Kleine kreative Schreibübung für zwischendurch (war ein langer Tag ;-))

Die sagenumwobene Launenhaftigkeit der südostasiatischen Schrumpfmuffe

Sie war sagenumwoben.
Sie war launenhaft.
Sie war eine Schrumpfmuffe.
Allein der Name Schrumpfmuffe gebot Launenhaftigkeit. Wer geschrumpft und dazu noch muffig ist, muss sich etwas ausdenken, um mit anderen Dingen als seinem Äußeren Eindruck zu schinden. Also beschloss sie, sich mit Sagen zu umweben, darin sind besonders südostasiatische Schrumpfmuffen Experten. Sie umgab sich mir der Aura des Mysteriösen.
Betagt und runzlig wie die uralte Morla aus der „Unendlichen Geschichte“, aber natürlich sehr viel kleiner, ließ sie verbreiten, dass sie wahrsagen könne. Und tatsächlich kamen Wesen unterschiedlichsten physischen und psychischen Ausmaßes zu ihr, um sich von ihr in die Karten bzw. in die Zukunft schauen zu lassen. Aber die Schrumpfmuffe war launisch. Nur, wenn es ihr wirklich gut ging, gab sie sich Mühe, aus den zahlreichen Handfalten, Kaffee- oder Kartensätzen irgendwelchen Mumpitz zu lesen. Hatte sie schlechte Laune, und das traf auf 364 Tage des Jahres zu, erzählte sie immer dasselbe: „Ordne deine Angelegenheiten, denn du wirst bald sterben.“
Die Schrumpfmuffe wurde weltberühmt.
Trat ihre Vorhersage ein, hatte sie Recht behalten und an der Genialität ihrer Person war nicht zu zweifeln. Blieb das jeweilige Wesen am Leben, war es so glücklich über diese Fügung, dass es vor Dankbarkeit nicht auf die Idee kam, die Schrumpfmuffe der Scharlatanerie zu bezichtigen.

Und so lebt die alte, runzlige Schrumpfmuffe bis heute irgendwo in Südostasien und webt sich in einen Kokon aus Launen und Sagen.

Diese Geschichte ist in folgende Sprachen übersetzt worden: „
Schrümpfmüff“ (türkisch), „Schrömpfmöff“ (schwedisch), „Dä Sägä vän där Schrämpfmäff“ (finnisch) und „Scrympfmyffcz“ (polnisch)

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