Als bekennender Astrid-Lindgren-Fan bewegt sich mein Mutterherz immer zwischen den Polen “Räubertochtermama” und “Helikoptermutter”. Mein Verstand vermutet, dass es Kindern gut tut, sich frei selbst entwickeln und eigene Erfahrungen machen zu dürfen, mein Herz würde das eigene Kind lieber in Watte packen, im Rapunzelturm einsperren und den Schlüssel wegwerfen.

Spaß beiseite.

Da unsere Kinder in der Regel nicht in den schwedischen Dörfern Lindgrens aufwachsen, wo der böseste Schurke ein kleiner Junge ist, der sich eine Suppenschüssel über den Kopf stülpt, sondern im modernen Großstadtjungel, der von unübersichtlichem Straßenverkehr, einem Haufen fremder Menschen und gefährlichen Verlockungen bestimmt ist, tut man natürlich gut daran, besonders auf den eigenen Sprössling acht zu geben.

Doch wo liegt die gesunde Mitte zwischen “ich fahr mein Kind mit dem SUV vor die Klassentür” und Vernachlässigung der Aufsichtspflicht?

Wir wünschen uns Glück, Erfolg und Sicherheit für unseren Nachwuchs. Doch wie soll er lernen, diese Dinge als Erwachsener zu erreichen, wenn wir ihm als Kind alles abnehmen – in der Schule bessere Noten einklagen wollen, es hierhin und dorthin kutschieren, ihm die Schultasche packen und das Zimmer aufräumen?

Was hilft uns Erwachsenen, den Alltag zu meistern, ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen, solange die äußeren Umstände dem nicht entgegen stehen?

Ich hab für mich folgende Eigenschaften gefunden:

  • Selbstvertrauen
  • Vernunft
  • gesunde Vorsicht, Kritikfähigkeit
  • Mut (nicht Leichtsinn)

Diese Liste kann man natürlich ins Unendliche weiterführen. Humor gehört für mich beispielsweise auch zur Alltagsbewältigung.

Doch wie helfe ich meinem Räuberkind nun dabei, Selbstvertrauen zu entwickeln, vernünftig zu entscheiden, wann Mut, wann Vorsicht angesagt sind?

Ich fürchte, indem ich der Helikoptermutter in mir geduldig zuhöre, und sie dann zum Kaffeetrinken schicke, während ich versuche, Madame auf den Weg vorzubereiten. Indem ich nicht alle Steine, Spinnen und Stolperfallen aus dem Weg räume, sondern ihr beibringe, wie sie mit Steinen etwas Neues erschafft, den Spinnen aus dem Weg geht und über die Stolpferfallen springt. Denn was macht uns zu dem, der wir heute sind? Nicht die ewigen Ermahnungen und Warnungen unserer Eltern.

Unsere eigenen Erfahrungen.

…diesen Sommer werde ich bis an mein Lebensende in mir tragen, das weiß ich.”

Astrid Lindgren in “Ronja Räubertochter”

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