Wenn ich mal wieder auf der Suche nach einen guten Thriller bin und diverse Rezensionen lese, fällt mir immer häufiger auf, dass es anscheinend überall als Qualitätsmerkmal gilt, wenn es im Roman ohne “erhobenen Zeigefinger” zugeht.

Ich möchte mich nicht belehren lassen.

steht in einigen Kritiken. Weshalb ist das eigentlich für viele so ein Problem? Was ist so schlimm daran, etwas zu lernen?

Wir lernen alle gern und lassen uns online durch zahllose Tutorials informieren, wie der perfekte Lidstrich gezogen wird, oder wie man ein Regal aufbaut. Kinder fragen uns Löcher in den Bauch, alles und jedes interessiert sie, alles und jedes wollen sie können. Aber auch und gerade bei den Kindern sieht man, dass Lehre nicht gleich Lehre ist.

Kinder wollen nicht nur wissen, sie wollen auch verstehen.

Warum?

ist eine sehr beliebte Frage unter 2-10-Jährigen, bevor irgendwann die pubertäre Ignoranz einsetzt.

Auch uns Erwachsenen geht es um Verständnis und darum, nicht blind irgendwelche Lehrmeinungen von anderen zu übernehmen.

Einer meiner Lieblings-Thrillerautoren, Sebastian Fitzek, hat mal sinngemäß auf die Frage, wann man den Kritik annehmen solle, gesagt, man solle sich Folgendes überlegen: Meint es die andere Person gut mit mir, will sie mich herausfordern, fördern, besser machen? Dann kann ich eventuell von ihr lernen, sollte die Kritik annehmen. Glaube ich jedoch, mein Gegenüber will sich nur wichtig und mich fertig machen, kann ich die Kritik getrost vergessen.

Lernen von anderen kann inspirieren, beflügeln, uns weiterbringen. Von wem wir lernen wollen, bestimmt unser Bauchgefühl – leider können wir dem nicht immer nachgeben und uns unsere Lehrmeister aussuchen. Wir alle wissen aus Schule, Ausbildung und Studium, wie leicht uns das Lernen fällt, wenn wir unseren LehrerInnen vertrauen, und wie mühsam das Lernen fällt, wenn wir sie nicht respektieren können.

Genau so, wie wir jede gesunde Neugier eines Kindes mit den Worten “Das ist eben so” oder “weil ich es sage” abwürgen können, verkümmert der Lernwille bei uns Erwachsenen, wenn man uns etwas “überstülpen”, “aufdrängen” will, was wir nicht verstehen.

Wir brauchen vielleicht keine Autoritäten, aber wir brauchen Vorbilder.

Und wenn ein schriftstellerisches Vorbild mal den moralischen Zeigefinger hebt, sei ihm das verziehen.

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