Mein Name ist Floy.

Ich weiß.

Dafür kann ich aber nichts.

Meine Mama ist Deutsche, mein Papa Australier. Mama wollte mich Flo nennen, Papa Joy, und so ist Floy draus geworden. Und heute, an Weihnachten, war der Joy bei Floy besonders groß, weil meine verrückte australische Tante Mary zu Besuch kommen würde. Schon den ganzen Tag klatschte ich wie blöd in die Hände, lachte, und freute mich. Tante Mary Strollings war eine richtige Queen, ach, was sage ich, ein bunter, schriller Vogel Strauß des Alltags. Von den Ärzten hat sie mehr Beruhigungstabletten verschrieben bekommen, als eine Elefantenherde bräuchte, trotzdem war alles für sie ein Aufreger. Dann war sie da. Brennend wie ein Dynamo, zart wie bereits erwähnte Elefantenherde. “Oh, Floy, mein Bernstein“, sagte sie in diesem markerschütternden Strollings-Ton, “es freut mich wahnsinnig, dich zu sehen!”, dann fiel ihr Blick auf meine Kunstsammlung über der Kommode in der Diele. Naja, eher Kunstdrucksammlung. “Rembrandt! Ich liebe the Rembrandts!”, schrie sie verzückt. “The who?”, gab ich ungerührt zurück. Ich hatte das Bild gekauft, weil es mir gefallen hatte, keine Ahnung, wie der Maler hieß. Mary schüttelte nachsichtig den Kopf. “Du little Kunstbanausin. Wieso gehst du überhaupt nicht ans Telefon? Ich hab dich fünfmal angerufen!” “Es ist kaputt”, erwiderte ich. “Dann musst du wohl mal den Telemann anrufen.” “Wen?” Ach so. Sie meinte den Mann von der Telekom. “Wie soll ich den anrufen, wenn mein Telefon kaputt ist?” Mary lachte. “Was ist mit deinem Handy?” Ja, ich hab ein Handy. Aber ich hasse die Telekom und genieße es, mal nicht erreichbar zu sein. Ich wechselte das Thema und kam auf Tante Marys Liebesleben zu sprechen. “Was machen deine Beach Boys, deine australischen Prinzen?”, fragte ich grinsend. Sie errötete. “Non, ma chère”, wechselte sie in einwandfreies Französisch, “ce n’est pas bon.” Jovial ließ ich sie damit in Ruhe. Aber sie rächte sich direkt. “A propos Prince– Ich will ja nicht gleich mit the Doors ins Haus fallen, non, aber was ist denn mit deinem Liebesleben? Immer noch toten Hosen, nicht?” Ich verzichtete darauf, sie für ihr schlechtes Deutsch zu rügen, geschweige denn, zu antworten und bat sie ins Wohnzimmer. Dort kam der nächste Schub. “Erträgst du diesen pinken Kitsch immer noch?”, fragte Mary und wies auf das Bild von Schnabel vis-a-vis. “Ein Geschenk deiner Mutter, ich weiß, aber pink, Floy? Das sieht grauenhaft aus. Genau wie dein Auto draußen.” Mein schöner Ford Metallic. Ausgerechnet. Mein Zweitwohnsitz. Ich liebe es, mit einem guten Buch in ihm zu sitzen, das Radio voll aufzudrehen und den Beat lesend zu genießen. “Außerdem musst du endlich aus dieser gefährlichen Gegend wegziehen, back nach Australia!”, rief sie besorgt. “Du kannst zu mir ziehen, Floy. Come back. Streetboys überall hier und New Kids on the Block, sie nehmen dir dein Geld ab und ramm’ Steine in dein Auto. Hier wird doch vermutlich jeden Tag einmal the police gerufen.” Sie kramte in ihrer Handtasche und gab mir eine Karte. “Take that. Ein sehr guter Makler bei mir downunder.” Soweit kommt es noch. “Tante Mary, zieh hier nicht so eine Show ab. Bad Kissingen ist meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Ich hab hier Zivilisation, aber auch Wälder, einen Bach, einen Berg-” Doch sie rümpfte die Nase. “Schön, Berg ist gut. Aber bei uns hast du alles – Wüste, City, Dschungel, Meer, den Timber-Lake” Plötzlich strahlte sie mich wieder an. “Ich rede und rede, dabei bin ich doch aus einem bestimmten Grund gekommen. Merry Christmas, Liebes, hier, ich habe wahnsinnig tolle Geschenke für dich!” Und damit packte sie schreiend bunte Päckchen aus. Also, nicht sie schrie. Die Päckchen waren schreiend bunt.

Meine Tante Mary. Ein bisschen Madonna, ein bisschen Santa. Na, wenigstens niemals langweilig…

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