Schüler und Lehrer können keine Freunde sein. Aber ein bisschen Familie.

Vor einiger Zeit fragte mich einer meiner Elftklässler, warum Lehrer und Schüler denn nicht einfach Freunde sein könnten – so ohne das steife Gesieze und überhaupt. Nun. Zunächst fielen mir ganz viele vernünftige Gründe dafür ein. Dass das Lehrer-Schüler-Verhältnis immer ein Abhängigkeitsverhältnis ist, dass die Schüler – egal, wie gut man sich versteht, letztendlich immer vom Lehrer benotet werden. Klar kann diese Beziehung von Vertrauen, Humor und Herzlichkeit geprägt sein, aber basiert Freundschaft nicht immer auf Gleichberechtigung, wenn sie funktionieren soll? Außerdem haben beide Parteien eine sehr unterschiedliche Erwartung an den Unterricht – während es den Schülern meist um Spaß geht (können wir einen Film gucken? Können wir mal was anderes machen?), will der Lehrer seinen Lehrplan durchbringen. Ach, ist doch klar, warum alles so ist, wie es ist.

Nichtsdestowenigertrotzundalledem sind mir die Schüler dieses konkreten Kursres sehr ans Herz gewachsen. Vor allem, weil sie mich immer wieder zu einem lockeren Umgangston herausfordern, ohne es zu übertreiben oder meine Sympathie für Albernheiten auszunutzen. Natürlich machen sie gern Blödsinn, aber wenn ich meinen gut vorbereiteten Unterricht durchführen möchte, akzeptieren sie das widerstandslos und machen gut mit.

Und dann war da die letzte Stunde.

Ich habe immer wieder gern Geschichten von meiner kleinen Tochter erzählt, und der Kurs hat mich immer wieder gebeten, sie doch mal mitzubringen. Am letzten Schultag vor den Sommerferien war das möglich, da ich nur zwei Unterrichtsstunden in eben diesem Kurs hatte und danach frei: Solch ein kleiner Schulausflug würde meine Tochter weder langweilen noch überfordern. Ich hatte ein wenig Sorge, dass das Ganze im Chaos ausarten würde, die Schüler meine Tochter zehn Minuten lang „süüüüß“ finden und sich dann fragen würden, was man denn mit den verbleibenden 70 Minuten anfangen sollte.

Ich wurde eines Besseren belehrt. Mein Kind schaffte in wenigen Sekunden, worauf ich manchmal vergeblich hoffe: Das ungeteilte Interesse meiner Schüler zu wecken. Selbst die größten Chaoten lagen plötzlich still auf dem Boden und ließen sich von der kleinen Madame erklären, wie man aus Legosteinen eine Pirateninsel baut. Einer der Chaoten hatte sogar eigene Steine mitgebracht, eine andere Kursteilnehmerin ein Überraschungsei. Die Jungs und Mädels unterhielten sich mit ihr, bauten Inseln mit Steinen und Buden aus Stühlen, Tischen, ihren Rucksäcken und einer muffigen Decke aus dem Nebenraum. Sie quetschten sich mit ihr in diese Bude hinein und erzählten ihr…keine Ahnung, was, aber sie kicherte ganz viel.

In dem Moment wurde es mir klar:

Schüler werden niemals meine Freunde sein. Dazu sehe ich meinen Beruf zu professionell.

Aber ein bisschen Familie.

Geht’s noch?

…beschwert sich eine Mutter, die Schule wolle ihre Autorität untergraben, indem sie ein Attest für ihren seit mehreren Tagen fehlenden Sohn fordert. Sie, die Mutter, würde doch wohl am besten wissen, ob ihr Kind zuhause bleiben soll oder nicht.
Hm…

Vertretbare Vertretung?

Ein Freitag im Mai. Einer dieser letzten wunderschönen Frühsommertage, bevor wieder zwei Wochen Regen angesagt sind. Die 9a hat normalerweise freitags vier Stunden Unterricht, von 08.05 bis 11.40 Uhr. Diese Woche hätte sie sogar nur zwei, da die dritte und vierte Stunde ausfallen – der Sportlehrer ist krank.
Doch anstatt die Schüler 100 Minuten früher ins Wochenende zu entlassen, bekommen sie zwei Stunden Vertretung aufgedrückt. Nicht, dass sich besorgte Eltern beschweren, dass ständig Unterricht ausfiele.
Moment. Beschweren sich Eltern nicht auch oft, dass die Schule immer anstrengender würde und die armen Kinder kaum noch Freizeit hätten?

Was denn nun.

Verstehen Sie mich nicht falsch – Vertretungsunterricht ist sicherlich sinnvoll, besonders, wenn ein Lehrer zum Beispiel wegen Krankenhausaufenthalt längerfristig ausfällt. Bei den kleineren Kindern hätten viele arbeitende Eltern ein Abholproblem, wenn ihre Sprösslinge plötzlich zwei Stunden früher Unterrichtsschluss haben.
Doch in diesem Fall handelte es sich um 15-Jährige an einem Freitag mit wunderbarem Wetter, bei denen zwei Stunden Sport ausfielen. Weder kannte ich (genau, mich traf die Vertretung) die Klasse, noch hatte der Fachlehrer Arbeitsmaterial hinterlegt (in Sport etwas schwierig), noch habe ich auch nur die allerkleinste sportliche Begabung.
Wäre es in einem solchen Fall nicht menschlicher und vernünftiger, die Jugendlichen gehen zu lassen?
Vertretungsunterricht ist dann sinnvoll, wenn er bei einem Fachlehrer stattfindet, der überdies am besten die Klasse kennt. Wir alle wissen, dass Schüler einen Vertretungslehrer in den seltensten Fällen ernstnehmen. Da kommen dann Sätze wie „hab mein Buch vergessen“, „die Aufgaben haben wir schon gemacht“, die vom Fachlehrer mit Bedacht auseinander gesetzten Strategen sitzen wieder nebeneinander, weil die Vertretung ja von nichts weiß, und alles endet irgendwie im Chaos und für beide Seiten unbefriedigend. Wie soll ich jemanden zur Ordnung rufen, wenn ich nichtmal seinen Namen kenne? In den 45 Minuten einer Vertretungsstunde schafft es der Lehrer gerade, sich einen Sitzplan malen zu lassen und genau zu notieren, wer arbeitet und wer nicht.

Nur, um das klarzustellen: Es geht mir nicht um mein eigenes Wochenende. Ich habe freitags sowieso bis halb zwei Schule, Vertretung hin oder her.

Aber ich denke, es handelt sich hier um ein schwieriges Thema, das einer gehörigen Portion gesunden Menschenverstandes bedarf.

Vertragen wir uns doch 😉

Die Jugend von heute ist nicht schlimmer als die von damals. Was immer „damals“ bedeutet. Nicht die Eltern als Gesamtpaket sind Schuld an fehlender Erziehung oder mangelndem Respekt. Auch die Lehrer sind sicher nicht die richtige Zielgruppe, wenn es darum geht, Schuldige an der „Bildungsmisere“ oder „Erziehungsmisere“ zu finden.
Es gibt eben zwei Sorten von Menschen: Die A…öcher und die Nicht-A…öcher. Gute Eltern, schlechte Eltern, gute Lehrer, schlechte Lehrer usw. Wobei wir uns ja auch erstmal darüber einigen müssen, was „gut“ überhaupt bedeutet.
Abgesehen davon mal entgegen der immer wieder in den Medien hochgepushten Meinung:
Ich kenne sehr viele vernünftige Eltern, engagierte Lehrer und nette Kinder bzw. Jugendliche. Es läuft nicht alles schief. Das muss bei aller (berechtigter) Kritik auch mal gesagt werden.
Am besten funktioniert Erziehung oder Bildung immer gemeinsam.

90 Prozent dieses Textes könnten von mir sein- bitte bis zum Ende lesen..!

Gutes Verhältnis?

Das Erzieher-Elternverhältnis ist eins der kompliziertesten überhaupt. Mit Erziehern meine ich hier im besonderen KindergärtnerInnen und LehrerInnen. Eigentlich sollte es doch eine der engsten Beziehungen überhaupt sein, da beide „Parteien“ viel Zeit mit den Kindern verbringen und beide nur das Beste ereichen wollen. Sowohl in Bezug auf Bildung als auch Erziehung. Sich über die gemeinsamen Ziele und über Fortschritte und Probleme des Kindes auszutauschen und gegenseitige Wertschätzung sind doch sicher eine gute Basis, um das Kind zu einem glücklichen, ausgeglichenen Menschen werden zu lassen.
Die Realität sieht anders aus. Von Beziehungspflege und gegenseitigem Respekt ist da wenig zu spüren: Eltern bringen ihre Sprösslinge morgens in die Kita oder Schule, holen sie mittags wieder ab. Außer „Guten Morgen“ und ein paar knappen Infos wechelt man mit den Pädagogen kaum ein Wort. Sind die Schüler größer, kommen manche Eltern nur noch zur Schule, wenn es brennt, und dann meist nur, um Vorwürfe loszuwerden. Auch umgekehrt melden sich Lehrer in der Regel bei den Eltern nur dann, wenn es ein Problem gibt. Nicht immer bleibt der Umgangston dann freundlich und höflich.
Weshalb ist das so?
Gerade in diesem Bereich ist Austausch so wichtig – Eltern und Pädagogen haben völlig unterschiedliche Erwartungen an die Erziehung von Kindern, auch an die Zusammenarbeit. Darüber muss man doch sprechen können. Auf Augenhöhe.
Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass man bestens miteinander auskommt, ist der erste Schritt, das erste Aufeinanderzugehen, gemacht. Wenn man sich kennt, hat man weniger Skrupel, den anderen anzurufen, weil man stören, nerven oder nicht ernst genommen werden könnte.

Keksschachteln auf dem Tisch im Elternsprechtagszimmer sind ein guter Anfang 🙂

Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei.

Ich behaupte nicht, dass wir mehr arbeiten als die Menschen in der freien Wirtschaft. Ich behaupte nur, dass wir mindestens genau so viel arbeiten, psychisch stärker gefordert sind als manch anderer und deshalb auch ein paar Wochen Sommerferien brauchen und verdienen. Denn wir sollen ja nicht nur unseren Job machen: Wir sollen ihn zudem fröhlich, engagiert und gern erledigen.

Auszug aus Jennys Ragebuch, aus: Von ganzem Herzen mangelhaft

Kenn ich irgendwoher…

Neulich auf dem Lehrerparkplatz: Mutter zu Mutter: „Lehrer müssen Respekt vor den Kindern haben.“ Zweifellos richtig. Aber ob denselben Mamas auch wichtig ist, dass ihre Sprösslinge Respekt vor den Lehrern haben?

Kinder- und Jugendtherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger.schreibt, dass immer mehr Eltern kläglich versagen, wenn es um die Erziehung des Nachwuchses geht.

 

Heute wieder…

Lehrer