…sieben Rabenmütter, die genug von ihren Kindern hatten. Sie wollten etwas erleben, das nichts mit Muttersein zu tun hatte und machten sich auf in die Stadt, um tanzen und feiern zu gehen. Ihre sieben Zwerge brachten sie zu Marie, einer Tagesmutter, die mit ihrem Mann Chen in einem Haus am Waldrand wohnte.

Das Waldhaus schmiegte sich kuschelig in moosbewachsene Hügel ein, und die Kinder verlebten eine glückliche Zeit. Marie strickte ihnen schöne Kleidchen, Hemdchen und Hosen. Voller Stolz zeigte sie ihrem Mann die Kunstwerke: “Schau, sie sind alle schneeweiß, Chen, und rosenrot, deine Lieblingsfarben.” Doch die Kinder waren nicht zufrieden, die Wolle piekste und kratzte, da Marie allerlei rauhes Material verwendet hatte. Die Zeiten waren hart, und Kaschmirwolle teuer.

Die sieben Rabenmütter verlebten eine gute Zeit. Doch sehr bald merkten sie, dass sie ohne die sieben Zwerge nicht leben konnten. Sie kehrten nach Hause zurück, stellten die zertanzten Schuhe in die Regale und liefen zum Waldhaus zurück, um ihre Kinder wieder abzuholen. Doch Marie wehrte sich vehement, da sie die Kleinen selbst liebgewonnen hatte.

Pech, Marie“, fauchte die erste Mutter. “Wir haben gute Anwälte. Du hast kein Recht, uns die Kinder zu nehmen.”

Die jüngste von ihn, die kluge Gretel, machte den Vorschlag: “Ich hab vom Fischer und seiner Frau Fisch für das ganze Jahr bekommen. Wenn du uns ohne Murren unsere Kinder wiedergibst, sollst du jede Woche Fisch bekommen.”

Marie zögerte. Sie liebte Fisch. Aber sie liebte auch die Kinder und war immer noch böse, dass die sieben Rabenmütter sie einfach so abgegeben hatten. Doch das wollten die Frauen nicht auf sich sitzen lassen. “Weißt du eigentlich, wie das ist, wenn man jahrelang rund um die Uhr für die Zwerge da ist? Es ist nicht alles Gold, Marie, was glänzt, natürlich sind Kinder was Wunderschönes, aber manchmal braucht man eben auch eine Pause. Die haben wir uns genommen. Wir haben sie ja schließlich nicht im Wald ausgesetzt, sondern bei dir gut untergebracht, oder etwa nicht?”

Auch die Kinder wollten wieder zu ihren Müttern zurück. Natürlich hatten sie auch Marie sehr liebgewonnen, doch der süße Brei und der Rapunzelsalat schmeckten nach drei Tagen nicht mehr. Sie wollten wieder die Lieder ihrer Mamas hören, ihre Schnittchen essen und von ihnen zu Bett gebracht werden. Außerdem sahen sie, wie gut der Ausflug ihren Mamas getan hatte, sie waren fröhlicher, ausgeglichener und glücklicher als vorher.

Da musste Marie einsehen, dass sie den sieben Müttern Unrecht getan hatte. Und sie ließ Hänsel und Gretel, den Frieder und das Katherlieschen, Rotkäppchen, Jorinde und Joringel ziehen.

Seitdem wurde Marie jeden Sommer von den Sieben besucht. Sie spielten, lachten, und zeigten Marie, wie man auch andere Sachen zubereitet als Brei oder Rapunzelsalat. Dafür bastelte sie mit ihnen kleine Ritterburgen, Prinzessinnenschlösser und Geschenke für die Mütter.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kleben sie noch heute…

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