Christine VäätäjaIch wurde 1976 in Hagen, Westfalen, geboren. Mit sechs schrieb ich Abenteuergedichte über unseren Hund, mit zwölf einen fürchterlich kitschigen Familienroman, den außer mir zum Glück niemand gelesen hat, und mit 21 Programmheftbeiträge für das Stadttheater. Dem Schreiben und Lesen, Stiften und Büchern, Notizzetteln und Tastaturen gehört meine Leidenschaft. Deshalb bin ich naheliegender Weise Deutsch- und Musiklehrerin geworden. Wenn ich in meinen Klassen mit kleinen Satiren zu unserem Unterricht für Stimmung sorge oder eine Komödie für meine Theater-AG schreibe, freue ich mich sehr, wenn meine Texte Gnade finden – denn kein Kritiker ist so ehrlich wie ein pubertätsgeplagter Teenager.

Ich bin gern Lehrerin, was meine Fächer und den Umgang mit Jugendlichen angeht. Das starre System Schule mit den immer größer werdenden Klassen dagegen mag ich nicht. Nach drei Jahren Elternzeit und Beurlaubung habe ich mich deshalb entschlossen, den Beamtenstatus an den Nagel zu hängen und an eine Privatschule mit wesentlich kleineren Kursgrößen zu wechseln. Und da ich mich während meiner Lehrtätigkeit ständig mit den gängigen Lehrerklischees habe auseinandersetzen müssen -beruflich wie privat-, musste ich unbedingt „mein Buch“ – „Von ganzem Herzen mangelhaft“ – schreiben.

Auch die Dating-Szenen hierdrin beruhen auf wahren Erlebnissen: Ich habe meinen Ehemann, einen Finnen, im world wide web gefunden. Er schrieb in absolut perfektem Deutsch, er käme aus dem „hohen Norden“… Jetzt weiß ich, dass es sich dabei nicht um Bremen handelte, und lerne mit meiner vierjährigen Tochter Wörter wie „yksi“ oder „kaksi“.

Wenn ich mit ihr gerade keine Regenbögen male oder Märchen lese, schreibe ich und unterhalte meine Oberstufenschüler mit Literatur, lesen, schreiben, kreativ sein. Das sind Dinge, die für mich im Privatleben, aber auch im Unterricht eine große Rolle spielen. Mit nichts kann man eher Interesse bei Kindern und Jugendlichen für das Leben wecken, als durch spannende, lustige oder berührende Geschichten. Besonders Märchen machen Mut, sind zeitlos und entführen uns in eine Welt, in der alles möglich ist und man gemeinsam für jedes Problem eine Lösung findet.

Deshalb schrieb ich schon vor Jahren meiner Theatergruppe, als gerade kein entsprechendes Stück verfügbar war, eine Märchenhandlung auf den Leib, die viele bekannte Inhalte miteinander verband. Diese Grundidee ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und während der ausgiebigen Elternzeit von drei Jahren verwirklichte ich mein Herzensprojekt einer Erzählung, die Jugendlichen und jung geblieben Erwachsenen die Freude am ursprünglichen Märchen vermitteln soll.

In meinem zweiten Roman, „Rapunzels Töchter“, forsche ich nach den Abgründen hinter Dornröschens überstürzter Hochzeit mit einem Prinzen, den sie gar nicht kennt, hinter Rapunzels Seele, die durch die jahrelange Gefangenschaft doch gelitten haben muss, und gehe der Frage nach, wer zum Henker eigentlich diese merkwürdigen sieben Zwerge sind. Dabei verarbeite ich auch meine eigenen Erlebnisse als Lehrerin vieler Jugendlicher, die mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen haben und einer Mutter mit durchstandener postnataler Depression. Ich möchte zeigen, dass wir alle Individuen mit Fehlern, aber auch großen, märchenhaften Stärken sind und dass es nicht darauf ankommt, Fehler zu vermeiden, sondern aus ihnen zu lernen.