • Lehrer machen Klassenfahrten freiwillig. Sie werden weder für 24h pro Tag bezahlt, noch dafür, dass man ihnen Beleidigungen an den Kopf werfen darf, weil die Jugendherberge XY so wenig Ähnlichkeit mit einem 5Sterne-Hotel hat, man wandern muss (Hilfe!) oder einfach schlechte Laune hat.

Dazu vielleicht ein kurzes Zitat aus meinem Roman:

Ich habe schon öfters die Meinung gehört, dass es Lehrer gäbe, die nur auf Klassen- oder Kursfahrten gingen, um nicht arbeiten zu müssen. Sehr witzig. Als wenn Jugendliche schlafen würden. Also, tagsüber schon, im Bus, im Unterricht, im Stehen. Aber nicht nachts. Vermutlich pennen Studenten in der Regel deshalb so lange, weil sie ihren freiwilligen Schlafentzug von Klassenfahrten neutralisieren müssen. Nachts, wenn sich die Lehrer von den diversen Ausflügen, Museumsbesichtigungen und Gruppenspielen erholen wollen, werden sie erst richtig aktiv. A kann nicht schlafen, weil B ihn nicht liebt. Außerdem hat C beobachtet, dass D bis K Alkohol mit in die Jugendherberge geschmuggelt haben, das dürfen die doch nicht, oder? F und L haben sich auf ein Zimmer verdrückt und üben dort sexuellen Beischlaf aus, während M auf dem Dach der Jugendherberge steht und Selbstmord begehen will. Warum, weiß keiner außer N, der aber nicht aufzufinden ist. Und so weiter. Wer ist so bescheuert, (…) unbezahlte Überstunden zu schieben (…) ? (…) Ich beschwere mich nicht über die Fahrten an sich, sondern über die Einstellung vieler, wir Lehrer würden uns da einen Lenz machen.

 Jenny Stila, aus: „Von ganzem Herzen mangelhaft“

… die Eltern im Anschluss mit einen Blumenstrauß auf die Lehrer warten würden statt mit einer „Buchprüfung“, ob auch alles richtig abgerechnet wurde?

Lehrer gehen immer noch auf Klassenfahrten, aber nicht wegen des Urlaubsgefühls (stellen Sie sich vor, Sie würden nicht mit Ihren zwei Kindern, sondern 20 in den Urlaub fahren, die durchaus nicht alle auf Sie hören), nicht wegen der tollen Bezahlung, sondern wegen der vielen netten Schüler, die so etwas zu schätzen wissen und eine gute Zeit haben.

Was wäre, wenn…

Was wäre, wenn die Mutter zur Lehrerin sagen würde:

Gib ein wenig auf mein Kind Acht. Ich weiß, du bist eine Idealistin, aber du hast auch noch 29 andere Kinder vor dir sitzen. Dennoch. Es ist mein Kind und damit für mich etwas Besonderes, Einzigartiges, ungemein Wertvolles. Ich weiß, was es alles kann, wie man es am besten motiviert, und wie man es zum Lächeln bringt. Meine Sorge ist, dass du viele seiner Begabungen und guten Eigenschaften nicht erkennst, weil sie im Alltag des Schulbetriebes untergehen oder erst gar nicht gefragt sind. Vielleicht wertest du seine unstillbare Neugier, sein ständiges Interesse als vorlaut oder störend. Wenn es müde ist oder deprimiert von Streitereien mit Mitschülern oder von der schlechten Arbeit, die es in der Stunde zuvor zurückbekommen hat, erscheint es dir vielleicht einfach nur desinteressiert oder launisch. Und dann hast du keine Zeit, drauf zuzugehen und es wieder aufzubauen. Vielleicht schaust du es sogar böse an, damit mein Kind wieder funktioniert. Woher sollst du wissen, wie sozial mein Kind ist und wie toll es mit Jüngeren umgeht, wenn es sich in seiner eigenen Klasse unwohl fühlt und von anderen abgelehnt wird? Wenn es deshalb ständig mies gelaunt ist, sich zurückzieht oder sogar aggressiv wird und andere angreift oder beleidigt, weil es sich anders nicht zu helfen weiß. Woher sollst du wissen, dass es sämtliche griechische Göttersagen kennt, dichtet, seit es fünf ist oder sich im Urlaub fließend auf englisch unterhalten kann, wenn es zu schüchtern ist, so etwas zu erzählen, oder wenn dieses Wissen in deinem Matheunterricht völlig unbrauchbar ist? Versteh mich nicht falsch, ich möchte keine Sonderbehandlung für mein Kind, ich wünsche mir nur, dass ein bisschen von dem Zauber, den ich in ihm sehe, auch von dir gesehen wird. Dass du immer ein offenes Ohr für seine Sorgen haben wirst und auch mir vorurteilsfrei zuhören kannst, sollten wir uns mal begegnen.

Was wäre, wenn die Lehrerin zur Mutter sagen würde:

Gib ein wenig auf dein Kind Acht. Ich weiß, du bist eine umsichtige Mutter, aber manchmal entwickelt man als Eltern eine Art Tunnelblick (das kenne ich selbst) und möchte Probleme nicht wahrhaben. Auch wenn unser Kind zuhause fröhlich, zufrieden und umgänglich ist, kann sich dieses Verhalten in der Schule umkehren. Wir waren alle mal jung und wollten gegenüber unseren Klassenkameraden besonders cool wirken. Deshalb stört ein Kind manchmal absichtlich den Unterricht oder versucht den Lehrer zu provozieren. In solchen Momenten wünsche ich mir, deine Rückendeckung zu haben. Eben weil du dein Kind viel besser kennst als ich. Aber ich sehe auch seine vielen guten Seiten. Ich bemerke, ob es im allgemeinen leicht mit dem Lernstoff klarkommt, mit seinen Mitschülern und Lehrern. Wir Kollegen reden über eure Kinder und ich weiß, dass dein Kind zwar in meinem Fach nicht das Beste ist, dafür aber ein großes Sprachtalent besitzt. Trotzdem ist ein Grundinteresse auch an ungeliebten Fächern Voraussetzung dafür, dass es gute Noten bekommt. Lehrer freuen sich nicht, wenn der Rotstift es mal so richtig krachen lassen kann, uns wäre es am liebsten, wenn wir nur Einsen und Zweien verteilen könnten. Aber wir wissen auch, dass Noten nicht alles bedeuten. Deshalb mach deinem Kind keinen Druck, wenn es die erste Fünf seines Lebens schreibt. Es ist selbst schon enttäuscht genug. Eine Drei im Hauptfach ist auch okay. Und wenn ich ein Problem deines Kindes nicht mitbekomme, weil es zum Beispiel in den Pausen von anderen gemobbt wird, dann sprich mit mir darüber. Nur dann kann ich helfen, denn wenn ich deinem Kind mal eine Vier geben muss, heißt das nicht, dass ich es nicht mag, sondern dass seine Leistung in diesem Fach eben nur ausreichend war. Manchmal geht mir die ganze Notengeberei selbst gegen den Strich, weil ich weiß, dass ein paar Zahlen auf einem Blatt Papier wenig über dein Kind als Mensch aussagen. Damit wir beide deinem Kind helfen können durch den Schuldschungel wünsche ich mir, dass du auch mir vorurteilsfrei zuhören wirst, sollten wir uns mal begegnen.

Verkehrte Welt, aber richtig :-)

Normalerweise (was heißt schon normal) denkt man bei Unterricht in der nullten Stunde (oh ja, 07.15 Uhr) an verschlafene, zu spät kommende, lustlose und unmotivierte Schüler und einen Lehrer, der krampfhaft versucht, trotz oktobrigem Dämmerlicht und schwieriger Lerninhalte Fröhlichkeit und Interesse am Unterrichtsthema vorzutäuschen, um die lahme Meute auf Spur zu bringen.

Doch manchmal läuft das auch andersherum. Und diese Momente muss man als Lehrer ganz intensiv genießen und als Hinweis darauf verstehen, dass man doch vielleicht einiges richtig macht in seinem Beruf.

So wie letzte Woche, als ich übermüde (bin von Natur aus eher eine Nichtvorachtuhraufsteherin, außerdem hatte meine Tochter nachts Husten), fest an meine Kaffeetasse geklammert, zu meinem Oberstufenkurs geschlurft bin. Zum Glück natürlich wie immer mit zwei fest durchgeplanten Stunden im Kopf bzw. in der Tasche, aber relativ unmotiviert, was nicht an den Schülern lag, die wirklich eine super Truppe bilden.

So auch an besagtem Tag. Nicht nur, dass alle pünktlich waren: Die meisten waren sogar erstaunlich gut gelaunt, versuchten mich mit Witzen hochzupäppeln, und der Oberschlumpf der Truppe hatte tatsächlich seine Präsentation dabei, die noch dazu ziemlich gut gelungen war.

Spätestens ab der zweiten Stunde war ich wieder da und zu üblicher Form aufgelaufen, und letztendlich haben wir gemeinsam einen – meiner bescheidenen Meinung nach – höchst produktiven Unterricht hingelegt.

Manchmal ist Schule einfach schön, und das Gerücht von der „schlimmen Jugend von heute“ schaut ziemlich blöd aus der Wäsche.